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Lichtenfels
Gericht

Streit unter Nachbarn artet aus: Richter verhängt 1600 Euro Geldstrafe

Freunde werden diese beiden Nachbarn wohl so schnell nicht mehr. Wenn überhaupt. Zu viel dürfte zwischen den beiden Männern aus dem westlichen Landkreis vorgefallen sein und jetzt liegt auch der Vorfa...
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Freunde werden diese beiden Nachbarn wohl so schnell nicht mehr. Wenn überhaupt. Zu viel dürfte zwischen den beiden Männern aus dem westlichen Landkreis vorgefallen sein und jetzt liegt auch der Vorfall vom 27. September 2019 zwischen ihnen.

Durch ihn kam es zu einem Strafbefehl und letztlich auch zu einer Begegnung am Amtsgericht. Es ging um Körperverletzung. Staatsanwalt Alexander Brandt musste nun doch eine Anklageschrift verlesen, denn gegen die Zahlung von 1600 Euro zur Eindämmung der Angelegenheit hatte der 36-jährige Mann, dem man die Körperverletzung vorwarf, etwas. Er legte Einspruch ein, wollte eine Verhandlung. Doch die sollte nicht unbedingt zu seinem Vorteil ausfallen.

2,8 Promille intus

Am 27. September des vergangenen Jahres soll der Mann gegen 0.50 Uhr seinen Nachbarn geschlagen haben. Brandt sprach von der flachen Hand, mit der der Beschuldigte gegen das Auge seines Nachbarn ausholte. Das geschah nicht in nüchternem Zustand, sondern unter 2,8 Promille und unter schwer zu erhellenden Umständen. "Ich habe ziemlich viel getrunken, das stimmt", erklärte der Mittdreißiger eingangs der Verhandlung und sprach davon, den ständigen Provokationen seines Nachbarn ausgesetzt gewesen zu sein. So soll er beispielsweise von diesem immer wieder gefilmt worden sein. Zum besagten Septembertag hatte der Beschuldigte klare Ansichten: "Vom Dachfenster hat mein Nachbar gerufen, ich soll aufhören zu zündeln."

Hintergrund: Er sei mit einer Pizza durch den Hof gelaufen, das muss der Nachbar von oben herab irgendwie missinterpretiert haben. Und das tat dieser eigener Aussage zufolge wohl auch. Der 49-Jährige gab nämlich an, ein "Papier und ein Feuerzeug vom Fenster aus gesehen" zu haben. Auch er sprach davon, nur noch provoziert zu werden. So habe der Mittdreißiger auch schon unter seinem Fenster gepinkelt. "Es ist mein Grundstück, ich pinkele hin, wo ich will - es ist doch ein Baum dazwischen", warf der Beschuldigte im Ton der Empörung ein. Doch dann war es wieder sein Nachbar, der mit Empörung fortfuhr.

Immerhin habe der Beschuldigte auch alkoholisiert herumgeschrieen, welche sexuelle Praktiken er mit der Frau des 49-Jährigen bevorzugen würde. "Komm' doch runter, du Spasti", habe er auch gerufen und sogar, dass er den Nachbarn erschießen wolle. "Ich erschieß' dich, ich leg' dich um", sei der Wortlaut gewesen. Wie der Schlag sich zugetragen hatte, konnte nicht ganz geklärt werden. Bestand der Mittdreißiger darauf, mit der flachen Hand zugeschlagen zu haben, so blieb der Endvierziger dabei, von einer Faust getroffen worden zu sein. Nachdem der Beschuldigte im Grunde ja alles zugab, wandte sich Richterin Daniela Jensch mit einer Frage an ihn: "Was ist eigentlich das Ziel Ihres Einspruchs?" Da erklärte der Mann, dass er die 1600 Euro für zu hoch erachte und auf eine Milderung des Betrages hoffe.

Dieser Betrag aber kam zustande, weil man bezüglich des Gehalts des Mannes eine Schätzung vornahm. Nun sollte sich zeigen, dass der Mann besser verdiente als vom Gericht angenommen, und der Strafbefehl bei 40 Tagessätzen auch hätte anstelle von 40 Euro auf 46 Euro lauten können. Mit dieser neuen Erkenntnis versehen, willigte der Beschuldigte ein, es nun doch bei den 1600 Euro belassen zu wollen und diese auch zu bezahlen. Sobald dies geschehen ist, wird der Fall vom Tisch sein. Aber die Nachbarschaft bleibt noch weiter bestehen.