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Herzogenaurach

Steinerne Zeugen aus alter Zeit

Forschungsprojekt Der Polizeibeamte Jürgen Nickel dokumentiert mit Unterstützung des Stadtarchivs Grenzsteine rund um Herzogenaurach.
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Der Markstein Nr. 20 bei der Eckenmühle (oben) und der Markstein Nr. 11 bei Niederndorf (unten) Fotos: Jürgen Nickel/Stadtarchiv Herzogenaurach
Der Markstein Nr. 20 bei der Eckenmühle (oben) und der Markstein Nr. 11 bei Niederndorf (unten) Fotos: Jürgen Nickel/Stadtarchiv Herzogenaurach
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Wer wandert, stößt am Wegesrand immer wieder auf alte Grenzsteine. Aber welche Grenze haben sie markiert? Wer hat sie gesetzt? Diese viele Jahrhunderte alten Zeitzeugen sind sichtbaren Spuren der Vergangenheit und unserer Geschichte. Häufig liegen sie versteckt, im Erdreich versunken oder eingewachsen in einem Gebüsch. Doch oft genug ist die Suche nach ihnen vergeblich.

Ziel ist die Dokumentation

Für die Erhaltung dieser stark gefährdeten Kleindenkmale setzt sich nun ein privates Forschungsprojekt ein: "Historische Grenze" mit dem Initiator Jürgen Nickel hat sich der Dokumentation von alten Grenzlinien verschrieben. Seit Beginn des Jahres spürt der Polizeibeamte in seiner Freizeit den alten Marksteinen der Hohenzollern in Franken nach und hat sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Herzogenauracher Stadtarchiv in Verbindung gesetzt.

Jahrhundertelang lag die Aurachstadt im unmittelbaren Grenzgebiet des Hochstifts Bamberg. Nicht weniger als 35,5 der 43 Kilometer langen sogenannten "Fraischgrenze" - hier endete einst das Recht auf Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit - um das fürstbischöflich bambergische Amt Herzogenaurach stießen an Zentämter der von Hohenzollern regierten Markgrafschaften Ansbach und Kulmbach. Die Folge waren andauernde kriegerische Auseinandersetzungen mit den markgräflichen Nachbarn sowie Streitigkeiten um den Grenzverlauf.

Fünf Marksteine entdeckt

Im Bereich der Stadt Herzogenaurach haben sich bislang fünf Marksteine dieser Grenzsteinlinie aufspüren lassen, anhand von Hinweisen durch Heimatkundler sowie auf der Grundlage von historischen Plänen und alten Grenzbeschreibungen. Nickel geht davon aus, dass die Marksteine mit den Inschriften BO (Brandenburg Onolzbach) und BC (Brandenburg Culmbach) noch aus dem 16. Jahrhundert stammen, denn mit der Verlegung des Regierungssitzes von Kulmbach nach Bayreuth im Jahr 1604 wurde das Markgraftum umbenannt in Brandenburg Bayreuth.

Im Stadtarchiv wird ein sogenanntes Jurisdiktionsbuch verwahrt, das der Amtmann Valentin Cörber als eine Art Bestandsaufnahme des Amtes nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs anlegen ließ. Das Buch enthält eine genaue Grenzbeschreibung, die auch auf die Marksteine verweist.

Die Steine waren mit fortlaufenden Nummern versehen, die Nummer 11 findet sich an der Südgrenze der Gemarkung Niederndorf in Höhe von Hüttendorf, die Grenze verlief dann entlang der Aurach bis zur Nummer 20 im Westen der Stadt südlich der Eckenmühle. Hier markiert ein Stein die Grenzecke, wo das ansbachische Fraischamt Cadolzburg und das bayreuthisches Fraischamt Hagenbüchach mit dem Amt Herzogenaurach zusammenstießen.

Opfer der Flurbereinigung?

Von der Eckenmühle verlief die Grenzlinie geradlinig durch den Thonwald bis zu den Dreiecksweihern und dann nach Steinbach, wo ebenfalls zwei Hohenzollersche Marksteine zu finden sind, die Nummern 23 und 24. Die stehen noch an ihrem angestammten Ort, doch ein Großteil der Grenzsteinlinie, die sich von Fürth/Vach bis in den Bereich nordöstlich von Rothenburg hinzieht, sucht man vergebens ab.

Die ersten Hoheitssteine verschwanden wohl schon mit der Säkularisation und dem Ende des "Alten Reichs", die in den 1970er Jahren begonnene Bereinigung der Flur erstreckte sich auch auf störende Grenzsteine, die zerstört oder in sogenannten Lapidarien gesammelt wurden. Doch selbst bis in unsere Zeit machen ihnen Wald- oder Straßenbauarbeiten den Garaus.

Umso wichtiger sind Initiativen wie "Historische Grenze", die sich für die Eintragung der Kleindenkmäler als Gesamtdenkmal in die Denkmalschutzliste starkmacht. Noch hat Jürgen Nickel die Hoffnung auf weitere Funde nicht aufgegeben und freut sich über zusätzliche Informationen und auch über Hinweise zum Verbleib der Grenzsteine im Thonwald.

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