Münnerstadt

Stadt bezuschusst Lebensretter

Pro Stadtteil wird die Stadt den Kauf von einem Defibrillator mit 50 Prozent unterstützen. Die Unterhaltskosten übernimmt die Kommune zu 100 Prozent.
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Ein Knopfdruck, der Leben retten kann. Der Stadtrat hat beschlossen, den Kauf von Defibrillatoren unter bestimmten Voraussetzungen mit 50 Prozent zu unterstützen.  Foto: Ralf Ruppert
Ein Knopfdruck, der Leben retten kann. Der Stadtrat hat beschlossen, den Kauf von Defibrillatoren unter bestimmten Voraussetzungen mit 50 Prozent zu unterstützen. Foto: Ralf Ruppert

Wenn ein Verein für seinen Stadtteil einen Defibrillator kaufen will, wird die Stadt Münnerstadt die Anschaffung zur Hälfte bezuschussen. In Münnerstadt selbst, wo der TSV bereits einen Antrag gestellt hat, soll ein zweiter finanziell unterstützt werden. Sollte noch weiterer Bedarf angemeldet werden, entscheide der Stadtrat über jeden Einzelfall. So lautet der einstimmige Beschluss des Gremiums. Vorausgegangen waren dem ein anschaulicher Fachvortrag von Jürgen Müller vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen und eine konstruktive Diskussion des Stadtrats.

Vereine engagieren sich

Schon mehrfach war das Thema "flächendeckende Ausstattung der Ortsteile der Stadt Münnerstadt mit Defibrillatoren" Thema im Stadtrat gewesen. Der TSV Münnerstadt möchte einen für das Sportzentrum anschaffen. Zuletzt hatten sich die Stadträte darauf geeinigt, dass die Kommune nicht von sich aus alle Stadtteile mit Defibrillatoren ausstattet, sondern dann unterstützend tätig wird, wenn ein Verein oder eine Institution einen kaufen möchte. Das war zuletzt in Seubrigshausen der Fall. Dort hatte die Freiwillige Feuerwehr das alljährliche Fest am Christbaum der Anschaffung eines Defibrillators gewidmet, mit großem Erfolg. Mit dabei war Jürgen Müller vom Zentrum für Telemedizin, der die Funktionsweise vorstellte und die Notwendigkeit der Anschaffung von Defibrillatoren unterstrich. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) lud ihn in den Stadtrat ein.

Jürgen Müller stieg mit Zahlen in seinen Vortrag ein. "In Bayern wird alle 30 Minuten ein Mensch reanimiert", sagt er. Er ging auf Risikogruppen ein, bei denen der so genannte plötzliche Herztod besonders häufig auftritt. Aber: "Es kann jeden treffen, zu jeder Zeit, an jedem Ort." Bei Herzkammerflimmern könne ein Defibrillator Leben retten, vor allem weil es im ländlichen Raum ein wenig dauern könne, bis ein Rettungswagen vor Ort ist.

"Nichts ist schlimmer, als wenn man ein Gerät hat und es geht nicht", betonte Jürgen Müller. Das Zentrum für Telemedizin verkaufe die Defibrillatoren nicht nur, sondern kümmere sich auch um die Wartung und die Schulung von Interessierten. Wichtig sei auch der Standort. Defibrillatoren sollten möglichst den ganzen Tag über nutzbar sein. Es gibt sie in verschiedenen Ausstattungsvarianten, sie können bei entsprechender Ausrüstung auch im Freien aufgestellt werden. Als Bürgermeister Helmut Blank die Hemmschwelle ansprach, die viele Menschen beim Einsatz eines Defibrillators haben, meinte Jürgen Müller: "Man kann definitiv nichts falsch machen." Am Ende seines ausführlichen Vortrags nannte er die Kosten. Ein Defibrillator kostet je nach Ausstattung zwischen 1300 und 2500 Euro. Für die Wartung werden 25 Euro pro Monat fällig.

Ralf Verholen (Freie Wähler) wollte wissen, ob das Zentrum für Telemedizin über die dreijährige Garantie des Herstellers hinaus eine Gewährleistung anbietet. Das will Jürgen Müller noch abklären. Auf Nachfrage von Michael Kastl (CSU) sagte er, dass vom Zentrum für Telemedizin favorisiert wird, wenn sich Leute mit einbringen, die Defibrillatoren also nicht allein von den Kommunen gekauft werden. Daraufhin wiederholte Michael Kastl noch einmal, was er schon bei vorangegangenen Sitzungen zu dem Thema gesagt hatte. Die Stadt sollte einen Verein unterstützen, wenn er einen Defibrillator kaufen will und nicht selbst in Aktionismus verfallen. Helmut Blank formulierte dazu einen Beschlussvorschlag, der einen Zuschuss von 50 Prozent für den Kauf und die Serviceleistungen beinhaltete. Matthias Kleren (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass es auch noch andere Förderer für die Anschaffung von Defibrillatoren gebe und Michael Kastl fand es besser, wenn die Wartungsverträge für die angeschafften Geräte über die Stadt laufen. "Es geht um das Wohl unserer Bürger, da sollte man das Geld nicht so anschauen", meinte schließlich Klaus Schebler (Neue Wege), wonach Helmut Blank einen neuen Beschlussvorschlag formulierte, nachdem die Wartung komplett von der Stadt bezuschusst wird. Michael Kastl ließ noch einen Passus aufnehmen, wonach die Stadt nur Unterstützung leistet, wenn die Defibrillatoren über das vorgestellte Modell angeschafft werden.



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