Bamberg

Stunde des Vertrauens in Gott

Der ökomenische Dekanatsgottesdienst zum Reformationstag in der voll besetzten Erlöserkirche war musikalisch herausragend.
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Blick in die voll besetzte Erlöserkirche und auf die Chöre samt Orchester, die den Gottesdienst am Reformationstag mitgestalteten Foto: mkh
Blick in die voll besetzte Erlöserkirche und auf die Chöre samt Orchester, die den Gottesdienst am Reformationstag mitgestalteten Foto: mkh

Marion Krüger-Hundrup Mit Handschlag und freundlichen Worten verabschiedete Dekan Hans-Martin Lechner die einzelnen Gottesdienstbesucher. Und diese bedankten sich bei ihm für die berührende Feier zum Reformationstag am 31. Oktober. Aber auch bei Professor Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) für seine aufrüttelnde Kanzelrede. Einträchtig standen die beiden Männer vor dem Portal der Erlöserkirche und ließen die Hunderte an sich vorbeiziehen.

Es war ein stimmungsvolles Bild funktionierender Ökumene, das der evangelische Dekan und der oberste Vertreter der katholischen Laien in Deutschland da boten. "Es ist die Stunde des Vertrauens in Gott", hatte Lechner auch zu Beginn des Dekanatsgottesdienstes gesagt. Gemünzt auf das Verhältnis der beiden großen Kirchen war es ebenso eine Stunde des Vertrauens in die gemeinsame Strahlkraft in einer zunehmend säkularisierten Welt. So war es auch ein recht verstandenes Zeichen, dass Domkapitular und Dompfarrer Markus Kohmann im liturgischen Gewand mit in die Kirche einzog und auch ein Fürbittgebet sprach.

Kräftiger Gemeindegesang

"Vertrauen auf Gott ist das Gegenprogramm zur Selbstoptimierung", fasste Professor Sternberg seine Predigt zusammen. "Handeln im und aus Vertrauen, von Gott getragen zu sein", gebe Zuversicht in aller Not. Zuvor hatte der ZdK-Präsident Bezug genommen auf die Kantate "Wer nur den lieben Gott lässt walten" von Johann Sebastian Bach, die alles andere sei als "billiger Trost" oder ein "Text für die, die keine Sorgen kennen". Sternberg schlug damit einen Bogen zu der herausragenden musikalischen Gestaltung dieses Gottesdienstes. Denn genau diese Bach-Kantate kam zu Gehör. Die Kantorei St. Stephan und der Kantatenchor der Erlöserkirche mit Orchester sowie Solisten sangen eindringlich Verse wie "Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut". Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper und Dekanatskantorin Markéta Schley Reindlová hatten die Leitung dieses Ereignisses inne.

Natürlich gab es auch kräftigen Gemeindegesang. Und es fehlte nicht Martin Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott", das evangelische Bekenntnislied schlechthin. Das jedoch nach den Worten von Professor Sternberg auch Katholiken singen können, da "Burg als Geborgenheit im spirituellen Sinne" zu verstehen sei.

Für Dekan Lechner war die "anrührende, bezaubernde Interpretation des Vertrauensliedes von Bach", die Sternberg geboten hatte, eine "wahrhaft evangelische, ökumenische und im besten Sinne katholische Predigt". Lechner wollte diese christliche Ökumene geweitet wissen in den interreligiösen Dialog.

Dass dieser in Bamberg gut verankert ist, zeigten die jüdischen und muslimischen Gäste dieses Reformationstages, aber auch die Fürbitten. So wurde zum Beispiel ein Gebet für die "jüdischen Geschwister", die selbst heutzutage Hass und Gewalt ausgesetzt sind, zum Himmel geschickt. Auch die Kollekte war für die Förderung des interreligiösen Dialogs im Bamberger "Zelt der Religionen" bestimmt.

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