Neudrossenfeld
Buchmesse

Stephan Klenner-Otto hat den Psychothriller eines 15-Jährigen illustriert

WOLFGANG SCHOBERTH Heute öffnet die Frankfurter Buchmesse, die weltweit größte Schau für Literatur, Hörbücher, Podcasts und Audio-Trends, ihre Pforten. Auch wenn der reine Buchmarkt kriselt, gibt es i...
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Stephan-Klenner-Otto in seinem Atlier in Hornungsreuth; dort hat er die Radierungen für den Thriller "Der Büchernarr" gefertigt.
Stephan-Klenner-Otto in seinem Atlier in Hornungsreuth; dort hat er die Radierungen für den Thriller "Der Büchernarr" gefertigt.
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WOLFGANG SCHOBERTH Heute öffnet die Frankfurter Buchmesse, die weltweit größte Schau für Literatur, Hörbücher, Podcasts und Audio-Trends, ihre Pforten. Auch wenn der reine Buchmarkt kriselt, gibt es immer noch Leser, die sich vom gedruckten Wort bannen lassen, die ein Buch in der Hand halten, es riechen und berühren wollen.

Dass die Buch-Leidenschaft obsessive Züge annehmen kann, ist in der Literatur immer wieder beschrieben worden. Ein abgründiges Beispiel ist die Erzählung "Der Büchernarr", die Gustave Flaubert im jugendlichen Alter von 15 Jahren geschrieben hat. Der Hornungsreuther Stephan-Klenner Otto hat den Psychothriller für eine Neuerscheinung zur Buchmesse illustriert.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Mönch Giacomo, der sich in Barcelona als Buchhändler niederlässt. Er wird zu einem Junkie - denkt nur noch an Bücher, vergisst zu essen und zu schlafen. Nächtelang sitzt er in seiner ständig wachsenden Bibliothek und "greift mit zitternden Händen in die Regale, ergötzt sich am schweren Gold auf den Miniaturen und inhaliert den süßen, zarten Duft, den die Bücher ausströmen".

Zwei Rivalen

In seiner Besessenheit kommen ihm zwei Rivalen in die Quere: ein vermögender junger Mann auf einem Maultier, der ihm Bücher wegschnappt, und sein Kollege Baptisto, der ihn bei Auktionen überbietet.

Dem zündet er den Laden an und stürzt sich selbst ins Feuer, um ein wertvolles Unikat herauszuholen. Als das später in seiner Bibliothek entdeckt wird, wird er wegen Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt. Irrwitzig sein letztes Wort vor Gericht: "Menschen sind sterblich. Sie werden ohnehin, früher oder später, vor den Herrn gerufen. Die guten Bücher aber sind unsterblich, sie muss man behüten."

Die Radierungen von Stephan Klenner-Otto sind weit mehr als bloße Illustrationen der äußeren Handlung. Der Neudrossenfelder Künstler lässt einen eigenen Bildkosmos entstehen, um die Selbstzerstörung des ehemaligen Mönchs sichtbar zu machen.

Kafkaeske Bilder

Es sind unheimliche, kafkaeske Bilder. Eines hält Giacomo bei seinem Weg nach Hause mit einem gerade erworbenen Buch fest. Mit beiden Händen umklammert er den Schatz, während Bücher wie ein Bienenschwarm um ihn herum kreisen. Zwei andere zeigen ihn auf einer weiteren Stufe des psychischen Verfalls: äußerlich verwahrlost mit zerfleddertem Gewand und strubbeligem Haar. Vor Gier nach Büchern sind ihm die Finger spinnenförmig ausgewachsen. Über seinem Kopf flattern Vögel. Man mag in ihnen ein Bild des Hasses auf den Konkurrenten sehen oder Zeichen des Todes. Wiederum erweist sich Stephan Kenner-Otto als kongenialer Literatur-Interpret.

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