Kronach

"Starfighter" für die Christenheit

Im Landkreis Kronach ist der Erzengel Michael auf Martern und als Kirchenpatron weithin präsent.
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Das "von Redwitz'sche Marterla" zu Füßen der Festung Rosenberg ziert der heilige Michael mit Flammenschwert und Seelenwaage. Foto: Alexander Grahl
Das "von Redwitz'sche Marterla" zu Füßen der Festung Rosenberg ziert der heilige Michael mit Flammenschwert und Seelenwaage. Foto: Alexander Grahl

Kronach —  Der Erzengel Michael bewegt weit mehr als nur zwei Flügel: Als Bezwinger des Teufels, als Schirmherr des Heiligen Römischen Reiches und als Bannerträger Gottes geleitet er die Seelen der Verstorbenen mit Flammenschwert und Seelenwaage in die Ewigkeit.

Am 29. September feiert die Kirche das Fest des Erzengels Michael und seiner Kampfgefährten Gabriel und Raphael. In der Offenbarung 12,7 nach Johannes heißt es: "Im Himmel entbrannte ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satanas heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinab geworfen".

Wunderbare Hilfe für Kronach

Die Kirchengeschichte schmückt den Erzengel Michael mit den "Attributen der Göttlichkeit", da er die Heerscharen Gottes gegen die Mächte des Bösen führt. Schon Karl der Große machte ihn zum Schirmherrn des Heiligen Römischen Reiches und zum Beschützer des deutschen Volkes. Heute sind aus dem guten alten "Michl" und der neuzeitlichen Lachnummer "Du bist Deutschland" leider Gottes zwei traurige Gestalten geworden.

Während der Belagerung im Dreißigjährigen Krieg verteidigte sich die Kronacher Bürger-schaft unter dem Banner des Erzengels Michael, der zum Schutzpatron auserkoren war. In dieser schrecklichen Zeit der Jahre 1632-1634 gelobten die Kronacher Bürger alljährlich die "Schwedenprozession" von der Stadtpfarrkirche hinauf zur Festung Rosenberg. Die "von Redwitz'sche Marter" am Fuß des Rosenberges erinnert an die wunderbare Hilfe des heiligen Michael.

Der "Bannerträger Gottes" ist auch Schutzheiliger und Namenspatron der evangelischen Pfarrkirchen in Unterrodach und Ludwigstadt, der katholischen Filialkirche in Ziegelerden und der katholischen Kuratiekirche in Nurn. Seine Aura erstrahlt auf verehrungswürdigen Sandsteinmartern in Birnbaum, Eibenberg, Friedersdorf, Friesen, Glosberg, Grössau, Kronach, Lahm, Nurn, Pressig, Rennesberg, Rothenkirchen, Wallenfels und Wickendorf. Nach altem Volksglauben finden dort die Seelen der Ahnen ihre ewige Ruhe.

Aus der Zeit der Stadterhebung von Ludwigsstadt stammt der Silbertypar des Stadtrichters. Er wird folgendermaßen beschrieben: In Silber auf grünem Feld stehend der heilige Michael in langem roten Gewand mit goldenen Flügeln; er hält mit der Rechten einen silbernen Stab mit goldenem Kreuz, mit der Linken eine goldene Waage, in deren gesenkter Schale der Mensch, in der erhöhten Schale der leibhaftige Teufel sitzt. Auf verschlungenem Band seitlich angebracht ist die Inschrift: s: iudicis in ludwigist. Das spitzovale Bildsiegel hat im Original die Maße 39x30 mm (Marktrecht 1377, Stadtrecht 1490).

Gute und schlechte Taten

Der Erzengel Michael spielt eine wichtige Rolle im Volksglauben. Er ist es, der ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen erstellt, das er diesem zunächst am Tag des Sterbens, aber auch am Tag des Jüngsten Gerichts vorlegen wird und auf dessen Basis er über ihn richtet. Er erscheint hier in der wichtigen Position des Seelenwägers, wenn er die Seelen der Verstorbenen auf den Weg in die Ewigkeit begleitet.

Sankt Michael ist eingebettet in den Altweibersommer. Die hauchzarten "Marienfäden" winziger Baldachinspinnen schweben wie Reste eines himmlischen Schleiers durch die milde Spätsommersonne, die ihr feuriges Sommergold ins Silbrige zu dämpfen beginnt. Hermann Löns schreibt: "Mir will scheinen, wenn je die Sonne lächelt, dann lächelt sie im Herbst, ge-rade im Altweibersommer - gütiger, nachsichtiger als selbst im ersten Frühling", und der Bauernkalender preist den September als den Mai des Herbstes: "Durch des Septembers heitern Blick schaut noch einmal der Mai zurück".

Am Sonntag nach Michaeli feiert die Kirche das Erntedankfest. An diesem festlichen Höhe-punkt des Bauernjahres soll einerseits die Freude über eine erfolgreiche Ernte zum Ausdruck gebracht werden, andererseits der Dank an den Schöpfer für die Ernteerträge im Mittelpunkt stehen. Auf den reich gedeckten Tisch gehörte früher zum guten Essen vor allem das in der Pfanne mit Semmeln und Eiern goldbraun gebackene Weißkraut.

Ein "Knuddlvers"

Den Höhepunkt bildete abends der "Erntedanktanz". Bei den Hütbuben, Stalljungen und den Feldarbeitern, die in der Regel Wanderarbeiter waren, stand allerdings mehr dieser warmherzige "Knuddlvers" im Brennpunkt: "Is Michaeli öschd febei, senn alla Ägge und Wiesn frei. Dou laahn iech miech auf mein Stäggn, noched kooh miech jejde Baue amoll ...-gään hou!"

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