Bad Staffelstein

Starthilfe für Storch

Auf stillgelegtem Industrieschlot wurde Nest errichtet.
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Schwindelfreiheit war Grundvoraussetzung, als es galt, die Nisthilfe mit Steigeisen und Kran in die 30 Meter hoch gelegene künftige "Wohnung" zu hieven und dort zu befestigen. Foto: Mario Deller
Schwindelfreiheit war Grundvoraussetzung, als es galt, die Nisthilfe mit Steigeisen und Kran in die 30 Meter hoch gelegene künftige "Wohnung" zu hieven und dort zu befestigen. Foto: Mario Deller

So mancher hat den kostenlosen "Mietraum" für Meister Adebar vielleicht schon wahrgenommen. Auf einem ehemaligen, mittlerweile stillgelegten Industrieschlot der Firma Kaiser Porzellan wurde schon vor einiger Zeit in 30 Metern Höhe ein Storchennest errichtet.

Hans-Peter Langsch, Geschäftsführer des dort ansässigen Unternehmens Goebel Porzellan, war selbst mit großem Elan und Einsatz an der Umsetzung der Aktion dabei, zusammen mit den professionellen Helfern des Landesbundes für Vogelschutz, Werner Freitag und Werner Fischer.

Nest aus Weidenruten

Mittels Steighilfen am Fabrikschlot und natürlich abgesichert wurde das aus Weidenruten und Zweigen erbaute Nest in schwindelerregende Höhen transportiert. Auch ein Kran kam zum Einsatz. Ein ähnliches Projekt war bereits 2010 auf dem Gelände der Porzellanfabrik Kaiser initiiert worden. Am hinteren der beiden Industriekamine wurde damals ein Turmfalkennistkasten angebracht - mit Erfolg, wie sich zeigen sollte. Bereits im folgenden Frühjahr zog ein Turmfalkenpaar ein, so entstand neuer Lebensraum für die sogenannten Gebäudebrüter.

Dass das dortige Gelände auch bei den Weißstörchen Interesse findet, wurde im Frühjahr augenscheinlich. Ein Storchenpärchen hatte offenbar vor, ein Nest auf dem 30 Meter hohen Fabrikschlot zu bauen. Geschäftsführer Hans-Peter Lang erinnert sich noch gut daran, dass einer der beiden Störche plötzlich nicht mehr zu sehen war. Man befürchtete das Schlimmste - das Tier wird doch hoffentlich nicht in den Schlot gefallen sein? Als die Feuerwehr mit einer Drohne anrückte, um nach dem gefiederten Freund zu suchen, erwiesen sich die Befürchtungen zum Glück als unbegründet. Der Storch schien weitergezogen zu sein. Das mühevoll gesammelte Astwerk hatte vermutlich einfach keinen festen Untergrund, so dass die Anstrengungen des Storchenpaares nicht von Erfolg gekrönt waren. Doch der Vorfall brachte Geschäftsführer Hans-Peter Langsch auf die Idee, in einem gemeinsamen Projekt mit der Stadt Bad Staffelstein ein stabiles Nest inklusive durchdachter Metallkonstruktion auf dem stillgelegten Schlot zu realisieren.

Dass Goebel Porzellan der Vogelschutz am Herzen liegt, beweist die annähernd 30-jährige Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz im Rahmen der Aktion "Vogel des Jahres". Noch ist der Horst auf dem ungenutzten Schlot unbewohnt, aber alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass sich dies - wie schon bei den Turmfalken - spätestens im kommenden Frühjahr ändern wird.

Ein lauschiges Plätzchen in luftiger Höhe mit Blick auf Banz und Staffelberg - da können Herr und Frau Storch doch nicht nein sagen. Die Krönung wäre freilich, wenn es die großen Vögel nicht beim Klappern beließen, und neben ihrem legendären Job als Babyüberbringer auch selbst uns mit Nachwuchs erfreuen. Dann werden sich die Mühen und die Kraxelei auch gelohnt haben.

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