Sozialstiftung: "Wir stehen dafür grade"

Als erster Zeuge in dem Mammutverfahren erläuterte der Anwalt der Sozialstiftung Bamberg, weshalb das Haus an jede der zwölf im Klinikum betroffenen Frauen 15 000 Euro als Ausgleichszahlung überwiesen hat.
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Der Anklagte Heinz W. an einem der früheren Verhandlungstage im Gerichtssaal  Foto: Nicolas Armer/dpa
Der Anklagte Heinz W. an einem der früheren Verhandlungstage im Gerichtssaal Foto: Nicolas Armer/dpa
Gertrud Glössner-Möschk

Im Verfahren gegen den ehemaligen Chefarzt Heinz W., der sich seit April wegen mehrfacher Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht verantworten muss, wurden die ersten Zeugen gehört.
Bei der Vernehmung des Anwalts der Sozialstiftung ging es vor allem um die Frage, weshalb die Einrichtung noch vor Prozess-Beginn Ausgleichszahlungen von 15 000 Euro pro potenziellem Opfer geleistet hat. Der Träger des Klinikums habe eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmern und den Patienten, sagte der Anwalt. "Wer sich an uns wendet, wird von uns beschützt." Mit den Zahlungen seien alle Ansprüche gegen die Sozialstiftung abgegolten, nicht aber mögliche weitere gegen Heinz W.


Gesundheitlich beeinträchtigt

Der bloße Anschein, dass in der Gefäßmedizin etwas aus dem Ruder gelaufen sein könnte, habe zu dieser Entscheidung geführt. Es sei ein Vorsatzdelikt im Raum gestanden und die Stiftung habe "zum Ausdruck bringen wollen, dass sie die Damen nicht im Regen stehen" lasse.
Ohne die Unschuldsvermutung für den ehemaligen Chefarzt anzutasten, sei schon damals klar gewesen, dass die betroffenen Frauen einen Vertrauensbruch erlebt hätten. Die Frage, ob hinter den Zahlungen so kurz vor Prozessbeginn eine Taktik stehe, verneinte der Anwalt: "Das ist völlig ausgeschlossen." Schon im Oktober 2014 hätten die Verhandlungen mit allen Beteiligten begonnen. Bis alle Vereinbarungen unter Dach und Fach gewesen seien, habe es einige Monate gedauert. Natürlich sei es auch um die Reputation des Klinikums gegangen.
W.s Chefsekretärin, die das Verhältnis zu ihrem früheren Vorgesetzten mit den Worten "er war halt mein Chef" und "Waffenstillstand" beschrieb, hat bei von den Heinz W. zur Last liegenden verbrecherischen Handlungen, begangen an zehn Patientinnen und zwei Mitarbeiterinnen, nichts mitbekommen.
Anders als die Chefsekretärin schilderte eine als Zeugin vernommene Arzthelferin ihr Verhältnis zu Heinz W. als sehr gut. Sie sei nie dabei gewesen, wenn der Chef am Abend noch Patientinnen untersuchte. Wahrscheinlich hätte sie sich gewundert, dass diese nackt auf der Pritsche liegen mussten. Üblicherweise, so die Zeugin, behalten die Patienten bei der Ultraschalluntersuchung der Beckenvenen ihre Unterhosen an. Allenfalls seitlich werde die Sonde seitlich ein Stück unter die Hose geschoben.
Von der Methode der Endosonographie in der Scheide zur Diagnose von Gefäßerkrankungen habe sie noch nie etwas gehört und es gebe in den Behandlungsräumen der Gefäßchirurgie auch kein Gerät mit einer entsprechenden Sonde.
Bestätigt wurde die Aussage durch den Leiter der Medizintechnik am Klinikum sowie den Vertreter der Firma General Electric (GE). Der GE-Vertreter schloss außerdem aus, dass die Gabe von Kontrastmitteln - wie von Heinz W. in seiner Einlassung behauptet - bei der Ultraschalluntersuchung irgendeinen Sinn gemacht habe.
Heinz W. hatte in seiner eigenen Vernehmung mehrfach ausgesagt, Kontrastmittel zur besseren Darstellung verabreicht zu haben, dazu aber niemals das Betäubungsmittel Midazolam. Dieses jedoch ist bei einer der jungen Frauen zweifelsfrei im Blut nachgewiesen worden.
In den Zeugenstand gerufen wurde gestern noch der Ermittlungsrichter, der W. nach seiner Festnahme zwei Mal vernommen hatte. Er sagte aus, dass der ehemalige Chefarzt einen sexuellen Hintergrund für die von ihm gefertigten Bilder und Videos vehement verneint habe.


Frage zu "Eigenversuch"

Bei der Frage des Vorsitzenden Richters Manfred Schmidt an den Kollegen im Zeugenstand, ob es bei W. einen "Eigenversuch" zu den Untersuchungen gegeben habe - Schmidt spielte auf einschlägiges Bildmaterial mit Butt-Plugs an - , ging Verteidiger Dieter Widmann dazwischen: Er und sein Mandant ließen die Frage nicht zu, weil sie nichts mit der Sache zu tun habe.
Leitender Staatsanwalt Bernd Lieb wollte die Antwort trotzdem hören und schlug vor, sie dem Ermittlungsrichter unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu stellen. Der Ermittlungsrichter muss nun noch einmal vor der Kammer erscheinen, um in nichtöffentlicher Sitzung auszusagen. Am nächsten Dienstag wird weiterverhandelt.
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