Gößweinstein

Startschuss fürs Nahwärmenetz

Baubeginn für das Großprojekt in Gößweinstein soll schon im Frühjahr 2020 sein. 136 positive Rückmeldungen gibt es bis jetzt. Wer noch dabei sein will, muss sich sputen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf der Wiese unterhalb des Gößweinsteiner Schulzentrums wird das Biomasseheizkraftwerk gebaut. Foto: Thomas Weichert
Auf der Wiese unterhalb des Gößweinsteiner Schulzentrums wird das Biomasseheizkraftwerk gebaut. Foto: Thomas Weichert

125 Gößweinsteiner kamen zur zweiten Bürgerversammlung zum Thema "Nahwärmenetz Gößweinstein" in das Hotel "Stempferhof". Am Ende stand fest, dass dieses Großprojekt Realität wird.

Schon im Frühjahr werden die Bauarbeiten mit der Verlegung der Wärmeleitungstrassen in Gößweinstein beginnen. Denn nie war der Zeitpunkt so günstig, da zeitgleich der Wasserversorger der Wiesentgruppe seine Wasserleitungen erneuert. Dies spart für beide Seiten Kosten. Außerdem wird gleich die Glasfaserleitung für das schnelle Internet mitverlegt.

Inzwischen wurde auch die Betreibergesellschaft für das Nahwärmenetz gegründet, die sich "Biomasseheizkraftwerk Gößweinstein GmbH" nennt und die aus fünf Gesellschaftern besteht. Diese sind der Schulverband Gößweinstein als Vertreter des Marktes Gößweinstein, die Stadtwerke Ebermannstadt als abrechnende Stelle, Marktgemeinderat Benno Beck (BMG), der für die Holzvermarktung zuständig ist, der Maschinenring Fränkische Schweiz (als Koordinator der Hackschnitzellieferungen und als verantwortliche Organisation für die Sicherstellung der Holzversorgung) und die Bio-Energie Neuner als verantwortliche Firma für den Betrieb des Biomasseheizkraftwerks. Geschäftsführer ist Marktgemeinderat Josef Neuner (BMG).

Die Vertreter dieser Firmen oder Organisationen standen den Bürgern Rede und Antwort. Nach aktuellem Stand nach der erfolgten Bürgerbefragung gibt es 136 positive Rückmeldungen von Hausbesitzern, der Kommune, Schule und Kirche mit Franziskanerkloster, die an das Nahwärmenetz anschließen wollen. Wie Alexander Schrammek von der Energieagentur Nordbayern betonte, biete ein Wärmenetz den Bürgern in Gößweinstein jetzt die Möglichkeit für einen wirtschaftlichen und ökologischen Umstieg ihrer Wärmeversorgung. Denn im Klimaschutzpakt der Bundesregierung ist eine CO2 -Bepreisung ab 2021 und ein Verbot neuer Ölheizungen ab 2026 festgeschrieben. Außerdemwürde Gößweinstein zu einer Mustergemeinde in Sachen Umweltschutz werden. Denn das geplante Wärmenetz spart jährlich 1500 Tonen CO2 ein. Schrammek rechnet damit, dass eine zentrale Wärmeversorgung, die mit Holz betrieben wird, in Gößweinstein jährlich nur noch 500 Tonnen CO2 verursacht. Dies sind drei Viertel weniger an Emissionen als bei einer dezentralen Heizölversorgung und zwei Drittel weniger als bei Erdgas. "Durch die Neuverlegung der Wasserleitungen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Wärmenetz umzusetzen", sagte Schrammek. Denn in den nächsten Jahren werde sich dieses Vorhaben aus finanzieller und logistischer Sicht nicht mehr oder nur sehr schwer verwirklichen lassen.

Der Klimaschutzmanager des Landkreises Forchheim, Dominik Bigge, wies darauf hin, dass die Dimensionierung der Heizungsanlage und der Leitungen relativ genau berechnet werden müsse. Ein späterer Anschluss sei daher nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Dazu werden von der Betreibergesellschaft in Kürze die Wärmelieferverträge mit den Bürgern abgeschlossen, die dann auch Grundlage für die Anlagengröße und den Förderantrag sind. Florian Schroll von der Gesellschaft Enerpipe nannte auch erste Zahlen. Bis zu der Größe eines Dreifamilienwohnhauses werden in etwa 5000 Euro als Anschlusskosten fällig. Die Grundgebühr pro Monat würde bei circa 30 Euro liegen. Die Kilowattstunde Heizenergie würde nach dem aktuellen Stand 8,9 Cent kosten. Laut Schrammek könnten nach der aktuellen Datenerhebung 23 Wärmenetzabschnitte gebildet werden. Etwa im Herbst 2021 soll das Nahwärmenetz Gößweinstein in Betrieb gegen. Zweiter Bürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD), der die Bürgerversammlung leitete, wies darauf hin: Wer jetzt noch dabei sein will, muss sich dringend bei der Gemeinde oder der Betreiberfirma melden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren