Neunkirchen am Brand

Stiftung schüttet erstmals aus

Die Stiftung "Zukunft schenken" in Neunkirchen am Brand feiert den ersten Geburtstag. Es gibt viele Nöte vor Ort, von denen niemand etwas weiß oder wusste.
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Auch in einem Notfall in einer Kita - hier der evangelische Kindergarten in Neunkirchen - konnte geholfen werden.  Foto: Petra Malbrich
Auch in einem Notfall in einer Kita - hier der evangelische Kindergarten in Neunkirchen - konnte geholfen werden. Foto: Petra Malbrich

Die Idylle könnte nicht schöner sein: gepflegte Gärten, spielende Kinder, Einfamilienhäuser und ein Auto in der Garage. "Von wegen!", meint Werner Stiller. Er ist der Zweite Vorsitzende der evangelischen Stiftung "Zukunft schenken", und schon der Titel der Stiftung deutet an, dass der Schein trügt.

"Es gibt so viele Nöte vor Ort, von denen niemand wusste", beteuert Stiller. Seine Ehefrau Dietlinde hat diese Nöte auf dem Papier gesehen, als sie als Geschäftsführerin der Diakonie verschiedene Einrichtungen, darunter auch Kindertagesstätten, bearbeitete.

Bisher klammheimlich

Hinter vielen dieser Seiten stehen menschliche Notlagen, das alltägliche Leben betreffend. Da ist ein Kind, das keine warme Mahlzeit in der Kita essen durfte, weil es sich die Mutter einfach nicht leisten kann. Das sei nicht nur in Neunkirchen so, sondern ein generelles Problem, wirft Stiller ein. Bislang wurde klammheimlich Abhilfe geschaffen und die Mahlzeit bezahlt. Doch kann das ein Dauerzustand sein?

Oder da ist ein ausländisches Kind, das musikalisch talentiert ist. Auch hier fehlte der Familie trotz Arbeit das Geld, um gezielt zu fördern. "Ein Mitglied hat für das Mädchen zwei Semester Flötenunterricht bezahlt", erklärt Stiller. Doch es könne nicht sein, dass man auf den Zufall angewiesen sei, dass plötzlich jemand da ist, der von den Schicksalen erfährt und finanziell Abhilfe schafft. Was ist mit den vielen anderen Fällen, von denen niemand zufällig erfährt? Für Dietlinde Stiller war das ausschlaggebend, und sie brachte das Ganze ins Rollen. Ihre Idee einer Stiftung konnte vor gut einem Jahr, am 2. Dezember, in den Räumen der Diakonie in Neunkirchen am Brand in die Realität umgesetzt werden. Da fand die Stiftungsgründung mit 17 Gründungsstiftern statt.

Um über ein Grundkapital zu verfügen, aus dem dann nach einem Jahr geschöpft werden kann, sammelten die Mitglieder Geld. 70 000 Euro bildeten den Grundstock der Stiftung, der zu 2,5 Prozent bei einer evangelischen Bank in Kassel verzinst wird. "Nun wurden 1000 Euro ausgeschüttet", freut sich Stiller. Und zwischenzeitlich gab es auch Zustiftungen in Höhe von 2000 Euro, aber auch Spenden und Zusagen, die abgerufen werden können.

Zwei Projekte konnten in dem vergangenen Jahr bereits unterstützt werden. Einmal ist die Küche in der Mittelschule ausgefallen. Also wurde der Pizzaservice gerufen, um die Kinder mit einem Mittagsessen zu versorgen. Ein anderes Mal wurde ein Schulausflug bezahlt. Das Kind wäre als einziges ausgeschlossen gewesen.

Alltag einer Alleinerziehenden

Das dritte Projekt ist noch am Laufen und betrifft den ganz normalen Alltag einer Alleinerziehenden. Es geht einfach um eine einmalige finanzielle Unterstützung, um Geld für das Lebensnotwendigste zu haben.

Wer Geld aus der Stiftung benötigt, muss sich melden. Alle Fälle sind verifiziert. Eine Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, gebe es nicht, freut sich Stiller. Zumindest hoffen die Stiftungsmitglieder das, denn zu helfen ist der Sinn der Stiftung.

Wie gut sie in der Öffentlichkeit angenommen wird, zeigte das vergangene Weihnachten. Bei der Postfiliale engagiert sich die Mitarbeiterin Liane Pospischil für die Initiative des "Caritativen Ausschusses Hetzles-Neunkirchen-Dormitz", um bedürftigen Kindern zu helfen. Bislang waren die Wünsche der Kinder an den Christbaum geheftet. Aufgrund der neuen Datenschutzbestimmungen ist das nicht mehr möglich, auf diese Art und Weise aufzuzeigen, welches Kind sich einen Ball oder ein neues Federmäppchen wünscht. Heuer wurde gebeten, beim Abschmücken des Baumes zu helfen. Wer eine Kugel oder einen Stern vom Baum nahm, warf einen kleinen Geldbetrag in das bereitstehende Sparschwein.

Versammlung am 19. Januar

Das so gespendete Geld kommt der Stiftung "Zukunft schenken" zugute. "Es sind 200 Euro, die an der Mitgliederversammlung am Sonntag, 19. Januar, überreicht werden", freut sich Werner Stiller. Denn mit jedem Euro könne einem Kind ein Stück Zukunft geschenkt werden.

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