Maroldsweisach

So wird Inklusion gelebt

Beim "Projekt Behinderung" mit behinderten Menschen und Präparanden aus Maroldsweisach sollte klar werden, dass es Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen gibt.
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Eifrig ordneten die Präparanden Aussagen den Personen zu, von denen sie glaubten, dass es für diese zutrifft.  Foto: Helmut Will
Eifrig ordneten die Präparanden Aussagen den Personen zu, von denen sie glaubten, dass es für diese zutrifft. Foto: Helmut Will

Bereits zum zweiten Mal trafen sich Präparanden der evangelischen Kirchengemeinde Maroldsweisach und Menschen mit Behinderung, die in den Werkstätten für angepasste Arbeit (Wefa) der Diakonie Coburg in Seßlach beschäftigt sind, im Gemeindehaus "Arche" in Maroldsweisach.

Pfarrer Martin Popp-Posekardt hieß seine Präparanden und die Gäste aus Seßlach mit Diplomheilpädagogin Nadine Lindner vom begleitenden Dienst willkommen. "Wir wollen zusammen überlegen und erarbeiten, was es heißt, behindert zu sein, um Einblick in die Probleme behinderter Menschen zu bekommen und um Verständnis für deren Probleme zu erlangen", sagte der Pfarrer. Weiter stellte er fest: "Behinderte Menschen leben in unserer Gesellschaft, sie gehören ganz selbstverständlich dazu."

Fünf Menschen mit verschiedensten Behinderungen waren von der Wefa nach Maroldsweisach gekommen, um sich den Präparanden vorzustellen. Schon in der Vorstellungsrunde war in den Gesichtern der Präparanden zu lesen, dass diese über manches, was sie hörten, überrascht waren.

Die Initiative übernahmen die Besucher der Wefa. Sie stellten Fragen an die Jugendlichen: Wer kennt jemanden mit Behinderung? Was ist der Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Behinderung? Welche Behinderungsarten kennt ihr? Welche Schwierigkeiten treffen Menschen mit Behinderung an? Zur ersten Frage wurde deutlich, dass die meisten der Präparanden Menschen mit Behinderungen kennen, bei den Behinderungsarten waren das schon weniger. Einige Schwierigkeiten, denen sich Behinderte ausgesetzt sehen, so das Problem von Barrieren im Alltag, wurden gemeinsam erarbeitet und später auch noch praxisnah dargestellt.

Die Behinderten selbst gaben dann zusammen mit Pfarrer Popp-Posekardt und Heilpädagogin Linder Erläuterungen. Bemerkenswert die Antwort eines Präparanden: "Mein Cousin ist geistig behindert, aber das ist für mich schon lange ganz normal."

Offen über Behinderung sprechen

Bemerkenswert war, wie offen die behinderten Menschen über ihre Krankheiten und Behinderungen sprachen. So erzählte eine Frau, dass sie durch die Trennung von ihrem Mann und Mobbing psychisch krank wurde. Ihre "Leidensgeschichte" beeindruckte die Jugendlichen sichtlich.

Sehr interessant war auch ein "Bilderrätsel". Es lagen auf einem Tisch Fotos von den teilnehmenden behinderten Menschen aus, dazu gedruckte Aussagen. "Seht euch die Zettel mit den Aussagen an und versucht, diese den Menschen zuzuordnen, von denen ihr meint, dass sie zu ihnen passen", forderte Lindner auf.

Zaghaft gingen die Präparanden ans Werk, nahmen Aussagen in die Hand, blickten dabei in die Gesichter der Personen, um dann die Aussagen zuzuordnen. Zum größten Teil lagen sie dabei richtig. Im Anschluss daran sprachen die behinderten Menschen offen über sich selbst, was sie im Laufe ihres Lebens erlebten, mit was sie konfrontiert wurden, was ihnen wehgetan oder was sie gefreut hat. Die Präparanden hatten dann Gelegenheit, an jeden der Behinderten Fragen zu stellen.

Dabei wurde deutlich, dass sich manche Behinderte, vor allem in ihrer Kindheit und Jugendzeit, ausgenutzt und bevormundet fühlten, andere aber wieder positive Eindrücke von ihrem persönlichen Umfeld hatten, sich angenommen und integriert fühlen. Es war zu hören, dass manche in den örtlichen Feuerwehren ihres Wohnortes dabei sind, in Kapellen mitspielen und auf Verständnis für ihre Behinderung stoßen. Besonders wichtig sei es Menschen mit Behinderung, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu zählt auch eine eigene Wohnung.

Selbst im Rollstuhl sitzen

Nach viel Theorie ging es an die Praxis. So konnten die Präparanden mit Rollstühlen fahren, um am eigenen Leib festzustellen, welche Probleme es mit sich bringt, in einem Rolli zu sitzen. Da gab es gleich Schwierigkeiten, eine Tür zu öffnen oder kleinere Barrieren zu überwinden. Angesprochen und ausprobiert wurde auch das Erfühlen von Geld, oder Zubereitung von Speisen und Getränken mit Sehbehinderung oder bei Blindheit. Auch vor welchen Problemen Behinderte stehen, die zum Beispiel eine halbseitige Lähmung haben, wenn sie ein Kleidungsstück anziehen, wurde praktisch geübt.

Am Ende wurde ein gemeinsames Resümee gezogen, was durchaus positiv ausfiel. Nadine Lindner freute sich und sagte: "Ich denke, da ist einiges rübergekommen zum Nutzen beider Seiten, es war Interesse da und es ist einfach wichtig, dass man sich mit dem Thema beschäftigt."



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