Ziegelerden
Jubiläum

SPD Ziegelerden blickt mit Festrednerin Inge Aures auf 100 Jahre zurück

Mit einem Festabend in der Gaststätte "Rääbleins" feiert der SPD-Ortsverein Ziegelerden am Samstag, 11. Mai, um 19 Uhr sein 100-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung ist gleichzeitig ein SPD-Kreistreff...
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Inge Aures
Inge Aures

Mit einem Festabend in der Gaststätte "Rääbleins" feiert der SPD-Ortsverein Ziegelerden am Samstag, 11. Mai, um 19 Uhr sein 100-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung ist gleichzeitig ein SPD-Kreistreffen, bei dem Kreisvorsitzender Ralf Pohl auch die Josef-Seelmann-Medaille, die einmal pro Jahr an verdiente Sozialdemokraten im Landkreis verliehen wird, überreichen wird. Nicht nur SPD-Mitglieder, sondern auch Gäste aus dem Ort sind herzlich zu der Veranstaltung willkommen.

Festrednerin beim Jubiläum ist die Landtagsabgeordnete und ehemalige Vizepräsidentin des Landtags, Inge Aures aus Kulmbach, die in Kronach schon viele mitreißende Reden gehalten. SPD-Stadtverbandsvorsitzender und Ortsvereinsmitglied Ralf Völkl wird einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte halten.

Vorsitzender Reinhard Graf ist der dienstälteste Vorsitzende eines SPD-Vereins im Landkreis und steht seit 38 Jahren an der Spitze der Ziegelerdener SPD. Der Musikverein Ziegelerden unter der Leitung von Karl Schneider wird den Festabend musikalisch ausgestalten.

Der SPD-Ortsverein Ziegelerden kann auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Er prägte die Gemeinde auf dem Haßlacher Berg entscheidend mit, weil er nach seiner Gründung - nur mit kurzer Unterbrechung Mitte der 20er Jahre sowie während der Nazi-Zeit - bis zur Eingemeindung in die Stadt Kronach 1972 durchgehend die Bürgermeister in Ziegelerden stellte. Erste Anfänge der organisierten Arbeiterbewegung gab es in der Gemeinde Ziegelerden im Jahre 1912, als ein Arbeiterturnverein Ziegelerden ins Leben gerufen wurde. In den nachfolgenden Jahren entstand eine Gemeinschaft, die sich am 19. März 1919 zur Gründung eines SPD-Ortsvereins entschloss. Nur wenige Monate später konnte der erste Wahlsieg errungen werden. Am 5. Juli 1919 wurde der Sozialdemokrat Johann Stalph zum 1. Bürgermeister der 400 Einwohner zählenden Gemeinde Ziegelerden gewählt.

Schwere Stunden standen Bürgermeister Stalph nach den Wirrnissen der Nachkriegszeit bevor: Inflation, Hunger, Arbeitslosigkeit. Obwohl diese Probleme überall im Land existierten, nutzte die Bayerische Volkspartei die schlechte Lage, so dass ihr Kandidat Johann Hopf 1925 Bürgermeister wurde. Dieser wurde jedoch zwei Jahre später seines Amtes enthoben. So konnte die SPD 1928 mit Alwin Sauerbrei das Bürgermeisteramt zurückgewinnen. Dieses Wahlergebnis versetzte den bürgerlichen Parteien einen derartigen Schock, dass nichts unterlassen wurde, die Wahl anzufechten. Der Streit ging bis zum Verwaltungsgerichtshof nach Bayreuth. Aber Alwin Sauerbrei blieb Bürgermeister, wurde in der Wahl am 5. März 1932 bestätigt.

Mutiger Polizeikommissar

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde auch in Ziegelerden Bürgermeister Sauerbrei mit seinen Gemeinderäten des Amtes enthoben. Die Partei, der Arbeitergesangverein, der Arbeiterturn- und Sportverein wurden aufgelöst und verboten, das Inventar beschlagnahmt und die vorhandenen Aufzeichnungen und das Liedermaterial verbrannt. Polizeikommissar Blatsch, der damals die Vereinsfahne des Arbeitergesangvereins beschlagnahmte, nahm diese aber trotz Verbots mit nach Hause, bewahrte sie auf und gab sie 1945 an den Arbeitergesangverein zurück - eine mutige Tat.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg rafften sich erneut Männer in Ziegelerden auf und gründeten am 18. November 1945 einen SPD-Ortsverein. Seit 1945 amtierten nur SPD-Bürgermeister in Ziegelerden. Mitte 1945 wurde der Sozialdemokrat Michael Thron kommissarisch von der Militärregierung eingesetzt. 1946 wurde er in der Wahl bestätigt - mit sechs SPD-Gemeinderäten. Michael Thron verstarb 1948 und darauf hin wurde Johann Schramm mit fünf SPD-Gemeinderäten gewählt. In den Wahlen 1952, 1956, 1960 und 1966 wurde er bestätigt und führte die Amtsgeschäfte bis 1970. Danach wurde Karl Pfromm als Bürgermeister gewählt und wirkte bis zur Eingemeindung in die Stadt Kronach 1972. Gemeinderäte der SPD in der Nachkriegszeit waren beispielsweise Hans Dütsch, Johann Graf, Konrad Schramm, Georg Biesenecker, Georg Schramm, Andreas Gerner, Hans Graf, Hans Sauerbrei, Reinhold Bittruf, Martin Stalph, Wilhelm Zeis, Georg Zeis und Herrmann Kräußling. In diese Zeit fiel die erfolgreiche Durchführung von Projekten wie dem Wasserleitungsbau mit Hochbehälter, Bau der Kanalisation, Bau der Ortsdurchfahrt und der Ortsverbindungsstraße nach Gehülz sowie Errichtung von Gemeindekanzlei mit Feuerwehrhaus, Schulhausanbau und Erschließung von Baugelände.

Ab Mitte der 70er Jahre nahmen die Frauen im Verein eine bedeutende Rolle ein. Unter der Vorsitzenden Kathy Kalb gründete sich eine eigene Frauengruppe, der in den folgenden Jahren bis zu 25 Frauen angehörten und die bis heute aktiv ist.

Auch in der Stadt Kronach war der SPD-Ortsverein Ziegelerden kommunalpolitisch erfolgreich. So stellte er mit Karl Pfromm (1972-1976) und Baptist Deuerling (1978 bis 1984) Stadtratsmitglieder. Seit 1996 gehört Ralf Völkl dem Stadtrat und seit 2008 dem Kreistag an und ist auch SPD-Fraktionsvorsitzender und seit 1996 Stadtverbandsvorsitzender der Kronacher SPD. Von 2008 bis 2012 stellte der Verein mit Matthias Horner sogar einen zweiten Stadtrat. vz

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