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Kirche

Sonntagsruhe - "ein Stachel im Fleisch"

Die spannende Frage "Sonntag zwischen Kirche und Kommerz - wo bewegen wir uns hin?" stand im Mittelpunkt der jährlich stattfindenden ökumenischen Konferenz. Auf Einladung von Detlef Pötzl und Kristine...
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Machten sich für die "Allianz für den freien Sonntag" stark (von links): die stellvertretenden Dekane Sven Raube und Kristina Wachter, die Pastoralreferenten Eckhard Schneider, Manfred Böhm und Sarah-Maria Röck-Damschen sowie Dekan Detlef Pötzl.
Machten sich für die "Allianz für den freien Sonntag" stark (von links): die stellvertretenden Dekane Sven Raube und Kristina Wachter, die Pastoralreferenten Eckhard Schneider, Manfred Böhm und Sarah-Maria Röck-Damschen sowie Dekan Detlef Pötzl.

Die spannende Frage "Sonntag zwischen Kirche und Kommerz - wo bewegen wir uns hin?" stand im Mittelpunkt der jährlich stattfindenden ökumenischen Konferenz. Auf Einladung von Detlef Pötzl und Kristine Wachter trafen sich die Mitglieder der katholischen Pastoralkonferenz im Dekanat Kronach und die Mitglieder des evangelischen Pfarrkapitels im Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigsstadt diesmal in der Pfarrei St.Wolfgang in Stockheim.

Betriebsseelsorger Eckhard-Joey Schneider hatte das Treffen vorbereitet und übernahm auch die Moderation. Zwei Impulsvorträge führten in das Thema ein. Pastoralreferentin Sarah-Maria Röck-Damschen beleuchtete dabei den in Artikel 140 des Grundgesetzes festgelegten staatlichen Sonntagsschutz mit all seinen Facetten.

Mehr als ein gesetzliches Verbot

Dabei gehe es nicht nur um ein gesetzliches Verbot, vielmehr müsse der Sonntagsschutz als verbindlicher Ordnungsrahmen für den kollektiven Zeit- und Lebensrhythmus gesehen werden. Der Sonntag habe eine gemeinschaftsstiftende und sozialintegrative Funktion, er sei somit ein kultureller Wert mit Identitätsmerkmal, so Röck-Damschen.

Im Statement von Manfred Böhm, dem Leiter der Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamberg, ging es um den biblisch-sozialethischen Aspekt des Sonntags. Das alttestamentliche Sabbatgebot erinnere an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft und beinhalte damit eine systemkritische Dimension. Heute müsse die Sonntagsruhe als "Stachel im Fleisch" einer Gesellschaft gesehen werden, die den Gott des Mammon auf ihren Altar gehoben habe. Alles habe rund um die Uhr den Verwertungsansprüchen des Kapitals zu dienen. Dies mache atemlos und krank und lasse keine Zeit zum Nachdenken und Innehalten .

"Wer den Sonntag nicht ehrt ..."

Im dritten Teil richtete Eckhard-Joey Schneider den Blick auf den "verkaufsoffenen Sonntag" in vielen Städten und Gemeinden. Das Plakat "Wer den Sonntag nicht ehrt, ist unserer Stimme nicht wert" könne einen Denkanstoß für die bevorstehende Kommunalwahl geben. Am Beispiel der gewonnenen Klage der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und der Gewerkschaft Verdi gegen die Sonntagsverordnung der Stadt Hallstadt werde deutlich, dass die meisten Sonntagsverordnungen der Kommunen nicht rechtmäßig sein dürften. Ein bloßes wirtschaftliches Interesse genüge grundsätzlich nicht, um Ausnahmen vom Sonntagsschutz zu rechtfertigen, so Schneider.

Die angeregte Diskussion brachte zum Vorschein, dass Kirchen bei dem Thema gerne übergangen werden, weil sie als Spaßbremsen oder Totalverweigerer gelten, wenn sie sich gegen Sonntagsöffnungen aussprechen. Doch nicht nur für Christen sei der Sonntag eine heilsame Unterbrechung. Er müsse vielmehr als wichtiges Kulturelement gestärkt werden. red

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