LKR Bamberg

Sperrgebiet heißt: Mehraufwand

In Teilen des Landkreises Bamberg gelten seit Ende Februar für die Halter von Rindern, Schafen und Ziegen besondere Vorschriften. Das macht diese Tierhaltung nicht nur schwer, sondern auch richtig teuer.
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Es ist unschwer zu erkennen: Die Schafe von Wanderschäfer Klaus Keupp wollen unbedingt nach draußen. Foto: Barbara Herbst
Es ist unschwer zu erkennen: Die Schafe von Wanderschäfer Klaus Keupp wollen unbedingt nach draußen. Foto: Barbara Herbst

anette Schreiber Das haben sich Anton König und Klaus Keupp lange anhören müssen: Schafe, die ihren Unmut so weit sie können in die Landschaft hinaus blöken. Weil sie es sich eigentlich viel lieber auf der Wanderschaft über Wiesen in die Rhön oder auch in der Region Bamberg schmecken lassen würden. Doch lange, viel länger als sonst, mussten die etwa 1000 Schafe von Keupp und König in Burgebrach beziehungsweise Unterharnsbach im Stall ausharren, bevor sie endlich auf saftige Weiden durften. Ihre Halter haben in der Zwischenzeit auch so richtig saftig gezahlt. Und zwar deshalb, weil Teile des Landkreises Bamberg seit Ende Februar im Zusammenhang mit der so genannten Blauzungenkrankheit im Sperrgebiet liegen, wo besondere Auflagen gelten.

Der FT hat bei Dr. Gabriele Pflaum, Leiterin des Fachbereichs Veterinärwesen am Landratsamt Bamberg, nachgefragt. Doch bevor sie die vielen, teils komplizierten Einzelheiten erklärt, unterstreicht die Amtsveterinärin erst einmal: "Auf Menschen ist diese Krankheit nicht übertragbar und damit keine Gefahr." Die Krankheit wird von Stechmücken übertragen und trifft Wiederkäuer, also Rinder, Schafe und Ziegen. Der Name leitet sich davon ab, dass besonders stark erkrankte Tiere eine blau verfärbte Zunge haben. Immer wieder tritt die Krankheit auf, auch im Landkreis und zwar zuletzt vor etwa zehn Jahren.

Während, so Pflaum, der Verlauf der Krankheit bei Rindern meist eher harmlos ist (sie geben weniger Milch, haben etwas Fieber), manchmal merkt man es nur später bei einer Blutkontrolle, dass sie die Krankheit hatten, trifft es Schafe umso härter: hohes Fieber, Rötung und Schwellung der Kopfschleimhäute, Wassereinlagerung im Kopfbereich, vermehrter Speichelfluss, schmerzhafte Entzündungen im Maulbereich und an den Klauen, aufgewölbter Rücken und eben die bläulich gefärbte Zunge. Auf jeden Fall ist die Blauzungenkrankheit meldepflichtig.

Weil die Krankheit im Februar in Baden-Württemberg festgestellt worden war, wurde ein Sperrbezirk - mit einem Radius von 150 Kilometern - eingerichtet. Und der umfasst in seinen letzten Kilometern auch den südwestlichen Teil des Landkreises. Im Sperrbezirk liegen die Gemeinden Burgebrach, Burgwindheim, Ebrach, Frensdorf, Lisberg, Pommersfelden, Priesendorf, Schlüsselfeld, Stegaurach und Walsdorf.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle in Frankreich und Italien. "Wir sind zum Glück verschont geblieben", so die Chef-Veterinärin. Was hat es nun mit der Lage im Sperrgebiet auf sich? Über die Veröffentlichung des Amtes trat eine Allgemeinverfügung in Kraft. Sie besagt unter anderem, dass die Halter von Rindern, Schafen und Ziegen ihre Bestände, falls sie das nicht bereits getan hatten, beim Veterinäramt melden müssen. Ihnen wurde zudem empfohlen, die Tiere baldmöglichst impfen zu lassen. Allerdings muss jedes Tier zweimal geimpft werden und der Abstand dazwischen beträgt drei Wochen. Im Anschluss an die zweite Impfung muss eigentlich weitere 60 Tage gewartet werden. Nach jeder Impfung ist ein Insektenschutzmittel aufzubringen. Recht aufwändig und bei einer Vielzahl von Tieren entsprechend teuer.

Erklärung genügt

Innerhalb des Sperrgebiet dürfen Tiere in andere Bestände gebracht werden. Dafür muss lediglich eine Tierhaltererklärung ans Veterinäramt geschickt werden. Erklärt wird in so einem Schreiben, dass die Tiere nach Wissen des Halters gesund sind. Womit das Ganze genehmigt ist.

Anders verhält es sich, so Gabriele Pflaum weiter, wenn Rinder, Schafe und Ziegen aus dem Sperrbezirk hinaus kommen sollen.

Das ist nur für Tiere, die direkt zum Schlachthof transportiert werden, einfach. Auch hier genügt die Tierhaltererklärung, die beim Schlachthof bleibt.

Für alles andere sind Impfungen nötig. Alternativ zu Impfungen dürfen Tiere mit negativem Bluttest aus dem Sperrbezirk gebracht werden. "Der Test darf aber nicht älter als sieben Tage sein", so Pflaum.

Die Wanderschäfer haben die Auflagen im Sperrbezirk besonders schwer getroffen. Vor allem, weil Schafe wegen der vorgeschriebenen Zeiten nach dem Impfen insgesamt wesentlich länger im Stall bleiben müssen. Jeder Tag kostet. Die Heuvorräte sind meist aufgebraucht und Heu ist jetzt besonders teuer, weiß Wanderschäfer König.

Eigentlich hätte man nach der zweiten Impfung 60 Tage warten müssen, so König. Doch zum Glück sei dann vom Amt mitgeteilt worden, dass 20 Tage reichen. So konnte sein Kollege die Tiere für viel Geld in die Rhön transportieren lassen und er selbst ist mit seiner Herde inzwischen zur Altenburg gezogen.

Rinderzüchter betroffen

Die Auflagen im Sperrgebiet treffen neben den Wanderschäfern auch die Rinderhalter und -Züchter schwer. Georg Hollfelder aus Litzendorf ist Vorsitzender des Rinderzuchtverbandes Oberfranken, dessen knapp 2000 Mitglieder rund 70 000 Herdbuchkühe halten. Im Moment bedeutet das Sperrgebiet jede Menge Mehraufwand für den Verband: Vor jedem Markt werden die Betriebe angefahren, die Tiere schicken wollen, und Blutproben genommen. 42 Euro kostet das für zehn Tiere.

Für die Impfungen gibt es Zuschüsse, so dass letztlich 1 bis 1,30 Euro Keupp pro Tier anfallen, plus Tierarztkosten. Nach einem Jahr muss erneut, aber nur einmal geimpft werden, macht Hollfelder sich für eine verpflichtende Impfung stark. Wenn es diese überall gäbe "wäre die Seuche in zwei Jahren eliminiert", ist er überzeugt.



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