Bamberg

Stimme der Schöffen hat Gewicht

Fünf Jahre dauert die Amtszeit ehrenamtlicher Richter an den Amts- und Landgerichten. 2019 treten allein am Landgericht 74 Frauen und Männer dieses besondere Ehrenamt an.
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An Amts- und Landgerichten wirken die Schöffen an der Rechtssprechung mit.  Foto: Barbara Herbst
An Amts- und Landgerichten wirken die Schöffen an der Rechtssprechung mit. Foto: Barbara Herbst

Sie würden davon nicht reich werden im monetären Sinn, aber auf jeden Fall reicher an Erfahrungen und Einblicken. Nicht mehr, aber auch nicht weniger versprach Landgerichts-Präsident Friedrich Krauß den 74 Frauen und Männern aus dem Großraum Bamberg, Forchheim und Haßberge, die ihm jüngst im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bamberg zuhörten. Sie werden von 2019 bis 2023 ehrenamtlich, also als Schöffinnen und Schöffen, an der Rechtssprechung im Landgericht Bamberg mitwirken.

Gemeinsam mit den hauptberuflichen Richtern werden die Männer und Frauen über schuldig und nichtschuldig entscheiden und über die Dauer einer verhängten Freiheitsstrafe.

Obwohl es sich um eine verantwortungsvolle Aufgabe handelt, mangelt es im Bezirk des Landgerichts nicht an Bewerbern, wie Krauß anerkennend betonte: Wie vor fünf Jahren, als die Amtszeit der bis jetzt tätigen Schöffen begann, habe es auch diesmal mehr Interessenten gegeben als gebraucht werden.

Bei der Einführungsveranstaltung informierten mit Manfred Schmidt und Uwe Bauer zwei erfahrene Juristen die Schöffen über ihre Pflichten und Rechte und standen zudem für Fragen zur Verfügung. Schmidt, Vorsitzender Richter der für Schwur- und Staatsschutzsachen zuständigen Zweiten Strafkammer und Vizepräsident des Landgerichts, sprach im Plauderton Klartext. Er bereitete die Laienrichter darauf vor, dass sie in den Hauptverhandlungen manchmal mit Sachverhalten und Schicksalen konfrontiert werden, die ihnen nahe gehen könnten: "Sie werden auch Bilder sehen, die Sie gar nicht anschauen möchten."

Suche nach der Wahrheit

Die Suche nach der Wahrheit sei oft schwierig. Gebe es Zeugen, gelte es am Ende einer Beweisaufnahme auch, deren Aussagen zu bewerten. Das sei nicht immer leicht. Trotzdem müssten sich die Schöffen eine Meinung bilden, "Farbe bekennen", so Schmidt. Oder, wie es Uwe Bauer formulierte: "Ihre Aufgabe ist es, mit uns zusammen den Sachverhalt zu erarbeiten." Für einen Schuldspruch ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, wobei die Stimme der Schöffen genauso viel Gewicht hat wie die der Berufsrichter.

Oft traurige Schicksale

Während die Zweite Strafkammer immer als erste Instanz bei gravierenden Straftaten bis zu Mord und Totschlag tätig ist, geht es in der von Vorsitzendem Richter Bauer geleiteten Ersten Strafkammer ausschließlich um Berufungen gegen Urteile der Amtsgerichte Bamberg, Forchheim und Haßfurt. Auch bei ihm würden die Schöffen mit oft traurigen Schicksalen konfrontiert, so Bauer. Viele der Angeklagten seien "bekannte Kunden", vorwiegend "Kleinkriminelle, die nicht mehr auf die Beine kommen". Seit es die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) gibt, habe es die Erste Strafkammer zudem häufig mit Asylbewerbern zu tun. Über die finanzielle Seite des Schöffenamts informierte Verwaltungsinspektorin Claudia Westphely. Laienrichter können für die Zeit bei Gericht Verdienstausfall und Fahrtkosten gelten machen und erhalten pro Stunde Sitzungsdauer 6 Euro. Wie hatte Landgerichts-Präsident Krauß eingangs gesagt: "Damit wird man nicht reich." jb



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