Kronach

Stille Nacht, geschäftige Nacht

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag - nicht zum ersten Mal. Trotzdem ist die Debatte um eine mögliche Sonntagsöffnung so laut wie nie.
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Fotos:  fotogestoeber, nikoendres/fotolia.com
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ANNA-Lena Deuerling

Keine große Überraschung zum Weihnachtsfest: Der Heiligabend fällt wie eh und je auf den 24. Dezember. Seit dem letztjährigen Höhepunkt der Besinnlichkeit hat also jeder, wie gehabt, 365 Tage Zeit, das andächtige Familienzusammentreffen akribisch zu planen. Dass wir in diesem Jahr an einem Sonntag unterm Weihnachtsbaum zusammensitzen sollen, scheint diese Meisterleistung der Organisation schier unmöglich zu machen - fehlt doch ein halber Tag, um letzte Einkäufe zu erledigen. In den vergangenen Tagen wurde die Möglichkeit eines "Verkaufsoffenen Heiligabends" hitzig diskutiert.
"Das ist der größte Schmarrn", kommentiert Johannes Fehn, Kreisvorsitzender des Handelsverbands Bayern (HBE), die Debatte knapp. Natürlich sei sie nicht ohne Substanz, denn das Ladenschlussgesetz birgt eine Sonderregelung für den Fall, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt. Demnach können Geschäfte öffnen, die überwiegend Lebens- und Genussmittel verkaufen. "Der Witz dabei ist, dass ein Discounter alle anderen Produktgruppen abhängen müsste", erklärt Fehn. Nicht nur die Tatsache, dass Waschmittel und Co. hinter Planen verschwinden müssen, das ganze Thema sorgt bei ihm für Kopfschütteln. "Ich finde es schade, dass es eine solche Debatte geben muss", sagt er.
"Ich glaube, wir haben alle die Möglichkeit, uns schon vor dem Heiligabend ausreichend einzudecken", so Fehn. Er appelliert an die Vernunft aller Händler, am 24. Dezember die Ladentüren geschlossen zu halten. An die Verbraucher hat er auch eine Botschaft: "Wir werden überleben."


Appell an die Verbraucher

Damit ist er der gleichen Meinung wie Verdi. Die Gewerkschaft fordert ebenfalls dazu auf, von einem Einkauf am 24. Dezember abzusehen. "Die Einzelhandelsbeschäftigten wollen sich wie jeder andere auf das Weihnachtsfest vorbereiten und gemeinsam mit ihren Familien feiern", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der dpa. Die Idee einer Sonntagsöffnung an Weihnachten hält sie für "zynisch".
Unter den großen Ketten hat sich Aldi schon Ende Oktober konkret zu einer möglichen Sonntagsöffnung geäußert. "Am Heiligabend denken wir hier vor allem an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach einer langen, intensiven Woche in Ruhe das Weihnachtsfest begehen sollen", heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Deshalb blieben alle Filialen am 24. Dezember geschlossen.
Bei Rewe und Edeka werden viele der Filialen von selbstständigen Kaufleuten geführt. Die könnten selbstständig über die Öffnungszeiten, und damit auch eine Sonntagsöffnung an Heiligabend, entscheiden, so beide Konzerne gegenüber der Deutschen Presseagentur. Auch im Landkreis Kronach trifft das auf viele Filialen zu.
"Wir werden nicht öffnen", sagt Carmen Klatt. Sie betreibt den Rewe-Markt in Marktrodach. Sie würde ohnehin nur alle sieben Jahre den Heiligabend feiern können, deshalb käme eine Sonntagsöffnung für sie nicht infrage. Sie denke dabei auch an die viele Angestellten, die Familie und Kinder zu Hause hätten. Matthias Börschel, Betreiber der Edeka-Filiale Steinbach am Wald, schließt sich dem an. "Der Tag bleibt uns heilig", erklärt er die Entscheidung, sein Geschäft geschlossen zu halten.


Verständnis im Netz

Die Facebook-Community in Kronach zeigt volles Verständnis. Die überwältigende Mehrheit antwortet auf die Frage, ob man eine Sonntagöffnung am 24. Dezember tatsächlich braucht, ganz klar mit: nein. Die meisten Nutzer sind der Meinung, dass Geschäfte ihre Türen geschlossen halten sollten. "Nein! Die armen Verkäufer und Verkäuferinnen haben auch mal ein Recht auf Ruhe, und viele haben ja schließlich auch Familie, also echt irgendwo hört der Spaß mal auf", schreibt Nutzerin Anja Lössl. "Wie weit soll der Wahn eigentlich noch gehen. Der eigentliche Sinn von Weihnachten ist sowieso schon vollkommen in Vergessenheit geraten", kommentiert Andrea Wagner.
Einen Einwand, den der katholische Betriebsseelsorger Eckhard Schneider nachvollziehen kann. Die ganze Diskussion sei für ihn symptomatisch für eine "Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft". Der Wunsch nach einem verkaufsoffenen Sonntag entlarve aber auch die, für die Weihnachten zum Fest des Kommerzes geworden sei. Dass Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, sieht er als Geschenk an. "Das größte Geschenk ist eben die Zeit", sagt er. Auch er denke dabei vor allem an die rund 3,1 Millionen Beschäftigte im Handel. Doch auch alle anderen sollten diese "geschenkte Zeit" am 24. Dezember in diesem Jahr nutzen, um innezuhalten und in Weihnachtsstimmung zu kommen.
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