Lichtenfels

Student backt Cannabiskekse

36-Jähriger besorgt sich zwei Mal Stoff von einem Kindheitsfreund. Jetzt muss er 600 Euro Strafe zahlen.
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Cannabisblüten hat der Angeklagte in Keksen verarbeitet. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Cannabisblüten hat der Angeklagte in Keksen verarbeitet. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Jede Menge Brisanz hatte am Dienstag auf dem Amtsgericht ein Verfahren für einen 36-jährigen Angeklagten, dessen berufliches Fortkommen auf der Kippe stand. Der Mann studiert aktuell Medizin und buk Kekse aus Cannabis. Ein Betäubungsmittelvergehen.

Vor geraumer Zeit, so ließ sich der aus Würzburg stammende Angeklagte vor Richter Alexander Zenefels und Staatsanwältin Tatjana Winderholer ein, habe er die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Haschisch und Marihuana in der Medizin mitbekommen. Er wollte "zumindest mal getestet haben", was in den Medien bezüglich Cannabis bzw. Marihuana und Medizin zu lesen steht. Insofern sei der Vorwurf der Staatsanwaltschaft korrekt, über die Menge aber "könne er nichts sagen".

Das konnte dafür die Staatsanwaltschaft umso besser. Sieben Gramm Cannabis in Bad Staffelstein, so Staatsanwältin Tatjana Winderholer, habe er sich zwischen dem 1. Juli 2016 und dem 4. März 2017 zugelegt. In der Folgezeit habe er noch einmal zugeschlagen: 13 Gramm in Würzburg. Das Ergebnis war die Anklage wegen vorsätzlichen und unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln.

Rücksicht aufs Studium?

Für kurze Irritation sollte noch sorgen, dass der Angeklagte die Ladung zum Prozess erst nicht bekommen habe, dann aber ging Rechtsanwältin Christina Glück auf ihr eigentliches Anliegen ein. Sie wollte für ihren Mandanten erreichen, dass das Verfahren "mit Rücksicht auf das Medizinstudium des Mannes anders zu behandeln" sei, eher im Sinne einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage. Denn bei Verurteilung stünde das berufliche Fortkommen ihres Mandanten auf der Kippe, all die Studienjahre womöglich umsonst. "Da gib's jetzt eigentlich nix zu reden. Grundsätzlich stellen wir bei zweimaligem Betäubungsmittelverstoß Verfahren nicht ein", hielt Winderholer dagegen. Bis dato äußerte der Angeklagte nur wenig zu seinem Vorfall, nun aber ließ er sich ein und sprach über den Mann, der ihm die insgesamt 20 Gramm zukommen ließ. "Also ich kenne ihn schon seit der Kindheit - seit immer. Unsere Wege haben sich dann getrennt - unterschiedliche Bildungswege mit unterschiedlichen Milieus."

Der Kindheitsfreund habe ihm Cannabis verschafft und so habe er Kekse gebacken, deren Wirkung er verfolgen wollte. Beim Verzehren habe er aber noch darauf hingewiesen, "dass kein Fahrzeug mehr geführt werden darf".

Richter Alexander Zenfels quittierte diese Bemerkung mit Lakonie: "Da haben Sie ja richtig Fingerspitzengefühl gezeigt." Der Angeklagte zeigte sich einsichtig und geläutert: "Das Betäubungsmittelgesetz habe ich mir zu Gemüte geführt und es wird auch nicht mehr dagegen verstoßen." Trotz dieser Einsicht wollte Winderholer noch einmal wissen, was er sich bei seinem Tun eigentlich gedacht habe. "Das war dumm (...), das kann mich die letzten sechs, sieben Jahre meines Lebens kosten", bescheinigte sich der Gefragte, der so in Erinnerung brachte, dass er ein Medizinstudium betreibt. Winderholer pflichtete ihm wegen der Dummheit bei.

Allerdings stellte die Staatsanwältin fest, dass der Angeklagte in Bezug auf Gerichtserfahrung eine Besonderheit habe: "Sie sind ein unbeschriebenes Blatt in jeglicher Hinsicht." Winderholer zeigte sich milde gestimmt, einer Verfahrenseinstellung gewogen. "Aber wenn wir von einer Einstellung reden: Mit 300 Euro Geldstrafe kommen Sie hier nicht weg", so die Staatsanwältin. Nun erklärte auch der Angeklagte noch, dass "es auch nur darum zum zweiten Geschäft gekommen ist, weil das erste Backen schieflief". Unter all diesen Umständen und einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro, signalisierte nun Winderholer, würde sie sich zu einer Verfahrenseinstellung "verleiten lassen".

Eine für den Studenten dennoch schmerzliche Summe, bedeutet sie derzeit doch das Dreifache eines Monatsgehalts, welches er für Vollzeitpraktika erhält. Er willigte ein.



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