LKR Haßberge

So kriminell ist der Landkreis

Die Polizeiinspektionen Haßfurt und Ebern berichten über die Kriminalitätsentwicklung im Jahr 2018 im Landkreis Haßberge. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Polizei weniger Straftaten registriert.
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Einbruchsspuren am gesicherten Außenbereich eines Handyladens in Ebelsbach: Hier waren Täter über mehrere Jahre hinweg regelmäßig am Werk - zuletzt war dort im Dezember 2018 eingebrochen worden, insgesamt acht Mal seit 2016. Foto: Eckehard Kiesewetter/Archiv
Einbruchsspuren am gesicherten Außenbereich eines Handyladens in Ebelsbach: Hier waren Täter über mehrere Jahre hinweg regelmäßig am Werk - zuletzt war dort im Dezember 2018 eingebrochen worden, insgesamt acht Mal seit 2016. Foto: Eckehard Kiesewetter/Archiv

Andreas Lösch Wie kriminell ist der Landkreis Haßberge? Die Polizeiinspektionen (PI) Haßfurt und Ebern haben im vergangenen Jahr insgesamt 2491 Straftaten statistisch erfasst, darunter Delikte wie Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Körperverletzung, Rauschgiftkriminalität (Besitz von und Handel mit Betäubungsmitteln) oder Sachbeschädigung. Die tatsächliche Zahl der Straftaten liegt freilich höher; zahlreiche Delikte werden begangen, ohne dass die Polizei sie registriert, da die Taten zum Beispiel nicht angezeigt oder von den Beamten nicht bemerkt werden - sie können trotz ihres ganzjährigen Rund-um-die-Uhr-Einsatzes eben nicht überall sein.

Unter dem Radar

Dennoch kommt die Polizei zahlreichen Tätern auf die Spur, die Aufklärungsquote aller erfassten Straftaten im Kreis Haßberge im Jahr 2018 liegt bei 75 Prozent (Vorjahr: 69,7), bei Delikten wie Körperverletzung, Warenbetrug, Nötigung und Rauschgiftkriminalität liegt die Quote bei 93,5 Prozent und höher. Vor allem auch mit Blick auf Straftaten, die von der Polizei unbemerkt bleiben, wollen die Beamten vermitteln, dass sie wachsam sind und bleiben, getreu dem Motto: Erwischen wir dich heut' nicht, erwischen wir dich morgen. Je häufiger nämlich jemand das Gesetz bricht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwann auf dem Schirm der Polizei auftaucht.

Diebe mit guten Karten

Außer vielleicht, er ist Fahrraddieb. Denn hier liegt die Aufklärungsquote etwa im Bereich der PI Haßfurt bei nur 17,9 Prozent im Jahr 2018, im Vorjahr bei gar nur 7,1 Prozent. Überhaupt, Diebe haben dieser Tage gute Chancen, ihren Lebensunterhalt weiter unbescholten illegal zu verdienen: Die PI Ebern nennt für den Bereich "Diebstahl an/aus Kfz" eine Aufklärungsquote von 20 Prozent im Jahr 2018, im Vorjahr lag die Quote sogar bei null Prozent. Die Gründe hierfür sind gemäß Schilderungen der Polizei, dass die Täter meist im Schutz der Dunkelheit zu später Stunde (weniger Sicht, weniger Zeugen) agieren und zudem nur kurze Zeit benötigen, um die Tat auszuführen und zu verschwinden. Heißt: Wenn man die Diebe nicht auf frischer Tat ertappt, wird es schwierig, solche Fälle aufzuklären.

Gerade auch bei schweren Diebstählen (Wohnungseinbrüche, Einbrüche in Ladengeschäfte) nutzen organisierte Kriminelle diese Schwachstellen, was ein Beispiel aus Ebelsbach zeigt: Hier gibt es die schier unfassbare Serie von nunmehr acht Einbrüchen innerhalb von drei Jahren in einem Handyladen in der Bahnhofsstraße. Zuletzt hatten dort Täter im Dezember 2018 Beute gemacht. Zu jener Zeit war bereits ein Tatverdächtiger ermittelt und verhaftet worden, der erst vor wenigen Tagen am Landgericht Bamberg zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden ist. Hier geht es laut Polizei jedoch um Bandenkriminalität, deren Mitglieder meist aus dem osteuropäischen Raum für kurze, ergiebige Raubzüge in die Region reisen.

Flucht über die Autobahn

Das gut ausgebaute Autobahnnetz ist für diese Vorgehensweise gut geeignet, die Täter sind schwer zu fassen: So schnell sie da sind, sind sie auch wieder mitsamt Beute verschwunden. Aufwendig installierte Alarmanlagen und Schutzsysteme wie im Ebelsbacher Fall schrecken sie nicht ab, die Täter agieren höchst professionell und zielstrebig. Wird ein Dieb nach intensiven Ermittlungen dennoch einmal gefasst, ist das für die kriminellen Banden zwar ein kleiner Rückschlag, aber längst kein Grund, sich abschrecken zu lassen: Der nächste Beutezug ist vermutlich schon in Planung...

Abgesehen von solch schwierigen Fällen ist es im Kreis Haßberge aber relativ ruhig, wie die Polizei konstatiert: "Die Statistikzahlen allein bestätigen, dass sich die Bevölkerung im Landkreis Haßberge sicher fühlen kann", fasst Kurt Etzel, der stellvertretende Leiter der Polizei in Haßfurt, zusammen. Besonders im Bereich der Rohheitsdelikte, der Straßenkriminalität, wie zum Beispiel Sachbeschädigungen und Körperverletzungen im öffentlichen Raum, seien die Zahlen im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Kritik hingegen übt Etzel am "fragwürdigen Verhalten mancher Zeitgenossen" gegenüber den Hilfsdiensten wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Immer wieder komme es bei Einsätzen zu Behinderungen der Einsatzkräfte oder es würden Anweisungen missachtet, bisweilen wurden Einsatzkräfte bedroht oder sogar attackiert.

Im Bereich der PI Ebern sehen Dienstellenleiter Siegbert Weinkauf und sein Stellvertreter Detlef Hauck die Entwicklung im Bereich Kriminalität insgesamt positiv: "Durch den leichten Rückgang der Gesamtfallzahlen im Jahr 2018 bleibt das Straftatenaufkommen im Dienstbereich der Polizeiinspektion Ebern auf einem erfreulich relativ niedrigen und konstanten Wert", schreiben die Beamten in ihrem Pressebericht.

Daten und Fakten

Abschließend noch einige Daten und Fakten zur Kriminalstatistik im Kreis Haßberge, in dem rund 84 500 Menschen leben. Zu den insgesamt 2491 erfassten Straftaten in 2018 konnten 1322 Tatverdächtige ermittelt werden. Von diesen waren 1019 männlich und 303 weiblich. Davon Kinder unter 14 Jahren: 45. Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre): 123. Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre): 137. Erwachsene (ab 21 Jahre): 1017. Unter den insgesamt 1322 Tatverdächtigen waren 1076 deutsche Staatsbürger, die anderen 246 waren nichtdeutscher Herkunft.

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