Laden...
Coburg

Sportverband fordert mehr Geld

Die Sportvereine sollen von der Stadt besser unterstützt werden, sagt Jürgen Heeb, Präsident des Sportverbands. Aber auch die Vereine seien in der Pflicht und müssten mehr und besser zusammenarbeiten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Turnerinnen des TV Ketschendorf bei einem Auftritt beim Schlossplatzfest. 75,8 Prozent der Coburger Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren gehören mindestens einem Verein an; fast 49 Prozent davon sind in einem Sportverein. Fast 57 Prozent aller Jugendlichen geben an, dass Sport für sie regelmäßige Freizeitbeschäftigung ist. Foto: Barbara Herbst/CT-Archiv
Turnerinnen des TV Ketschendorf bei einem Auftritt beim Schlossplatzfest. 75,8 Prozent der Coburger Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren gehören mindestens einem Verein an; fast 49 Prozent davon sind in einem Sportverein. Fast 57 Prozent aller Jugendlichen geben an, dass Sport für sie regelmäßige Freizeitbeschäftigung ist. Foto: Barbara Herbst/CT-Archiv

Sind 330 000 Euro viel Geld? Für einen Sportvereinsvorsitzenden vermutlich ja: sein Jahresbudget betrage 60 000 Euro, rechnet Michael Schulz vor, Vorsitzender des SV Ketschendorf. Damit komme der Verein gerade so über die Runden. Bis auf die beiden Trainer der 1. und 2. Fußballmannschaft erhalte auch niemand eine Aufwandsentschädigung, sagt Schulz.

Beim Haushalt der Stadt Coburg würden 330000 Euro gerade mal 0,21 Prozent ausmachen, hat Jürgen Heeb ausgerechnet. Er ist Stadtratsmitglied (WPC) und Vorsitzender des Sportverbands Coburg, des Zusammenschlusses der Sportvereine. In dieser Funktion fordert Heeb mehr Geld für die Vereine - eben 330 000 Euro mehr.

Es wären knapp elf Prozent dessen, was die Stadt ohnehin unter "Sportförderung und eigene Sportstätten" veranschlagt. Da istaber auch der Unterhalt und die Betreuung der städtischen (Schul-)Sportanlagen inbegriffen. Die 64 Sportvereine erhalten derzeit insgesamt 175 000 Euro pro Jahr, verteilt nach verschiedenen Kategorien wie Jugendförderung, Übungsleiterzuschüsse oder Hallenpauschalen.

Gemessen an dem, was die Sportvereine gesellschaftlich leisten, sei das zuwenig, sagen Heeb und Schulz. Und wenn sie die Rechnung aufmachen, wofür sie gern Geld hätten, klingt es auch gar nicht mal so viel: 40 Euro pro betreutem Jugendlichen - das würde das Budget an dieser Stelle um 185 000 Euro erhöhen , sagt Heeb. Dafür ist in seinem Konzept einer neuen Sportförderung keine "Vereinspauschale" mehr enthalten.

Zuschüsse sollen die Vereine nur noch für ihre vereinseigenen Anlagen und Sporthallen erhalten, und zwar insgesamt 65 000 Euro mehr. Das ist das eineinhalbfache dessen, was es bislang gibt. Außerdem fordert der Sportverband, 80 000 Euro pro Jahr an Spitzensportförderung bereitzustellen. Diese Förderung gab es schon einmal, wurde aber vor einigen Jahren im Zuge der Sparbemühungen der Stadt auf Null heruntergefahren. "Und eigentlich ist das keine Sportförderung, sondern Stadtmarketing", betont Heeb. Denn die Bundesligisten im Kanupolo, Billard oder Handball würden Coburg schließlich bundesweit bekannt machen.

Die Initiative für eine Reform der Sportförderung sei von einigen Vereinen ausgegangen, betont Heeb. Der Sportverband habe den Meinungsbildungsprozess dann begleitet. Denn die Vereine stehen vor einem ganzen Bündel an Problemen: Die Mitgliederzahlen sind zwar gut "und machen Hoffnung für die Zukunft", sagt Heeb. Was den Vereinen jedoch zunehmend fehle, seien Funktionäre, die den Verein managen. Betreuer und Übungsleiter seien zwar ausreichend vorhanden, aber die Kosten dafür kaum zu schultern.

Ein Wunsch: Neue Sporthalle

Und: Es fehlen Hallenkapazitäten, sagen Heeb, Schulz und Hans Haberzettlvom Sportverband und Stadtratsmitglied (CSB). Eine neue Sporthalle steht also auch auf der Wunschliste. Eine Planung dafür liege ja schon vor, sagt Heeb: Vor gut zehn Jahren war eine Dreifachsporthalle mit Akrobatik-Zentrum am Floßanger im Gespräch, als Ersatz für die BGS-Sporthalle, wenn diese ausfällt. Das tut sie aber bislang nicht.

Trotzdem sehen die drei Sportfunktionäre den Bedarf nach einer weiteren Halle als gegeben, zumindest im Winter, wenn auch die Fußballer in der Halle trainieren wollen. Das Sportamt versuche zwar, alle Wünsche zu erfüllen und miete sogar Hallen vom Landkreis an, sagt Schulz. "Aber es ist ein Wanderzirkus, und wie soll ich mit 31 Kindern in der F-Jugend in einem Hallendrittel trainieren? Das funktioniert nicht!"

Für die Turner sei die Hallensituation so prekär, weil jedesmal Geräte auf- und abgebaut werden müssten, sagt Heeb. "Die Turner haben den höchsten Jugendanteil und die geringsten Kapazitäten."

Aber auch die Schwimmer haben Grund zur Klage, sagt Hans Haberzettl: Das Lehrschwimmbecken an der Rückertschule wurde abgerissen. Von den fünf Bahnen im Schwimmbecken des Aquaria sei immer eine für die Allgemeinheit reserviert. Um die vier übrigen Bahnen konkurrieren seinen Worten nach tagsüber die Schulen und abends die Vereine. "Es gab einmal Pläne für ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, der unterschiedliche Wassertiefen ermöglicht hätte. Das ist dieser Nobelsauna zum Opfer gefallen", sagt Haberzettl. Eine Entscheidung, die im übrigen nicht im Stadtrat gefallen sei, sondern im Aufsichtsrat der SÜC, die das Aquaria betreibt, ergänzt Jürgen Heeb.

Dass der Stadtrat nun Planungen für eine Freizeitsportanlage an der Coje in Auftrag gegeben hat, sieht Heeb positiv: Das schaffe nicht nur zusätzliche Sportmöglichkeiten, sondern stärke auch einen "Sportpark Nord" an Wiesen- und Rosenauer Straße, der um die Sporthalle am Floßanger gut ergänzt werden könnte.

Gleichzeitig sieht Heeb nicht nur die Stadt in der Pflicht. Auch die Vereine müssten etwas tun, sagt er: Beiträge anpassen, dass diejenigen, die mehr Leistung vom Verein erhalten, auch mehr zahlen; mehr zusammenarbeiten, sei es in Sportgemeinschaften oder indem sie sich gegenseitig ihre Sportanlagen zur Verfügung stellen. Nur dann solle die Stadt auch Fördermittel auszahlen. "Die Vereine müssen sich professionalisieren", fordert Heeb, denn ehrenamtlich sei die Arbeit ohnehin kaum mehr zu leisten. Auch dabei könnten die Vereine zusammenarbeiten. Zudem könne die Stadt die Vereine bei Verwaltungsaufgaben unterstützen - gegen entsprechendes Entgelt natürlich.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren