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Weisendorf

Strom vom eigenen Dach

Weisendorf soll bis spätestens 2030, aber besser schon in den kommenden fünf Jahren seinen Strombedarf selbst erzeugen können. Das wünscht sich Bürgermeister Heinrich Süß und wirbt mit einer Infoveranstaltung bei den Bürgern.
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Bürgermeister Heinrich Süß deutet es an: Das Weisendorfer Rathaus hat die Sonne auf dem Dach, und das schon seit zehn Jahren.  Foto: Bernhard Panzer
Bürgermeister Heinrich Süß deutet es an: Das Weisendorfer Rathaus hat die Sonne auf dem Dach, und das schon seit zehn Jahren. Foto: Bernhard Panzer

bernhard Panzer Für Heinrich Süß, den Bürgermeister der Marktgemeinde, steht fest: Man muss wieder mehr auf die Kraft der Sonne setzen. "Macht die Dächer voll" lautet sein Appell an die Bürger, doch verstärkt Solar und Photovoltaik zu nutzen. "Denn es rechnet sich", berichtet Süß, der die Bevölkerung nun zu einem Informationsabend einlädt. Zu Gast ist Jürgen Ramming von der Energieagentur Oberfranken, und der gibt "ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Photovoltaik", wie es auf einem Flyer zu der Veranstaltung heißt.

Bewusst lädt Süß die Bevölkerung aus dem gesamten Seebachgrund ein, also auch aus den Nachbargemeinden. Gut hundert Plätze stehen in der Aula der Grundschule 2 zur Verfügung. Termin ist am kommenden Dienstag um 19 Uhr.

Ein Plan für die Energie

Seit vier Jahren hat die Marktgemeinde Weisendorf einen Energienutzungsplan, der von der Energieagentur Nordbayern erstellt worden ist. Dieser dient als Grundlage für künftige energiepolitische Entscheidungen und hat das Ziel, die Gemeinde mit ihren Bürgern und Unternehmen "mit sicherer und bezahlbarer Energie aus heimischen, erneuerbaren Quellen" zu versorgen.

Bis zum Jahr 2030 wolle man beim Strom spätestens CO2 -neutral sein, sagt Süß. Und ist überzeugt: "Wir schaffen das früher." Der Bürgermeister hat das persönliche Ziel, den Strombedarf in Weisendorf in den kommenden fünf Jahren zu einhundert Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Ein wichtiger Bestandteil sind für Süß die Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Nachdem deren Nutzung in den vergangenen Jahren überall ins Stocken geraten sei, weil auch die Förderung runtergefahren wurde, ziehe das nun wieder an. Ein Grund: Zum Jahresbeginn haben erneut viele Stromanbieter ihre Preise erhöht. Inzwischen zahlen Privathaushalte im Schnitt schon knapp über 30 Cent pro Kilowattstunde. Ein weiterer Grund: Die Stromerzeugung auf dem eigenen Dach ist laut Süß deutlich erschwinglicher geworden als in den Anfangsjahren.

Potenzial höher als Verbrauch

Mit dem Vortrag des Energieberaters Jürgen Rammig, der übrigens Privathaushalte auch in Weisendorf kostenlos am Telefon berät, will die Gemeinde einen Anfang machen. Der Strom vom eigenen Dach rechne sich, man könne mit Photovoltaik und Speicher dem Strompreis ein Schnippchen schlagen, heißt es in der Einladung zu dem Infoabend. Für den Weisendorfer Bürgermeister ist es an der Zeit, wieder die kleineren Dinge ins Bewusstsein zu rufen. Viele hätten bei erneuerbarem Strom die riesigen Windräder mit ihrer Megaleistung im Blick. Doch Solar und PV auf den Dächern seien da keineswegs zu vernachlässigen. Das sei im Energienutzungsplan auch festgehalten. So ergibt sich mit der Photovoltaik auf den Weisendorfer Dachflächen ein Stromerzeugungspotenzial von rund 22 000 Megawattstunden. Der aktuelle Stromverbrauch in der Gemeinde liege bei insgesamt nur gut 19 000 Megawattstunden.

Die Gemeinde geht bei der Nutzung der Sonnenergie mit gutem Beispiel voran. So ist seit zehn Jahren bereits das Dach des Rathauses großflächig mit Modulen bestückt. Weitere Anlagen sind auf dem Dach der neuen Sporthalle vorgesehen, die Schulen kämen infrage, ebenso die Feuerwehrhäuser. Jetzt hofft Süß, dass die Bürger zahlreich zu dem Infoabend kommen und sich dort auch überzeugen lassen. In der Hinterhand hat Süß bereits eine Idee, wie man einen zusätzlichen Anreiz schaffen könnte. Möglicherweise könne die Gemeinde den Privatleuten für ihre Investition ja auch einen Zuschuss gewähren. "Das kann ich mir schon vorstellen", sagt Süß. Der Beschluss wäre dann Sache des neugewählten Gemeinderates.