Wiesenthau

Startschuss am Walberla

Die Bayern-Tour Natur will mit rund 8000 Veranstaltungen die schönsten Flecken des Freistaats in den Blick rücken.
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JOsef Hofbauer In freier Natur faszinierende Landschaften, einzigartige Tier- und Pflanzenwelten sowie sagenhafte Naturdenkmäler entdecken und erleben, dies ist das Ziel der "Bayern-Tour Natur", die Umweltminister Thorsten Glauber (FW) am Freitag auf der Windluke, dem Hochplateau zwischen Walberla und Rodenstein offiziell eröffnete. Insgesamt, so Glauber, stehen heuer bayernweit rund 8000 Veranstaltungen auf dem Programm, bei denen etwa 800 000 Teilnehmer erwartet werden.

Hausherr, Bürgermeister Bernd Drummer (BG Wiesenthau) unterstrich im Beisein von Landrat Hermann Ulm (CSU) und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz die kulturhistorische und geologische Bedeutung dieses Zeugenberges. Die Schwammriffe des weißen Jura stellten eine große Besonderheit für die Region dar und in Kletterkreisen sei der Rodenstein ein beliebtes Ziel. Es müssten viele zusammenarbeiten, damit diese einzigartige Landschaft erhalten werden könne, zumal die Hälfte der Fläche als besonders schützenswertes Flora-Fauna Habitat eingestuft sei.

Ein Ort der Kraft

Umweltminister Thorsten Glauber, der die Wanderwege zum Walberla und zum Rodenstein als Laufstrecke nutzt, betonte die Verbundenheit der Menschen mit dieser einzigartigen Landschaft. "Hier am frühen Morgen eine Sonnaufgang zu erleben oder im Gras liegen und von der Walburgis-Kapelle aus einen Sonnenuntergang mitzuerleben, gehört zum Schönsten, das ich mir vorstellen kann", schwärmte Glauber, der deshalb von der Ehrenbürg als einem "Kraftort" sprach.

Umso erfreulicher sei es, die Bayern-Tour Natur gerade hier eröffnen zu dürfen. Mit 58 Umweltstationen, 19 Naturparks und zwei Nationalpark liege Bayern in Europa ganz weit vorne, wenn es darum gehe Natur spürbar, erlebbar und begreifbar zu machen. "Da spielen wir in der Championsliga", betonte Glauber.

Schon vor 6000 Jahren bewohnt

Dank der Kultur- und Gästeführerin Doris Philippi und der Leiterin der Schule Mittelehrenbach, Gisela Hürrich, erlebten bereits über 70 Schulklassen mit mehr als tausend Kinder die "Schatzkiste Walberla". Was sich dahinter verbirgt, erklärten drei Gruppen von Grundschülern aus Mittelehrenbach, die den zahlreichen Gästen die Entstehung des Walberla mit der Geologie des Zeugenberges, die Besiedlung vor 6000 Jahren und die Vielfalt der Pflanzenwelt näherbrachten. Die Kinder formulierten zehn Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur auf der Ehrenbürg, um die Schönheit und Einzigartigkeit dieses Gebietes zu erhalten.

Wie bedeutsam das Gebiet um die Ehrenbürg aus botanischer Sicht ist, verdeutlichten Gebietsbetreuer Andreas Niedling und Orchideen-Experte Adolf Riechelmann. Von 80 Orchideen-Arten, die bundesweit aufgelistet seien, konnten 43 am Walberla nachgewiesen werden. "Das heißt, es gibt in ganz Deutschland keinen Ort, an dem so viele unterschiedliche Orchideen-Arten gedeihen", so Riechelmann, der hier mit der spät blühenden Ständelwurz eine Art entdeckt hat, die es sonst nirgends auf der Welt gibt.

Kontakte nach Italien

Die kulturhistorische Bedeutung des Walberla veranschaulichte Landkreis-Archäologin Ermelinda Spoletschnik, die in den 1990er Jahren mit Grabungen der Besiedlung auf dem Walberla nachgespürt hatte. Funde belegten, dass dieser Berg bereits in der Jungsteinzeit, rund 4000 Jahre vor Christus besiedelt war. Zwischen 1400 und 900 vor Christus sei diese Siedlung auch mit Ringwällen befestigt gewesen. Neben Fibeln und Keramikfunden aus der Urnenfelderzeit belege eine Schnabelkanne aus Ton, die aus Scherben zusammengesetzt wurde, dass es bereits um 350 vor Christus Handelskontakte nach Italien und Griechenland gegeben haben muss. Dort waren diese Schnabelkannen aus Bronze verbreitet.

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