Coburg

SPD-Vorsitzende würdigen das Engagement Franz Klinglers

Am 1. Juli 1920 trat der Freistaat Coburg dem Freistaat Bayern bei. Per Volksabstimmung hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür ausgesprochen und gegen Thüringen entschieden. SPD-Stadtvereinsvor...
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Franz Klingler (Sozialdemokrat) war zusammen mit Ministerialdirektor Dr. Ernst Fritsch Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen-Coburg bei den Staatsvertragsverhandlungen.  Repro: D. Seyfarth
Franz Klingler (Sozialdemokrat) war zusammen mit Ministerialdirektor Dr. Ernst Fritsch Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen-Coburg bei den Staatsvertragsverhandlungen. Repro: D. Seyfarth

Am 1. Juli 1920 trat der Freistaat Coburg dem Freistaat Bayern bei. Per Volksabstimmung hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür ausgesprochen und gegen Thüringen entschieden. SPD-Stadtvereinsvorsitzender Stefan Sauerteig und SPD-Kreisvorsitzender Carsten Höllein begrüßen das Ansinnen von Stadt und Landkreis Coburg, dies würdig zu feiern. Es seien maßgeblich Sozialdemokraten gewesen, die am Beitritt Coburgs zu Bayern mitgewirkt haben. Der Staatsvertrag mit den Errungenschaften für die Stadt Coburg und weit darüber hinaus, zum Beispiel das Landestheater oder das Staatsarchiv, trage die Unterschrift von Staatsrat Franz Klingler (SPD) für das Coburger Land auf der einen Seite und Johannes Hoffmann (SPD) als Ministerpräsident auf bayerischer Seite. Gerade dem Einsatz Klinglers sei es zu verdanken, dass sich die Coburger mehrheitlich für Bayern aussprachen. Was für eine richtungsweisende Entscheidung mit Folgen: Bei der Festlegung der Besatzungszonen 1945/46 wäre die Grenze wohl anders verlaufen. Große Teile des heutigen Coburger Landes hätten dann vermutlich zum Staatsgebiet der DDR gehört. "Wir gehen deshalb davon aus, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Stadt und Landkreis Coburg gerade die großen Verdienste von Franz Klingler für unsere Region entsprechend würdigen", machen Sauerteig und Höllein deutlich. Klingers Engagement für Bayern sei auch in der SPD unumstritten. "Er hat sich nicht irre machen lassen und an seiner Überzeugung festgehalten", betont Sauerteig. In zahlreichen Versammlungen habe Klingler die SPD-Anhängerschaft überzeugt und damit das Blatt gewendet. Höllein nennt wichtige Meilensteine in der Entwicklung der Region: Herzog Carl Eduard hatte mit seinem Rücktritt am 14. November 1918 den Weg frei gemacht für den Freistaat Coburg und die Abschaffung der Monarchie. Es folgte die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung mit dem allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahlrecht. Das Frauenwahlrecht führte die Regierung unter sozialdemokratischer Führung ein. "Für uns ist das demokratische Erbe wichtig, es gilt, es zu pflegen und zu würdigen, gerade in der heutigen Zeit", heben Sauerteig und Höllein hervor. Die Entwicklung Coburgs mit der frühen Zuwendung zum Nationalsozialismus belege, welchen Stellenwert der Einsatz für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit habe.

Franz Klingler musste am eigenen Leib verspüren, was passiert, wenn ein Staat seine Bürger nicht mehr schützt und Andersdenkende verfolgt: Mehrmals wurde der Sozialdemokrat von seinen NS-Gegnern überfallen und geschlagen. Er starb am 15. Juli 1933, die Standhaftigkeit der Ärzte hatte verhindert, dass die Nazis seiner im Krankenhaus habhaft wurden. Stattdessen verhafteten die NS-Schergen seinen Sohn Otto.

Sein Beispiel mahne, klar allen braunen Umtrieben die Stirn zu bieten. "Wir als SPD bleiben das Bollwerk für Demokratie in der Region", so Sauerteig und Höllein. Eine Bronzetafel im Rathaus und die Benennung einer Straße würdigen heute bereits das Wirken Klingers. "Wir könnten uns auch ein Denkmal an exponierter Stelle im Coburger Land vorstellen, um die Anerkennung nach außen sichtbar zu machen." red

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