Herzogenaurach

Sorge um Zinsen

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse berichtete im Herzogenauracher Stadtrat über aktuelle Entwicklungen. Das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut sieht "verhaltenen Optimismus".
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Bernhard Panzer Mit rund 900 Mitarbeitern zählt die Sparkasse zu den wichtigen Arbeitgebern in der Region und von ihren sechs Millionen Euro Gewerbesteuer profitieren die Kommunen. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, der unlängst im Herzogenauracher Stadtrat erstattet wurde. Johannes von Hebel, Vorstandsvorsitzender der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach, war bereits zum vierten Mal zu Gast im Herzogenauracher Stadtparlament, um einen Rückblick auf die Zahlen und Entwicklungen des vergangenen Jahres sowie einen Ausblick in die Zukunft zu geben.

Die Größe hilft

Der Direktor blickt mit "verhaltenem Optimismus" in die kommenden Jahre, wie er feststellte. In einer für das Bankgeschäft eher düsteren Zeit schlage sich die Sparkasse noch ganz gut. Seine Größe helfe dem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut bei der Bewältigung der Kosten, sagte von Hebel. Dennoch werde man einen Teil der Belastung wohl künftig an die Kunden weitergeben müssen.

Das Problem seien durch die Zinsentwicklung weiterhin rückläufige Ergebnisse. Man habe nicht zu wenig Kreditgeschäft, sagte der Experte, sondern zu viel Einlagengeschäft. Da sei eine positive Rendite nicht möglich.

4300 Einwohner pro Filiale

Die Kundeneinlagen seien im vergangenen Jahr und auch im ersten Halbjahr 2019 erneut gestiegen. "Der Zuwachs bei Privatkunden", so von Hebel, "hält unvermindert an." Einerseits sei Zuwachs positiv, andererseits belaste das aber auch die Ertragslage. Einen Satz vor wenigen Jahren würde er heute nicht mehr wiederholen, sagte der Bankchef. Da habe er gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass an die Privatkunden Minuszinsen abgegeben werden. Die Zinsentwicklung, seit 2006 rückläufig, werde auch weiterhin ein wichtiger Faktor bleiben.

Johannes von Hebel ging auch auf den Strukturwandel im Bankenwesen ein. Seit 2007 gebe es ein Fünftel weniger Banken und ein Viertel weniger Geschäftsstellen. Bei den Sparkassen in Bayern sei das anders, sie seien trotzdem noch sehr breit in der Fläche vertreten. Und bei der hiesigen Sparkasse könne man noch etwa 4300 Einwohner je Geschäftsstelle verzeichnen.

Freilich erfolge ein Großteil der Kundenkontakte inzwischen online, die Filialen verlören an Bedeutung. Durchschnittlich begebe sich jeder Kunde nur ein- bis zweimal im Jahr in eine Geschäftsstelle. Trotzdem lege man gerade auf die Filialen Wert. "Die Nähe zum Kunden und großes Kundenvertrauen sind unsere Stärke", sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Kunden wollen beides nutzen und nicht nur digital unterwegs sein. Deshalb werde der Beratungsaspekt in den Filialen an Bedeutung gewinnen.

Von Hebel verwies auch auf das soziale Engagement der Sparkasse. 1,65 Millionen Euro habe man 2018 an Einrichtungen für gemeinnützige Zwecke verteilt. Zudem habe man eine Aktion mit Bienenstöcken gestartet. "180 000 neue Mitarbeiter haben bei uns angefangen", scherzte der Referent.

Direktor mit Instagramm

In der Debatte fragte Konrad Körner ("Sie sind vermutlich der einzige Sparkassendirektor mit Instagramm") nach der digitalen Entwicklung und Frank Gäbelein (ebenfalls CSU) wies darauf hin, dass andere Institute ein kostenloses Girokonto anbieten. Solche "Distanzbanken" hätten aber auch eine andere Kostenstruktur, sagte von Hebel. Aber die Sparkasse habe die Beratung, und die sei den Kunden ihren Preis wert. Laut Bericht habe man nur 0,01 Prozent Kündigungen gehabt.

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