Bamberg

Start in eine neue Ära

Brose Bamberg geht runderneuert in die Saison. Der Bundesliga-Dominator der vergangenen 15 Jahre hat das Wettrüsten mit Bayern München zwar eingestellt, will aber weiterhin in der deutschen Spitze mitmischen.
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Fotos: Daniel Löb, suphot/Fotolia Composing: Micho Haller
Fotos: Daniel Löb, suphot/Fotolia Composing: Micho Haller

Als die Bamberger Bundesliga-Basketballer im Jahr 2014 im Viertelfinale scheiterten, war für Trainer Chris Fleming - und wenig später auch für Geschäftsführer Wolfgang Heyder - Schluss. In diesem Jahr war erst im Halbfinale Endstation. Trainer Andrea Trinchieri hatte aber das Saison-Aus gar nicht mehr miterlebt, Geschäftsführer Rolf Beyer wird zum Jahresende den Verein verlassen. Abermals hat Brose Bamberg einen fundamentalen Neuaufbau eingeleitet und sich, bedingt durch eine selbst auferlegte Budgetkürzung, gleichzeitig eine neue Strategie verordnet: Jäger statt Gejagter in der Bundesliga, internationale Hausmannskost in der Champions League statt Basketball-Leckerbissen gegen Teams von gehobenem europäischen Format.

Gleichwohl: Ein Verein mit Ambitionen will Brose Bamberg, mit neun deutschen Meisterschaften und vier Pokalsiegen der erfolgreichste in Deutschland in den vergangenen 13 Jahren, weiterhin bleiben. "Wir haben den zweithöchsten Etat in der Bundesliga. Damit ergibt sich automatisch, dass wir vielleicht nicht in dieser Saison, aber dann in der nächsten um den Titel mitspielen müssen", erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek beim Trainingsauftakt des neu zusammengestellten Teams.

Gewaltiger Aderlass

Seit Mitte August arbeitet der neue Trainer Ainars Bagatskis mit seinem Stab und den Spielern akribisch auf den Start der neuen Saison hin. Immerhin war der Aderlass gewaltig. Acht Spieler aus der Vorsaison sind nicht mehr dabei. Leon Radosevic, Maodo Lo (beide zu Bayern München), Dorell Wright (Kuban Krasnodar) und Daniel Hackett (ZSKA Moskau) konnte man nicht mehr, Lucca Staiger (SC Canarias/Spanien), Aleksej Nikolic (Partizan Belgrad, Dejan Musli und Luka Mitrovic (beide Ziel unbekannt) wollte man nicht mehr halten.

Routiniers und Talente

Die angestrebte Verjüngung gelang zwar nicht. Das Durchschnittsalter (26,8 Jahre) des Teams ist fast identisch mit dem des Vorjahres (26,3). Aber mit dem Dreierspezialisten Arnoldas Kulboka, Junioren-Nationalspieler Louis Olinde (beide 20 Jahre) und Center-Neuzugang Cliff Alexander (22) hat Bagatskis drei Talente im Kader, die im Verlauf der Saison ihr Potenzial voll ausschöpfen könnten. Ihnen zur Seite steht eine Handvoll Routiniers um Kapitän Nikos Zisis (35), zu denen getrost auch die Neuzugänge Tyrese Rice (31), Stevan Jelovac (29) und Maurice Stuckey (28) gezählt werden können.

In den Testspielen hat das neu formierte Team bereits angedeutet, dass der Umbruch gelingen kann. Acht der neun Vorbereitungspartien gewann es, bei der Generalprobe gegen den polnischen Meister Anwil Wloclawek regnete es 17 Dreier. "Wir haben offensiv eine Maschinerie, die, wenn sie ins Laufen kommt, viel Spaß machen kann", meint Rolf Beyer. Der Geschäftsführer spürt im Team einen anderen Geist als im vergangenen Jahr: "Im letzten Jahr war von Beginn an viel Spannung im System, weil die Erwartungshaltung eine ganz andere war. Diesmal ist es anders. Der Coach vermittelt auch eine ganz andere Atmosphäre und gibt allen Spielern ein gutes Gefühl. Alle ziehen voll mit."

In der Tat herrscht ein anderer Umgangston als noch vor einem Jahr unter Trinchieri. Zwar weist auch Bagatskis seine Schützlinge sofort nach ihrer Auswechslung auf Fehler hin, die sie gemacht haben, allerdings ohne die emotionale Note, wie sie beim temperamentvollen Trinchieri öfters mitschwang.

Große Rotation

Als ehemaliger Spieler sucht Bagatskis einen anderen Zugang zu seinen Akteuren und gab in der Vorbereitung allen Akteuren Zeit, sich zu zeigen. Daran soll sich auch nichts ändern, wenn es von Samstag an ernst wird. "Wir werden weiterhin mit einer großen Rotation mit zehn, elf, vielleicht sogar zwölf Spielern spielen. Jeder kann seinen Beitrag leisten", kündigt der 51-jährige Lette an.



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