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Kronach
KOMMENTAR von Sandra Hackenberg

Sterben darf kein bequemer Ausweg sein

Suizid und Sterbehilfe sind Themen, bei denen es kein klares Richtig oder Falsch gibt. Würden ein Arzt, ein Geistlicher und ein Angehöriger, der ein todkrankes Familienmitglied bis zum Schluss gepfleg...
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Suizid und Sterbehilfe sind Themen, bei denen es kein klares Richtig oder Falsch gibt. Würden ein Arzt, ein Geistlicher und ein Angehöriger, der ein todkrankes Familienmitglied bis zum Schluss gepflegt hat, befragt werden: Es würden drei unterschiedliche Meinungen herauskommen. Umso schwieriger gestaltet sich die Frage nach der Gesetzgebung.

Ich glaube: Wenn das Leben nur noch Qual ist, dann ist der Tod eine Erlösung. Doch die Frage, wann das der Fall ist, kann nur in einer Situation zweifelsfrei beantwortet werden: wenn eine Verletzung oder eine tödlich verlaufende Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass der Tod unmittelbar bevorsteht - und zwar definitiv.

In den Niederlanden hat die gerade einmal 17 Jahre alte Noa Pothoven im vergangenen Jahr ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt, indem sie - unter medizinischer Aufsicht - einfach nicht mehr gegessen und getrunken hat. Vorausgegangen waren jahrelange Depressionen und Angststörungen als Folge mehrfachen sexuellen Missbrauchs in ihrer Kindheit. Ihre Familie unterstützte sie bei ihrem Wunsch, während Sterbehilfekliniken dies abgelehnt hatten.

Wie kann es sein, dass man ein körperlich kerngesundes Mädchen Suizid begehen lässt? Wer kann sicher sagen, dass sie nicht doch - trotz unvorstellbaren erlittenen Grausamkeiten - nicht doch in fünf, zehn oder 20 Jahren ein Leben geführt hätte, in dem sie einen Sinn erkannt hätte? Es ist eine erschreckende Vorstellung, dass sich selbstmordgefährdete Menschen ganz legal Pillen besorgen können, um für immer einzuschlafen.

Suizid als bequemer Ausweg darf nicht salonfähig werden - sonst leben wir bald in einer Gesellschaft, in der sich ältere Menschen mit ein paar Tabletten verabschieden, um Angehörigen und dem Pflegesystem keine Last mehr zu sein.

Der Gesetzgeber ist nun dringend gefordert, klare Grenzen zu setzen, damit das nicht Realität wird.