Egloffstein

Steinhaufen oder Kulturdenkmal?

Während jahrelang über ihren Erhalt diskutiert wurde, ist die Majoratsscheune immer weiter verfallen. Jetzt entscheidet der Gemeinderat, wie es mit dem Gebäude weitergeht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Notdürftig gestützt sind nur ein paar Mauerreste der Majoratsscheune in Egloffstein übrig. Foto: Reinhard Löwisch
Notdürftig gestützt sind nur ein paar Mauerreste der Majoratsscheune in Egloffstein übrig. Foto: Reinhard Löwisch

Egloffstein — Heute, Dienstag, wird in der Gemeinderatssitzung unter anderem auch ein Beschluss gefasst, mit dem die Gemeinde Zuschüsse für die Restaurierung der Majoratsscheune zu einer Kulturscheune beantragen will. Doch was ist die Majoratsscheune?

Fast keiner kennt sie mehr. Das ist kein Wunder, denn von dem ehemals stolzen Gebäude ist nur noch eine Ruine übrig. Teile der Majoratsscheune stammen aus der Zeit um 1647. Sie wurde also nach der Belagerung der Burg im 30-Jährigen Krieg umgebaut oder neu errichtet, was ein dendrochronologisches Gutachten beweist, das Christian Wifling und Birgit Schraufstetter im Rahmen ihrer Diplomarbeit über die Majoratsscheune 2004 erstellt haben.

Die beiden Diplomanden entdeckten auch Spuren, wonach die Scheune früher eine Kemenate, ein beheizbarer Wohnraum war. Daher liegt die ursprüngliche Bauzeit des Anwesens vermutlich zwischen 1105 und 1482 sagen die beiden jungen Architekten.

Bürgermeister Christian Meier und die Besitzer der Scheune Dagmar und Berthold von Egloffstein waren sich 2004 bei der Übergabe der Diplomarbeit einig, dass die Scheune als Kulturzentrum erhalten bleiben solle. "Sie darf nicht verfallen", meinte Meier damals und weiter: "Der Umbau wäre allerdings für die Gemeinde allein nicht zu schultern."

Drei Jahre später, im Mai 2007 stand in der Lokalpresse zu lesen, dass die Scheune einsturzgefährdet sei, "wird nicht bald etwas getan". Das Landratsamt hat sich gemeldet, "weil das Gebäude statisch gesichert werden muss".

Zu teuer

Aber der Besitzer der Scheune kann einen Neuaufbau als Kulturscheune nicht allein leisten. Daher war der Vorschlag des Landratsamtes, die Gemeinde solle das Gebäude übernehmen, um es mit Leader-Geldern zu sanieren. Das Amt drängte: Innerhalb von drei Jahren muss etwas geschehen.

Vor allem das Dachtragewerk und die Mauern müssen gesichert werden, sonst droht der Einsturz. Die Gemeinde litt jedoch unter schwierigen finanziellen Zuständen und konnte sich den Kauf und die Sanierung auch nicht leisten.

Jetzt ist das Gebäude eine Ruine. Vom einst mächtigen Walmdach sind nicht einmal mehr die Dachbalken zu sehen. Das ganze Gebäude besteht aus einer Umfassungsmauer, die bis zum ersten Stock reicht - mit Ausnahme der Nordseite; hier ist noch ein Rest des Giebels erhalten. Innen sind zwei Räume erkennbar, die durch eine halbhohe Mauer getrennt sind und Fensternischen in den Außenwänden, die zugemauert sind.

Starke Risse in der Außenwand bedrohen die Stabilität; einige nachträglich eingezogene Balken sollen den Einsturz der letzten Mauern verhindern.

Mehr ist von dem einst stolzen Bau nicht mehr vorhanden. Ein Bauzaun soll neugierige Blicke ins Innere verhindern - vermutlich aus Angst, weitere Teile der Mauer könnten einstürzen. Unterm Strich ist also nur ein großer Steinhaufen übrig. Da stellt sich die Frage, ob ein Neubau nicht nur billiger, sondern auch sinnvoller wäre.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren