Bamberg

SS-Parole kommt teuer zu stehen

Das Amtsgericht Bamberg verurteilt einen 21-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro.
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Vor dem Amtsgericht Bamberg musste sich ein 21-Jähriger u. a. wegen des Gebrauchs von Symbolen verfassungswidriger Organisationen verantworten.  Foto: David Ebener, dpa
Vor dem Amtsgericht Bamberg musste sich ein 21-Jähriger u. a. wegen des Gebrauchs von Symbolen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Foto: David Ebener, dpa

Viel war aus dem 21-jährigen Angeklagten am Amtsgericht Bamberg nicht herauszubekommen. Weder für die Fachleute der Jugendgerichtshilfe, noch für den erfahrenen Jugendrichter Fahr. Nur ein "So isses, und gut".

So blieb unklar, warum der junge Mann aus dem Landkreis Bamberg seit Juli 2018 auf seinem für jeden zugänglichen Facebook-Profil ein Messer in die Kamera hält, auf dem in Fraktur-Schrift die Parole "Meine Ehre heißt Treue" eingraviert ist. Übrigens ist das Foto bis zum heutigen Tage immer noch einsehbar.

Strafbar ist diese Präsentation, handelt es sich dabei doch um den Wahlspruch der Schutzstaffel (SS), den diese ab 1933 auf ihren Dienstdolchen anbringen ließ. Damit geht es um eine ehemalige nationalsozialistische, somit verfassungswidrige Organisation, deren Symbole und Kennzeichen in der Öffentlichkeit grundsätzlich verboten sind. Zu diesem Anklagevorwurf schwieg der Angeklagte standhaft.

Nur wenig mehr Worte waren beim zweiten Vorwurf zu hören: Erschleichen von Leistungen. Als "Schwarzfahrer" war der Auszubildende ein ganzes Jahr lang zwischen März 2017 und März 2018 immer wieder aufgefallen. Bei Kontrollen im Schienennahverkehr hatte er kein gültiges Ticket bei sich. "Ich wollte Geld sparen", so die lapidare Aussage. Insgesamt belief sich der Schaden der Verkehrsbetriebe auf gerade einmal 30,90 Euro. Auch die erhöhten Beförderungsentgelte von jeweils 60 Euro, mithin 360 Euro, hat der Angeklagte bislang nicht beglichen. Was nicht ganz leicht werden dürfte, stand am Ende des Verfahrens doch eine Geldauflage von 1000 Euro, die der Angeklagte an den Förderverein des Kindergartens St. Josef Bamberg zu zahlen hat. "Das ist für Sie auch spürbar", so der Jugendrichter.

Für den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes könnte die von Jugendrichter Fahr verhängte Geldauflage, die im Vorstrafenregister auftauchen wird, möglicherweise noch berufliche Konsequenzen haben.

Dabei hatte der Jurist noch versucht, dem Angeklagten eine goldene Brücke zu bauen. Hätte der die Tat eingeräumt und erklärt, gar Reue oder Einsicht gezeigt, wäre das Gerichtsverfahren wohl sang- und klanglos eingestellt worden. Auch weil der junge Mann bislang noch nicht mit der Justiz in Konflikt geraten war.

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