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Poxdorf

Sternchen statt Noten

Heute ist Zwischenzeugnistag. Viele Grundschüler bekommen keins. Warum das so ist und wieso Schulleiterin Antje Brück aus Poxdorf andere Ideen hat.
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Heute bekommen die Erst- und Zweitklässler in Poxdorf ihre "Kinderzeugnisse".  Foto: J. Hofbauer
Heute bekommen die Erst- und Zweitklässler in Poxdorf ihre "Kinderzeugnisse". Foto: J. Hofbauer
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Josef Hofbauer Nur noch 248 Kinder der ersten bis dritten Klassen an den Grundschulen im Landkreis Forchheim bekommen am heutigen Freitag ein Zwischenzeugnis. Bei allen anderen haben die Pädagogen vorab ein so genanntes Lernentwicklungsgespräch geführt. Auch bei den Erst-und Zweitklässlern der Grundschule Poxdorf. Dank Rektorin Antje Brück bekommen sie aber trotzdem Zeugnisse.

"Unabhängig von der Jahrgangsstufe geben sie eine wichtige Rückmeldung über den aktuellen Leistungsstand. Die Zeugnisse sind Bestätigung für Geleistetes und zeigen auf, wo noch Handlungsbedarf besteht", betont Schulleiterin Brück. Sie ist überzeugt: "Das muss nicht zwangsläufig in Form von Noten geschehen." Deshalb findet sie eine Beurteilung, wie sie die Lern-Entwicklungsgespräche bieten, deutlich sinnvoller. Da werde auch die Entwicklung im sozial emotionalen Bereich betrachtet. "Da geht es auch darum, wie sich ein Kind in eine Gemeinschaft integriert", so Brück.

Das Problem dabei: Kinder können mit den Formulierungen nichts anfangen. Sie verstehen nicht, was auf dem Zeugnis-Gutachten steht. Deshalb hat Antje Brück bereits in ihrer Zeit an der Grundschule in Hausen überlegt, wie sie Zeugnisse kindgerechter gestalten könnte. Die Pädagogin hat die Erwachsenen-Zeugnisse in die Kindersprache übersetzt. Herausgekommen sind Leistungs-Zertifikate, die den Kindern eine verständliche Rückmeldung über ihren Leistungsstand geben.

"Da steht zum Beispiel drinnen, ob sich ein Kind an Regeln hält, ob es regelmäßig seine Hausaufgaben macht, ob es sauber und ordentlich schreibt oder ob es die Buchstaben schon alle kennt und im Zahlenraum bis 20 sicher rechnen kann", nennt Brück ein paar Beispiele. Das Bewertungsschema ist einfach und nachvollziehbar. Drei Sternchen signalisieren "super gemacht", zwei Sternchen sagen, "das kannst du schon ganz gut" und ein Sternchen bedeutet, "daran musst du noch arbeiten, das musst du besser machen." Auch die Gestaltung dieser "Sternchen-Zeugnisse" hat Antje Brück selbst entworfen.

Die Mehrarbeit nimmt die Schulleiterin gerne in Kauf. "Die Sternchenzeugnisse spiegeln das wider, was wir in den Lernentwicklungsgesprächen formuliert haben", so Brück. Da wurden nämlich auch Zielvereinbarungen zwischen Lehrer und Schülern getroffen. Das sind die Bereiche, bei denen die Kinder nur ein Sternchen haben.

Tägliche Erinnerungen

Damit sie nicht vergessen, wo sie noch Defizite haben, hat sich Antje Brück verschiedene Symbole überlegt, die die Kinder täglich daran erinnern, woran sie noch arbeiten müssen. Diese Symbolkarten hat die Pädagogin den Kindern auf ihre Schreibtische geklebt.

Mehr Eigenverantwortung

Ein Buch bedeute beispielsweise "mehr lesen", ein Zeigefinger bedeutet, sich öfters zu melden und Zahlen können an das Kopfrechnen erinnern. "Es geht darum, bei den Kindern eigenverantwortliches Handeln anzubahnen", verdeutlicht Antje Brück. Dies werde in unserer Gesellschaft wichtiger denn je.

Ihre Schüler findet sie dabei auf einem guten Weg. Die Kinder können sich schon recht gut einschätzen, sagt sie. "Die Kinder kommen und zeigen mir die Bücher, die sie gelesen haben oder sie erzählen mir die Geschichten", erklärt die Schulleiterin. Sie weiß auch, dass die Kinder ganz verrückt sind auf die Ausgabe der Sternchen-Zeugnisse.

Den Beweis für die pädagogische Wirkung der Kinderzeugnisse liefert Amelie (Name von der Redaktion geändert). Ihr genügt ein kurzer Blick auf die Sternchen, um festzustellen: "Ich weiß schon, ich muss mich noch mehr an die Regeln halten." Und verschwindet fröhlich lachend in der Pausenhalle.

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