Kronach
"PflegeFlex"-Auswertung

Spezielle Pflegeplätze entlasten Pflegende

Ein pflegebedürftiger Mann wird von seiner Ehefrau gepflegt. Diese muss nach einem Unfall selbst ins Krankenhaus. Die Kinder des Ehepaars leben woanders und...
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Ein pflegebedürftiger Mann wird von seiner Ehefrau gepflegt. Diese muss nach einem Unfall selbst ins Krankenhaus. Die Kinder des Ehepaars leben woanders und sind berufstätig. Nun liegt die Verantwortung, diese Situation zu organisieren, bei ihnen. Pflegeheime, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Vollauslastung streben müssen, können in den seltensten Fällen auf solche Nachfragen sofort reagieren. Bislang war es daher für Angehörige äußerst schwierig, auf die Schnelle einen neuen Pflegeplatz zu organisieren.


Seit Mitte 2015

Hierfür entwickelte der BRK-Kreisverband Kronach im Rahmen des Betreuungsnetzes "Lebensqualität für Generationen" das Modul "PflegeFlex". Dabei stehen seit Mitte 2015 im BRK-Seniorenhaus Kronach fünf zusätzliche flexible Plätze ausschließlich für Kurzzeitpflege-Patienten zur Verfügung. "Das Konzept schließt eine Versorgungslücke, die bei Vollauslastung der Heimplätze in unserer Region bei akut auftretenden Fällen auftreten kann. Man schafft damit eine ,atmende" Betreuungsantwort auf einen wachsenden Bedarf', erklärte BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes. Der Kreisverband hat das von ihm ab April 2014 entwickelte Konzept Mitte 2015 gemeinsam mit den Pflegekassen, dem Bezirk und der das Projekt wissenschaftlich begleitenden Wilhelm-Löhe-Hochschule Fürth gestartet. Die Forschung wird durch die Glücksspirale gefördert.
"Es sollte nachgewiesen werden, ob dadurch Pflegebedürftige und deren Angehörige entlastet werden und des Weiteren, ob ein latenter Bedarf nach einem solchen Angebot vorhanden sei", so Prof. Jürgen Zerth von der Hochschule, der am Montag im BRK-Kreisverband Kronach die Projektergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung vorstellte. Beide Fragen ließen sich eindeutig mit "ja" beantworten. Während hier bundesweit die Tendenz rückläufig sei, sei diese im Landkreis ungebrochen hoch. "Die Angehörigen pflegen ihre Familienangehörigen länger als in anderen Regionen", stellte er fest. Pflegeheimplätze würden daher verstärkt akut und kurzfristig angefragt. Dies bestätigte der Leiter des BRK-Seniorenhauses Kronach, Harald Schubert. Ohne "PflegeFlex" hätte man im ersten Projektjahr 88 Bewohnern keinen Kurzzeitpflegeplatz anbieten können. Im zweiten Projektjahr sei die Anzahl der PflegeFlex-Bewohner auf 96 angestiegen. Beierwaltes meinte, im April 2014 habe man sich stetig steigenden "notfallmäßigen Anfragen" gegenüber gesehen. Für die Entwicklung des Projekts habe es starker Partner bedurft, wobei man auch die Politik - namentlich in Person von MdL Jürgen Baumgärtner - mit ins Boot geholt habe. Ihnen allen dankte er.
Der AOK-Fachbereichsleiter Pflege, Olaf Miklis, der auch die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern vertrat, würdigte die "Kreativität" des Kreisverbands. In Kronach schaue man über den Tellerrand. Dem BRK sei es mit zu verdanken, dass sich auch in der Politik viel bewegt habe. In dem Modell "Fix plus x" erhalten Einrichtungen, die sich freiwillig verpflichten, drei feste Plätze für Kurzzeitpflegegäste zu reservieren, verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen bei der Preisbildung.
Damit schaffe man Anreize, solche Kurzzeitplätze anzubieten. Hierfür hätten die Auswertungen von "PflegeFlex" wertvolle Erkenntnisse geliefert. Dem pflichtete der Coburger AOK-Direktor Christian Grebner bei.
Die Problematik sei schon lange bekannt gewesen. Es sei aber der BRK-Kreisverband gewesen, der sie auch angepackt habe. Baumgärtner zeigte sich "außerordentlich stolz" auf das engagierte BRK im Landkreis. Er habe verstanden, dass die Entwicklung bedarfsgerechter regionaler Modellprojekte nur auf Basis fundierter wissenschaftlicher Auswertungen erfolgen könne. Ein großes Ziel von ihm sei die Einrichtung eines Pflegestützpunktes in Kronach im kommenden Jahr. "PflegeFlex" soll 2018 auch im Ludwigsstädter Seniorenhaus etabliert werden. hs
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