Burgwindheim

Stuck fällt von der Kirchendecke

Seit Februar ist St. Jakobus in Burgwindheim gesperrt. Das bleibt das Rokoko-Gotteshaus auch am Blutsfest. Wenn das Sicherungsnetz angebracht ist, kann die Kirche wieder genutzt werden. Sanierungsarbeiten stehen an.
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Ein Putto mit Notsicherungen
Ein Putto mit Notsicherungen
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Anette Schreiber "Gefahr in Verzug!" Bauch und Bein des Engelssind mit U-Eisen gegen Herabstürzen an der Decke gesichert. Nicht nur Teile dieser Deckenfigur, auch andere Stuckornanmente sind gegen Herabstürzen provisorisch fixirt. Fabienne im Herbst und Starkwind im Februar haben der Burgwindheimer Rokoko-Kirche übel mitgespielt. Zunächst, also nach Fabienne, so Dekan Albert Müller, hatte man bei den Überprüfungen gar keine Schäden bemerkt. Es bröckelte zwar immer wieder etwas Stuck. Als dann aber im Februar ein Helfer einen herabgestürzten, etwa 30 mal 40 Zentimeter großen Stuckbrocken nahe der Opferkerzen am Boden fand, habe man sofort reagiert und das Gotteshaus St. Jakobus der. Ältere gesperrt. "Das war absolut richtig", kommentiert Jürgen König, Leiter des Staatlichen Bauamtes in Bamberg, dieses Vorgehen.

Seitdem weicht die Gemeinde bei Gottesdiensten in die Blutskapelle oder in die Kirche in Mönchherrnsdorf aus. Ausweichen musste Dekan Müller auch vergangene Woche an Fronleichnam und wird das in dieser Woche erneut müssen - bei dem weithin bekannten Fest zum Heiligen Blut. Diese Gottesdienste werden in die gemeindliche Turnhalle verlegt. Nicht annähernd ein Ersatz, was das Ambiente betrifft, aber ungleich sicherer.

In Absprache mit dem Staatlichen Bauamt hat sich Müller zu diesem Schritt entschieden. Eine Option wäre es gewesen, Kirchenbesucher mit einem unter der Decke angebrachten Netz vor weiteren herabfallenden Teilen zu schützen. Dieses Nylonnetz, das rund 10 000 Euro kostet, ist zwar bestellt, aber noch nicht da. Es wird noch gefertigt. Das dauert auch deswegen so lange, weil die Produktion in Spanien stattfindet. Immerhin muss das Netz eine Fläche von rund 400 Quadratmetern sichern. Der Saal ist 34 Meter lang, 16 Meter breit und zwölf Meter hoch. Laut Renate Bruse, Projektleiterin am Staatlichen Bauamt und hier zuständig für das Burgwindheimer Gotteshaus, werde das noch etwas dauern. Bruse und ihr Chef König schätzen, dass in etwa vier Wochen wieder Gottesdienste gehalten werden können.

Eigentlich für 40 bis 45 Jahre

Renate Bruse ist mit St. Jakobus deswegen so gut vertraut, weil sie auch die vor zehn Jahren abgeschlossene, 2,6 Millionen Euro teure Generalsanierung im letzten Abschnitt begleitet hat. Eigentlich soll mit einer derartigen Generalsanierung wie in Burgwindheim ein Sanierungsintervall von etwa 40 bis 45 Jahren abgedeckt sein.

Doch dann kamen die erwähnten Witterungsereignisse dazwischen. Vor allem wohl Fabienne mit einem Downburst. "Scherkräfte, die von oben und der Seite einwirkten", so der Dekan, dessen Flexibilität nun einmal mehr gefragt ist. Denn bereits während der Generalsanierung (2007 bis 2010) musste er an Fronleichnam und am Blutsfest in die Turnhalle ausweichen. So ist ihm das alles nicht ganz neu. Neu ist nur, dass die Bewirtung der vielen Besucher nicht an der Schule, sondern im Pfarrgarten stattfindet.

Wie genau es mit der in den Jahren 1748 bis 51 unter dem Ebracher Abt Hieronymus Held errichteten Kirche (Turm 1615 mit dem Vorgängerbau erbaut) weitergeht, wird erst noch zu besprechen sein. Eine Expertenrunde aus Bauamt, Denkmalschutz, Kirche und Restaurator wird Anfang Juli festlegen, welche Sanierungsvarianten zur Anwendung kommen, wie Stuckdecke und Tragwerk zu ertüchtigen sind.

Nahe dem Turm, im Bereich, in dem der große Stuckbrocken herabgefallen war, steht ein bis unter die Decke reichendes Innenraumgerüst. Ebenfalls in der Kirche deponiert ist ein Hubsteiger, mit dem man an jede zu sanierende Stelle unter der Stuckdecke gelangt. Die Schadensaufnahme des Restaurators, der auch die Notsicherung der besonders betroffenen Bereiche vorgenommen hat, zeigt ein doch umfangreicheres Schadensbild als anfangs vermutet. Weitere Analysen sind erforderlich. Hauptaltar, Seiten-Altäre, Beichtstühle, Figuren und Orgel sind mit Planen gegen Staub geschützt. Freilich wird eine Reinigung nach den weiteren anstehenden Arbeiten unerlässlich sein. Zur zeitlichen Dauer der nötigen Maßnahmen legt sich König nicht fest. Wichtig für Dekan Müller: Nach Anbringung des Netzes ist der Kirchenraum wieder zugänglich.

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