Rauhenebrach

Starke Typen - starke Truppen

Das Laienschauspiel prägt in den Herbst- und Wintermonaten das kulturelle Leben im Landkreis Haßberge
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Anschi Bäuerlein gehört zu den Gründungsmitgliedern der Theatergruppe Geusfeld, hier beim Proben mit Matthias Stahl, ihrem Bühnen-Ehemann. Viel Energie bringt sie auf die Bühne - und sie bereitet den geheimen Zaubertrank zu: Buttermilchlikör.  Fotos: Sabine Weinbeer
Anschi Bäuerlein gehört zu den Gründungsmitgliedern der Theatergruppe Geusfeld, hier beim Proben mit Matthias Stahl, ihrem Bühnen-Ehemann. Viel Energie bringt sie auf die Bühne - und sie bereitet den geheimen Zaubertrank zu: Buttermilchlikör. Fotos: Sabine Weinbeer
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Wenn Anschi Bäuerlein mit der Bratpfanne in der Hand einen Mann über die Bühne jagt - dann ist Theatersaison in Geusfeld. Im Winterhalbjahr wird hier, am südwestlichen Rand des Landkreises, ebenso Theater gespielt wie im Maintal oder in den Haßbergen.

In den 1920er und 30er Jahren gab es Theateraufführungen fast in jeder Gastwirtschaft - im kleinen Unterschleichach ebenso wie in Eltmann, wo die Theater- und Operettenaufführungen der "Sängerlust", sogar mit eigenem Orchester, bis heute legendär sind. Gesungen wird in Eltmann immer noch, das Theaterspiel wurde aufgegeben. Auch die Theatergruppe in Oberaurach fand vor einigen Jahren keinen Nachwuchs mehr.

Dafür wird in Rauhenebrach sowohl in Prölsdorf als auch in Geusfeld geschauspielert, was das Zeug hält. In Geusfeld wurde die Tradition 1995 wiederbelebt. Seitdem wird die Spreubachhalle am Sportplatz jedes Jahr im November zum Theatersaal. Am 24. November ist heuer Premiere.

Bereits nach Ostern begann Margit Simon mit dem Lesen verschiedener Stücke. 2013 ist sie als Regisseurin eingesprungen "mit einem eingespielten Team ist mir das relativ leicht gefallen". Die Truppe schätzt sehr, dass sie immer ein Stück findet, dessen Charaktere zu den Laien-Schauspielern passten. Das ist Anschi Bäuerlein ebenso wichtig wie ihrer Tochter Annalena, die mittlerweile ebenfalls auf der Bühne steht. Immer versuchen sie, die Stücke mit etwas Lokalkolorit zu versehen. In diesem Jahr geht es um Feuerwehr-Rivalitäten - und was läge da näher, als das Ganze zwischen Geusfeld und Untersteinbach passieren zu lassen? Jürgen Fösel wird zum Pfarrer, Matthias Stahl spielt den Feuerwehrvereins-Vorsitzenden, den seine Frau so wutentbrannt verfolgt.

23 Probenabende haben sie angesetzt seit August, "vorher sollte man schon seinen Text gelesen haben", sagt Stephan Bäuerlein. Im "zivilen" Leben ist er Controller und schafft das nicht immer fristgerecht, wie er eingesteht. Textsicher dagegen ist Martina Stahl, als Souffleuse unverzichtbar. Die Truppe besteht aktuell aus sieben Schauspielern. Fünf Helfer sorgen sich um Bühnenbild, Maske, Technik und Vorverkauf. Dazu kommen die "Theaterspatzen", die die Aufführungen musikalisch einrahmen.

Sich die Probentermine in den Alltag einzubauen, das ist für die meisten Laienschauspieler eine Herausforderung, das sieht auch Michael Erhart so. Als Pfarrer kann er ebenso wenig frei über seine Abende verfügen wie der Schichtarbeiter oder die Krankenschwester. "Aber wenn man die Termine langfristig festlegt, dann geht das", erklärt er. Mit Unterbrechungen spielt er seit 30 Jahren Theater. Da traf es sich gut, dass vor sieben Jahren in Sand Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung zusammensaßen auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Kirchensanierung. Edeltraud Schnapp hatte die Idee und sprach manche der heutigen Schauspieler an mit: "Das wär doch was für dich." Claudia Förtsch zum Beispiel, war überrascht: "Ich war damals nicht so selbstsicher, dass ich mir das gleich zugetraut hätte." Inzwischen schultert sie durchaus resolute Rollen. Mit einer kleinen Nebenrolle ist sie eingestiegen. Edeltraud Schnapp "liest sich im Frühling einen Wolf", erklärt der Pfarrer, der als Regisseur weiß, wie wichtig die richtige Auswahl des Stücks ist - damit sich die Schauspieler wohlfühlen und der Funke überspringt. In Sand gelang das diesmal mit dem "Tratschtantenschlamassel" bestens. Erhart selbst spielt "auch mal einen Gauner, eher nicht den Pfarrer. Bischofssekretär war ich mal", grinst er. Und beim Historienspiel in Zeil war er sogar Fürstbischof.

Während die Sander fertig sind, die Geusfelder auf die Premiere hinproben und in Ebelsbach die Vorstellungen gerade laufen, hat Friesenhausen noch Zeit. Zwei Monate spielen "Die fahrenden Gaukler" im Sportheim des SV Friesenhausen, ebenso im DJK-Heim in Happertshausen: 13 Aufführungen waren es im Januar und Februar, darunter eigene Kinder- und Seniorenaufführungen und mehrere "Theaterkaffees". Der Kartenvorverkauf läuft hier am ersten Sonntag im Dezember an - die Fans stehen schon im Finstern Schlange, um Karten zu erwerben.



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