Forchheim

Sting begeistert in Forchheim

Am Sonntag spielte Sting in Forchheim vor einem begeisterten Publikum seine größten Hits. Es war ein Konzert ohne Überraschungen, aber auch ohne offen gebliebene Wünsche.
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In hohen Sphären lässig singen und standfeste Bassläufe spielen: Sting in Forchheim Fotos: Barbara Herbst
In hohen Sphären lässig singen und standfeste Bassläufe spielen: Sting in Forchheim Fotos: Barbara Herbst
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Niklas Schmitt Bäm, bäm, bäm! Die ersten Töne am Sonntag auf der Jahnwiese in Forchheim spielte nicht Sting, sondern sein Schlagzeuger Josh Freese auf der Snare-Drum. Damit war gleich die Stoßrichtung der folgenden knapp zwei Stunden vorgegeben. Kraftvoll trieb Freese die übrige Band in das erste Lied und bestimmte mit seinem präzisen Spiel die Musik. Sting, mittlerweile 67 Jahre alt, rockte sich standfest und agil durch den Abend.

Was auf den alten Police-Klassiker "Message in a Bottle" folgte, war ein Best-Of, das keine Wünsche offen, aber auch keine Überraschungen bereit hielt.

Ein Hit folgte dem nächsten

Die letzten beiden Alben mit eigenen Stücken wurden nicht berücksichtigt. Die Lieder hatten es auch nicht auf das aktuelle Album "My Songs", mit dem Sting nun auf Tour ist, geschafft.

Dazu hat er nicht einfach die alten Lieder neu zusammengestellt. Sondern sie gleich ganz neu eingespielt. Auf der Platte mag den ein oder anderen stören, dass am Schlagzeug nicht etwa Stewart Copeland mit seinem filigranen Stil zu hören ist.

Live hingegen konnte man sich kaum etwas Besseres vorstellen als die insgesamt acht Musiker auf der Bühne. Mit sichtlichem Spaß spielten sie gleich am Anfang die größten Hits, sodass man sich fragen konnte, was dem noch folgen sollte.

Aber Sting, das ist gerade in der Popwelt erstaunlich, hat im Alleingang Hits von hoher Qualität am Fließband geschrieben und sich nie auf einen Stil festlegen lassen. Es kam auch schon vor, dass er ein Album mit steinalter Lautenmusik aufgenommen hat.

"Be yourself, no matter what they say", sei du selbst, egal was die anderen sagen, heißt es in "Englishman in New York". Vielleicht ist genau das das Geheimnis von Sting. In Forchheim jedenfalls hat er sich dazu entschieden, sich ziemlich geradlinig um seine alten Lieder zu kümmern.

Der Sound war dicht, anders als man es von The Police kennt. Deren Kunst bestand im geschickten Lückenlassen. Eine klirrende Gitarre für den Offbeat, ein lockerleichtes Schlagzeug dazu und dann noch Sting mit geschmeidigen Bassläufen.

Neuer Kick für alte Lieder

Nun ist es keinem der Musiker vorzuwerfen, dass sie nicht so spielen wie The Police in den 1980ern. Ganz im Gegenteil, ihre Spielfreude gab den Liedern einen neuen Kick, der sich auf das Publikum übertrug.

Es wurde viel getanzt und mitgesungen. Möglichkeiten dazu hat Sting ausreichend mit zahlreichen Call-and- Response-Spielchen gegeben. Der Brite motivierte sein begeistertes Publikum, wenn er denn etwas sagte, auf Deutsch: "Guten Abend meine Damen und Herren. Wie geht's, ja, alles klar?"

In der Mitte des Konzerts lehnte er sich etwas zurück und spielte eher die soulig angehauchten Stücke seiner Solokarriere. Es wurde etwas ruhiger, jeder bekam sein Solo. Zurecht, denn die Band war brillant - jeder für sich, aber vor allem im Zusammenspiel.

Und dann, bäm, "Walking on the Moon". Von jetzt auf gleich wurde die Energie hochgefahren. Kein Fuß blieb mehr auf dem Boden: vom großartigen, vor allem von den beiden Gitarrsiten getragenen "Desert Rose", über das etwas verlangsamte "Roxanne" mit stampfendem Bass und das - der Name sagt es eigentlich schon - rasante "Demolition Man", bis hin zum unvermeidlichen Schmachtbatzen "Every breath you take" hat Sting gezeigt, wie lässig er noch treffsicher und virtuos in hohen Sphären singen kann, während er standfest großartige Bassläufe darunter legt.

Zwei Zugaben sind nach solch einer Salve natürlich wenig. Vor allem, wenn man weiß, dass das, was Sting noch spielen könnte, all die anderen Hits sind.

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