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Steinhäuser traf auf harte Kritik in der Kasendorfer Bürgerversammlung

Die Gemeinde hat einen Rekordhaushalt verabschiedet und steht vor Mega-Investitionen. Dennoch musste sich Bürgermeister Bernd Steinhäuser (CSU) bei der Bürgerversammlung harte Kritik gefallen lassen. ...
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Die Gemeinde hat einen Rekordhaushalt verabschiedet und steht vor Mega-Investitionen. Dennoch musste sich Bürgermeister Bernd Steinhäuser (CSU) bei der Bürgerversammlung harte Kritik gefallen lassen. Einige Bürger monierten Stillstand.

Mit einer Verschuldung von nur 155 Euro pro Einwohner können sich die Finanzen des Marktes Kasendorf sehen lassen. Der Markt verfügt über sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. Das Gewerbesteueraufkommen lag im letzten Jahr bei 1,7 Millionen Euro. Soeben haben die Kasendorfer einen Rekordhaushalt verabschiedet. Das Volumen: neun Millionen Euro.

Mit der Sanierung des Anwesens Marktplatz 2 und der Umgestaltung zu einem Jugendtreff (Kosten 1,7 Millionen Euro) sowie mit der Umgestaltung des "Schwarzen Rosses" in eine Diakoniestation und Tagespflege (Kosten: mehr als 4,5 Millionen Euro) für Senioren stehen Mega-Investitionen an. Außerdem platzt die Kinderkrippe aus allen Nähten und benötigt zwei weitere Krippengruppen: Kosten mehr als zwei Millionen Euro.

Doch statt Lob für eine solide Haushaltsführung und Finanzplanung ernteten Bürgermeister Bernd Steinhäuser (CSU) und die Gemeinderäte von einigen Bürgern nur heftige Kritik.

Max Angel schimpfte, dass in Kasendorf "Stillstand" herrsche. "Bei uns ist der Zug doch längst abgefahren. Vor 30 Jahren lagen Kasendorf und Thurnau gleichauf, inzwischen ist der Unterschied so groß. In Kasendorf gibt es nichts für ältere Leute", so Angel. Die Tatsache, dass Thurnau Millionenzuschüsse bekomme und wesentlich höhere Steuersätze habe, ließ der Kasendorfer nicht gelten - ebensowenig die Tatsache, dass ein Konzept für die Sanierung des "Schwarzen Rosses" vorliege. "Das ist sowieso falsch investiertes Geld", befand Angel.

Auch Robin Müller kritisierte die Gemeindepolitik unverhohlen: "Wir müssten Konzepte schaffen und wir müssten über den Tellerrand hinausschauen. In Kasendorf fällt es schwer, etwas zu entwickeln", sagte Müller.

Pluspunkte

Doch Pfarrer Stefan Lipfert sprang für Bürgermeister Bernd Steinhäuser und die Räte in die Bresche: "Wir dürfen Kasendorf nicht schlechtreden. Wir haben eine gute Struktur, funktionierende Vereine. Wir haben mehr Einpendler als Auspendler. Es gibt in Kasendorf Arbeit, und auch der Kindergarten und die Kinderbetreuung sind sehr attraktiv. Die Schule steht gut da - mal abgesehen von der Heizung", so der Pfarrer. Und dass der Markt erneut Millionen in die Kinderbetreuung investiere, sei ein weiterer Pluspunkt.

Die meisten Kasendorfer hatten bei der Bürgerversammlung nur kleinere Anliegen. So betonte Klaus Gumpl aus Kasendorf, dass sich immer wieder ausländische Lkw-Fahrer in die Zultenberger Straße verirren würden.

Der Landkreis Kulmbach habe die Kreisstraße für eine Sanierungs- und Verbreiterungsmaßnahme angemeldet, erklärte Bürgermeister Bernd Steinhäuser. Thomas Eschenbacher erläuterte, dass auch bei Feuerwehreinsätzen keine Gefahr bestehe. Das habe ein Einsatz gezeigt. Einsatzfahrzeuge fuhren über Azendorf-Reuth an.

Harald Greulich wünschte sich einen Supermarkt oder eine Einkaufsmöglichkeit. "Wir müssen die Infrastruktur aktiv verbessern. Kasendorf verkommt langsam zum Wohnort", so Greulich. Doch die Ansiedlung eines Vollsortimenters sei quasi unmöglich, erläuterte Bürgermeister Bernd Steinhäuser. "Ein Discounter funktioniert bei uns nicht, dafür sind wir zu klein. Ein Vollsortimenter muss 12 000 Artikel auf 500 bis 600 Quadratmetern Fläche anbieten. Er braucht 30 bis 40 Parkplätze", hat sich Gemeinderat Rainer Macht (CSU) ausgiebig mit dem Thema beschäftigt.

Sorgen machten sich die Kasendorfer auch, weil der Getränkemarkt nicht wirtschaftlich zu führen gewesen sei. Die Post ziehe ins Geschäft von Fernseh-Bauer um.

Einige Kasendorfer machten bei der Bürgerversammlung konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung von Wohngebieten. "Das ist ein bisschen übergriffig. Wir können nicht über das Eigentum anderer reden und Pläne damit machen", konstatierte Pfarrer Lipfert.

Verantwortung übernehmen

"Das Geschäft brummt, die Einnahmen sprudeln. Wir dürfen hier auch nicht alles zubetonieren", kommentierte Ralf Neumüller die Vorschläge, die dazu dienen, die Einwohnerzahlen zu steigern.

Bürgermeister Bernd Steinhäuser (CSU) schloss die Bürgerversammlung mit dem Wunsch, dass all diejenigen, die Konzepte forderten, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen selbst Verantwortung übernehmen sollten.

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