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Herzogenaurach

Stadtrat: SPD verliert deutlich

Von 13 Sitzen schrumpft die bislang stärkste Fraktion auf nur noch acht. Die CSU konnte ihr Ergebnis (mit JU) halten. Acht Gruppierungen sind im neuen Stadtrat vertreten.
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Zwei Neue im Stadtrat: Nicolai Schaufler von der Satirepartei "Die Partei" (links) spricht am Wahlabend im Sitzungssaal mit Marc Deavin von den Grünen.  Foto: Bernhard Panzer
Zwei Neue im Stadtrat: Nicolai Schaufler von der Satirepartei "Die Partei" (links) spricht am Wahlabend im Sitzungssaal mit Marc Deavin von den Grünen. Foto: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer Die SPD musste kräftig Federn lassen bei der Stadtratswahl am Sonntag. Von bisher 13 Sitzen fiel die Mehrheitsfraktion zurück auf acht. Und ist damit gleichauf mit der CSU. Diese wiederum kann sich über zwei weitere Sitze freuen, die ihre Jugendorganisation mit ihrer eigenen Liste erreicht hat.

Acht Listen vertreten

Acht Gruppierungen werden in den neuen Stadtrat einziehen, sollte sich bei der letzten Überprüfung des Ergebnisses nichts mehr ändern. Das ist eine Konstellation, die den Bürger vielleicht freut, weil es bunter und gemischter ist. Für den künftigen Bürgermeister wird es damit allerdings sicher nicht leichter werden.

Amtsinhaber German Hacker (SPD) hätte sich gerne weiterhin stabile Verhältnisse gewünscht. Man habe im Wahlkampf versucht, einer Zersplitterung entgegenzutreten. "Das ist nicht eingetreten", sagte Hacker, der am 29. März in die Stichwahl muss. Dass künftig acht statt fünf Gruppierungen im Stadtrat vertreten sein werden, das mache das "Finden von Mehrheiten" nur schwieriger.

Gegen das Dagegensein

Beim Suchen nach Gründen für die deutlichen Verluste müsse man natürlich auch den allgemeinen Minustrend einbeziehen, den die SPD landauf landab hinnehmen müsse. Dazu kam für Hacker in Herzogenaurach das schlichte Dagegensein mancher Politiker. Persönlich nennt er Manfred Welker von den Freiern Wählern, der beispielsweise mit Unwahrheiten suggeriert habe, er könnte den Neubau eines Rathauses alleine stoppen. Großprojekte hätten es immer schwer und seien leicht anzugreifen, sagte Hacker. Aber man sollte auch zu Beschlüssen stehen.

Fraktionschef überrascht

Das Wort Debakel wollten weder der Bürgermeister noch der Fraktionsvorsitzende Curd Blank in den Mund nehmen. Gleichwohl Letzterer sich schon überrascht äußerte, "dass es so schlecht geworden ist". Auch das Ergebnis der Bürgermeisterwahl hat Blank nicht gerade erfreut. Er hätte Hacker die Stichwahl gerne erspart. Auch Blank ärgert sich über die "populistischen Themen" der Freien Wähler. "Sie haben es geschafft, die Bevölkerung aufzuwiegeln." Weh tut ihm auch, dass die AfD einen Sitz ergattern konnte. Deutlich positioniert hat sich German Hacker. Für ihn sei vollkommen klar, "dass eine Zusammenarbeit mit der rechtsradikalen Partei ausgeschlossen ist".

So richtig freuen wollte sich auch CSU-Fraktionsvorsitzender Bernhard Schwab nicht. Obwohl die Union inklusive Nachwuchs ihre Sitzzahl gehalten hat, sei er schon "ein bissl enttäuscht". Die CSU habe zwei Sitze verloren, und damit auch engagierte und erfahrene Stadträte. Nichtsdestotrotz sei es freilich positiv zu werten, dass es die Jungen gleich mit zwei Sitzen geschafft haben. Der CSU-Nachwuchs ging ja erstmals mit einer eigenen Liste an den Start.

Zwei Ziele erreicht

Dass die CSU letztlich die stärkste Kraft im Herzogenauracher Stadtrat geworden ist, das stimmt Schwab positiv. Beide Ziele seien zunächst erreicht worden: die Nummer eins im Stadtrat und eine Stichwahl bei der Bürgermeisterwahl.

Sein Fraktionskollege Walter Drebinger, der ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis einfuhr, sieht dieses Abschneiden als ein "klares Zeichen dafür, dass wir vieles richtig gemacht haben". Und bewertet das Abschneiden der SPD deutlich: "Erdrutschartige Verluste hatten wir auch schon", sagte er. Das war der Beginn einer schweren Zeit für die CSU.

Junge Union freut sich

Zu den Wahlsiegern zählt die Junge Union, die auf Anhieb zwei Sitze schaffte. Die Junge Union Herzogenaurach sei zufrieden mit ihrem Wahlergebnis, heißt es in einer Pressemitteilung am Montag. "Dass erstmals seit Jahrzehnten wieder eine neue Gruppierung in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzieht, ist ein wirklich tolles Ergebnis und ein riesen Vertrauensvorschuss für die junge Generation", freut sich JU-Ortsvorsitzender Simon Dummer. Er selbst hat den Einzug in den Stadtrat knapp auf Platz drei verpasst.

Und weiter wird berichtet: "Wir haben mit Katharina Zollhöfer und Konrad Körner zwei tolle junge Kräfte, die den Stadtrat aufmischen werden!" Die Junge Union wolle jetzt zunächst mit voller Kraft CSU-Bürgermeisterkandidaten Sabine Hanisch in der Stichwahl unterstützen. "Sie ist die Richtige, wir brauchen eine Bürgermeisterin, die ein offenes Ohr für die Bürger hat", sagt Katharina Zollhöfer. Die Beutelsdorferin schaffte es neben dem bisherigen CSU-Stadtrat Konrad Körner in den Stadtrat. "Die rot-grüne Mehrheit ist passé", stellte Körner fest. Und auch der CSU-Nachwuchs stellt fest, dass man gerne "mit allen Parteien außer der AfD" reden wolle. Auch Schwab hatte zuvor eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.

Zu wenig Frauen

"Es wird nicht leichter werden". Das sagte Retta Müller-Schimmel von den Grünen. Obwohl ihre Fraktion um einen Sitz gewachsen ist, wirkt sie nicht wirklich zufrieden. Zumal auch nur acht von 30 Stadträten weiblich seien. Zwei davon haben die Freien Wähler, Birgit Süß ist eine von ihnen und neu im Stadtrat. Die Friseurin findet es gut und wichtig, "dass sich der Stadtrat neu mischt". Das hätten die Wähler schließlich auch so gewollt, und die Arbeit im Stadtrat werde spannend werden.