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lauf.inFranken.de  Ein Zusammenschluss von Menschen, die eine Abhängigkeit überwunden haben, bietet ehrenamtliche Beratung an.

Suchtselbsthilfe möchte mehr Gehör finden

Menschen, die aus eigener Anstrengung eine Krankheit überwunden haben, sind Experten. Mit ihren Lebenserfahrungen können sie anderen hilfreich zur Seite stehen. Sie wissen genau, welche Kräfte aktivie...
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Die Mitglieder der Suchtselbsthilfe Mittelfranken (SSM) beraten und unterstützen neben Schulen und Krankenhäusern auch die ambulanten und stationären Therapieeinrichtungen wie die Laufer Mühle. Foto: privat
Die Mitglieder der Suchtselbsthilfe Mittelfranken (SSM) beraten und unterstützen neben Schulen und Krankenhäusern auch die ambulanten und stationären Therapieeinrichtungen wie die Laufer Mühle. Foto: privat

Menschen, die aus eigener Anstrengung eine Krankheit überwunden haben, sind Experten. Mit ihren Lebenserfahrungen können sie anderen hilfreich zur Seite stehen. Sie wissen genau, welche Kräfte aktiviert werden müssen, um Krankheiten zu besiegen. "Gesund werden ist oftmals kein Hexenwerk: Dazu muss ich nur konsequent die mir zur Verfügung stehenden Kräfte und Fähigkeiten richtig nutzen", so Jürgen Stöhr, Mitbegründer der Suchtselbsthilfe Mittelfranken, der erfolgreich seine Drogensucht überwunden und wieder festen Boden unter den Füßen hat. Er ist nicht nur völlig genesen, sondern auch beruflich und sozial wieder bestens integriert.

Die Zahlen sprechen für sich: Über Selbsthilfegruppen finden mehr als zwei Drittel aller Menschen, die von Alkohol, Medikamenten oder Drogen abhängig sind, aus eigenem Antrieb den Weg aus der Krankheit. Um in der breiten Öffentlichkeit nun stärker gehört zu werden, haben sich die Spezialisten in Sachen Selbstheilung zu dem Verbund "Suchtselbsthilfe Mittelfranken" (SSM) zusammengeschlossen. Mit ihrer Fachkompetenz beraten sie mittlerweile den mittelfränkischen Bezirkstag und werden von einzelnen Kommunen bei sozialpolitischen Themen eingebunden, wenn neue Konzepte im Umgang mit suchtkranken Menschen geplant werden. Wenn es darum geht, suchtpräventive Aktionen durchzuführen, kommen verstärkt Schulen und Betriebe auf die Selbsthilfeexperten zu. Nach wie vor sind die Mitglieder der Suchtselbsthilfe-Organisation auch in Entgiftungsstationen der Krankenhäuser präsent, um dort Abhängigkeitserkrankte zu motivieren und zu unterstützen.

Ein Appell an die Politiker

"Ohne eigenes Zutun gelingt der Ausstieg aus der Krankheit nicht", weiß Kessy Chynava zu berichten, die ebenfalls vor vielen Jahren durch die Unterstützung der Selbsthilfe den Ausstieg geschafft hat und nun im Hauptberuf einen Teeladen in Neustadt leitet. In ihrer Freizeit engagiert sie sich bei der "Suchtselbsthilfe Mittelfranken", um "nun andere zu ermuntern, den Sprung in ein suchtfreies Leben zu wagen".

"Leider werden wir aber von den entscheidenden Gremien der Gesundheits- und Sozialpolitik noch viel zu wenig gehört und angefragt", mahnt der Vorsitzende der Suchtselbsthilfe Mittelfranken, Lorenz Stubenvoll, an. "Wir könnten noch viel mehr bewegen und mehr Menschen in Not erreichen, wenn Bezirks- und Kommunalpolitiker uns bei ihren Planungen offensiver mit einbeziehen würden." "Sucht einfach zu akzeptieren, bedeutet das Leid von Menschen zu verlängern und die Krankheit zur verfestigen", führt Heidi Schmeckenbacher, die auch selbst aus eigener Kraft die heimtückische Krankheit überwunden hat, aus. Auch sie hat kein Verständnis für eine Politik, die weniger auf den Ausstieg aus der Krankheit als vielmehr auf die Akzeptanz des Drogenkonsums im öffentlichen Raum setzt.

Die Krankheit nicht verwalten

Nach Ansicht der mittelfränkischen Selbsthilfespezialisten müssen Menschen, die ernsthaft aussteigen wollen, noch stärker unterstützt werden, als dies bisher der Fall ist. Dazu sollten auch die Schwerpunkte in den öffentlich bezuschussten Beratungsstellen dahingehend gewichtet werden. "Eine erfolgreiche Suchtpolitik verwaltet nicht die Krankheit, sondern fördert alle Wege zur Gesundung", lautet deshalb eine Kernforderung der Suchtselbsthilfe Mittelfranken. Nicht nur erfolgreicher, sondern auch billiger ist die konsequente Förderung der Selbsthilfeansätze, denn sie wird ausschließlich von Menschen getragen, die sich aufgrund persönlicher Betroffenheit und Lebenserfahrung ehrenamtlich einbringen. Hoffnung setzen die Mitglieder der Suchtselbsthilfe Mittelfranken nun auf den neu gewählten Bezirkstag. red



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