Coburg
Leserbrief

Status: Traurig und enttäuscht

Zu den Planungen für ein Anger-Hotel: Ich neige zum Optimismus. Ich dachte, die von uns gewählten Vertreter sind fürsorglich. Man sagt, jedes Land hat die Regierung, die es verdient, wenn das auch für...
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Zu den Planungen für ein Anger-Hotel: Ich neige zum Optimismus. Ich dachte, die von uns gewählten Vertreter sind fürsorglich. Man sagt, jedes Land hat die Regierung, die es verdient, wenn das auch für Städte gilt, dann ist Coburg ganz schön dumm. Das heilige Wort ICE macht uns endlich zur gefühlten Großstadt, irgendwelche Studien belegen, dass die Welt sich darum reißen wird, hier Kongresse abzuhalten. Mag sein - ich kenne die Zahlen nicht, ich bin keine Betriebswirtschaftlerin. Aber ich habe Fantasie. Im Gegensatz zum Stadtrat, der sich immer wieder gerade durch Abwesenheit derselben hervortut. Meine Fantasie hat eine Vision: Die Digitalisierung schreitet voran, Universitäten bieten immer mehr Onlinekurse an, Konferenzen werden immer öfter digital abgehalten. Nur ein kleiner feiner Kreis trifft sich persönlich, der Rest wird dazugeschaltet. Das spart Kosten und Reisezeit. Diese Entwicklung kann man gerade auf allen großen Messen beobachten, nicht nur die Zahl der Besucher geht zurück, vor allem auch die der Aussteller.

Soweit ich weiß, denken Investoren gerne in 10-Jahres-Plänen. Eine Stadt sollte ein bisschen weiter vorausschauen. Wenn es sich in 10 Jahren nicht mehr lohnt, ein so großes Hotel wie das geplante zu betreiben, dann wird es eben geschlossen - ist ja alles abgeschrieben, nach mir die Sintflut. Nur leider wird die Sintflut den hässlichen Kasten dann nicht wegspülen, er wird - wie das DSZ - vermutlich unabreißbar sein und nicht in Würde altern, sondern einfach nur schäbig werden. Schade auch, dass die anderen Hotels dann vielleicht zumachen mussten, weil sie nicht mithalten konnten. Schade, dass der Kasten weiterhin der Stadt die Luft nimmt und dem Wind einen Riegel vorschiebt. Schade, dass man wieder eine Chance vertan hat.

Meine Fantasie träumt von etwas anderem: Wir werden immer älter, in 15 Jahren wird sich die Babyboomer-Generation nach bezahlbarem, altersgerechtem Wohnraum umschauen. Schnauze voll von der Großstadt, hin in die liebliche Provinz, wo die Welt noch in Ordnung ist. Weg von der Villa mit großem Garten hin in eine Gemeinschaft. Und was tut die Stadt? Sie verkauft ohne jede Not ein Filetstück an einen Investor. Nichts gegen ein Hotel an dieser Stelle - ich würde auch gerne auf der Dachterrasse einen Cocktail schlürfen und mich ganz großstädtisch fühlen. Aber kann man nicht ein Gesamtkonzept für den Anger entwickeln? Ein sozial- und umweltverträgliches? Warum diese Eile? Warum nicht an die so hübsch gewordene Ketschenvorstadt anknüpfen? Herr Tessmer wollte Strafanzeige erstatten, weil etwas rauskam, was nicht rauskommen durfte. Ich finde, man sollte Strafanzeige erstatten wegen Fahrlässigkeit, Verletzung der Fürsorgepflicht und Ideenlosigkeit.

Christine Rechl

Coburg

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