Bad Kissingen
Interview

So wurde das Projekt Wasserspender erfolgreich realisiert

Manchmal werden der Öffentlichkeit große Projekte vorgestellt, ohne dass das Ausmaß und das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten deutlich wird, dank deren Einsatz aus einer Idee ein fassbarer Gege...
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Der neue Wasserspender in Bad Kissingen  Foto: Björn Hein
Der neue Wasserspender in Bad Kissingen Foto: Björn Hein
Manchmal werden der Öffentlichkeit große Projekte vorgestellt, ohne dass das Ausmaß und das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten deutlich wird, dank deren Einsatz aus einer Idee ein fassbarer Gegenstand werden kann. So war es auch beim Wasserspender, der im Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Wie aufwendig die Realisierung eines solchen Projekts ist, darüber gibt Marco Vedder vom Elternbeirat des Jack-Steinberger-Gymnasiums in Bad Kissingen Auskunft.

Herr Vedder, woher kam eigentlich der Anstoß zur Anschaffung eines Wasserspenders? Gibt es so etwas auch schon in anderen Schulen?
Viele umliegenden Schulen haben mittlerweile einen Wasserspender. Und oft waren es die Elternbeiräte, die die Anschaffung initiiert haben - so auch hier an unserem Gymnasium.

Wie standen die an der Schule Verantwortlichen dazu?
Das Thema Gesundheit ist uns an der Schule schon immer ein Anliegen. Vor drei Jahren hat der Elternbeirat unter Beteiligung von Schulleitung, Lehrern, Schülern, Eltern, der Schulpsychologin, einem Arzt und einem Streetworker einen "Runden Tisch Gesundheit" organisiert. Die Schulleitung erklärte Gesundheit zu einem der Schulentwicklungsziele. Während des letzten Schuljahres wurde die Mittagsverpflegung durch ein Essensgremium mit Hilfe einer externen Beratung neu gestaltet. In diesem Prozess hat der Elternbeirat vorgeschlagen, auch die Versorgung der Schüler mit Trinkwasser durch die Bereitstellung eines Wasserspenders attraktiver zu machen.

Gab es Umfragen, mit denen die Resonanz der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern abgefragt wurden? Wie standen die Lehrer zu dem Projekt?
Im März 2017 führte der Elternbeirat eine breit angelegte Online-Umfrage durch, um zu diesem Projekt ein möglichst realistisches Meinungsbild der Schulgemeinschaft einzuholen. Innerhalb von 14 Tagen gaben fast 500 Schüler, Eltern und Lehrer ihre Meinung ab. Das Ergebnis: 90 Prozent standen dem Projekt positiv gegenüber, fünf Prozent fanden es überflüssig, und der Rest war unschlüssig. Damit war klar, dass der Wasserspender eindeutig gewünscht war!

Gibt es für die Anschaffung solcher außerplanmäßiger Dinge ein Budget, an dem sich der Schulträger beteiligt?
Das Landratsamt als Schulträger hat, als das Projekt einmal angelaufen war, anstandslos und zügig die notwendigen baulichen Maßnahmen zur Bereitstellung der nötigen Wasseranschlüsse durchgeführt. Für die Anschaffung des Wasserspenders an sich musste das Geld jedoch woanders herkommen.

Wie kam man an Spender für das Projekt? Welche Ideen hatte man?
Die erste Idee war, eine Crowd-Funding-Methode auszuprobieren. Davon kam man jedoch wieder ab, die Mitglieder des Elternbeirats warben zuerst im persönlichen Umfeld und bei hiesigen Firmen um Spenden. Relativ zügig trafen die ersten finanziellen Beiträge von dem Labor L&S, vom Institut Dr. Nuss und von der Saaleradiologie ein. In den folgenden Monaten haben sich dann noch die Bad Kissinger Stadtwerke als hiesiger regionaler Wasserversorger für das Projekt gewinnen lassen. Mit ihrer großzügigen Unterstützung konnte der Wasserspender dann bestellt werden. Die Eltern hatten bereits im November über eine Elternspende ihren Beitrag zu den Betriebskosten des Gerätes geleistet. Denn der Wasserspender muss auch gewartet und die CO2 -Flaschen müssen erneuert werden.

Wann wurde das Projekt angestoßen, und wie lange hat es gedauert, bis es umgesetzt werden konnte?
Der Elternbeirat brachte seinen Vorschlag Anfang Februar 2017 in das Essensgremium ein, wo er auf Zustimmung stieß. Fünf Wochen später lief die Online-Umfrage. Im Oktober waren dann die Spenden da bzw. zugesagt. Aber bis alles unter den verschiedenen Akteuren geklärt und gemeinsam umgesetzt war, wurde es schlussendlich April.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Wer war alles an diesem Projekt beteiligt?
Das waren neben dem Elternbeirat die sehr kooperative Schulleitung, drei kleinere und ein großer Spender, dessen Werbeagentur, die Eltern, das Landratsamt, die Hausmeister, die Initiative Durstspiegel.de und die Lieferfirmen von Wasserspender und Gasflaschen.

Für uns ist es heute ja selbstverständlich, sauberes Trinkwasser zu haben. Wissen Sie, wie das in anderen Ländern ist?
Die WHO berichtete Mitte 2017, dass drei von zehn Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser auf ihrem Grundstück haben. Über 350 000 Kinder sterben infolge dieser Umstände jedes Jahr an Durchfallerkrankungen. Ich habe jahrelang im Kongo und in Sambia gelebt und unter anderem im Bereich der öffentlichen Gesundheit gearbeitet. Dort dreht sich sehr viel im Leben um die Wasserversorgung. Und wir hier haben es frei und überall verfügbar - wir sind wirklich privilegiert. Das sollten wir nutzen!

Das Gespräch führte Björn Hein.
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