Bamberg

"So kann es nicht weitergehen"

Für drei Jahre und acht Monate muss ein 26-jähriger Gerüstbauer aus dem Landkreis Bamberg ins Gefängnis. Er hat zwischen November 2016 und Februar 2017 an Freunde und Bekannte insgesamt 3,5 Kilogramm Marihuana verkauft.
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Der Angeklagte will gegen seine Sucht ankämpfen. Foto: Boris Roessler/dpa
Der Angeklagte will gegen seine Sucht ankämpfen. Foto: Boris Roessler/dpa
Er verkaufte Rauschgift an Freunde und Bekannte , um selbst Drogen kaufen zu können: Für drei Jahre und acht Monate muss ein 26-jähriger Gerüstbauer aus dem Landkreis Bamberg dafür nun ins Gefängnis. Der schwer Abhängige soll deshalb außerdem eineinhalb Jahre in eine Entziehungsanstalt, um von seiner Sucht loszukommen.
"Der Marihuana-Konsum wird verharmlost." Das waren nicht die Worte irgendwelcher Innenpolitiker oder Polizeibeamter. Zu dieser Einsicht gelangte Robert K. (Name geändert) während der Zeit in der JVA Kronach. Dort sitzt er seit Mai 2017 ein. Zuerst in Untersuchungshaft, seit Dezember in Strafhaft, weil die Bewährung aus einem früheren Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs widerrufen worden war. Hatte die Polizei doch bei einer Hausdurchsuchung im Mai 2017 rund 75 Gramm Marihuana (Cannabis-Blätter) in der Garage gefunden.
Vor dem Vorsitzenden Richter Johannes Bartsch und dessen drei Richterkollegen schilderte Robert K., wie seine "Drogenkarriere" als 15-Jähriger mit Alkohol begann und sich "immer weiter zugespitzt" hatte. Dem Marihuana folgten Kokain und Crystal Meth, das er als 16-jähriger Auszubildender geschnupft hätte. "Der Arbeitsdruck in einer Teefabrik war einfach zu groß." Mit anderen Jugendlichen hatte er einen alten Lagerraum im nördlichen Landkreis Bamberg angemietet, "in dem sich Abgründe aufgetan" hätten, sei man doch ein ganzes Jahr lang dort gewesen und habe sich immer wieder tagelang zugedröhnt.
Zuerst habe man sich mit Amphetaminen aufgeputscht, dann mit Marihuana wieder "heruntergeraucht". Einer habe sich mit Ritalin-Tabletten, die er "wie Smarties" hinuntergeschluckt hätte, sogar in Lebensgefahr gebracht. "Es waren die geilsten und auch die schlimmsten Momente meines Lebens." Damals war Robert K. zum ersten Mal mit dem Gesetz aneinandergeraten. Unter Alkoholeinfluss hatte er einen Kumpel "verteidigen" wollen und sich zu einer gefährlichen Körperverletzung hinreißen lassen.
Zum Drogenhandel war Robert K. gekommen, um die eigene Sucht zu finanzieren und seine Schulden bei seiner Oma abzahlen zu können. Immerhin kaufte er den Stoff für 9000 Euro pro Kilogramm und verkaufte ihn in kleineren Packungen dann für bis zu 12 000 Euro.


Lieferanten aus Rotlicht-Milieu

Seine Lieferanten stammten aus dem Bamberger Rotlicht-Milieu und müssen sich derzeit ebenfalls vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Allerdings wegen ganz anderer, viel schwerer wiegender Delikte. Wenn er die Ware aus dem Auto heraus oder in seinem Keller nicht schnell genug verkauft hätte, hätte es Stress gegeben, so Rechtsanwalt Norbert Brandl (Bamberg). "Er war ein kleines Rädchen im Getriebe, das aber funktionieren musste." Man hätte ihm dann gleich mit Gewalt gedroht, so Robert K. Vielleicht hatte er ja deshalb einen Ninja-Wurfstern mit sieben Klingen zu Hause, der von Staatsanwältin Katja Erlwein als verbotene Waffe eingestuft wurde.
Zugunsten des Angeklagten sprach sein vollumfängliches Geständnis und sein Wille, sich in eine Therapie begeben zu wollen. Die könnte er noch während seiner Haftzeit aus dem Gefängnis heraus antreten und bei erfolgreichem Drogenentzug sogar auf Bewährung entlassen werden. Am Ende des Prozesses,
dessen Schuldspruch zu drei Jahren und acht Monaten anderen Angeklagten die Tränen der Verzweiflung oder des Selbstmitleids ins Gesicht getrieben hätte, wirkte Robert K. beinahe erleichtert. Er sei froh, dass er hier säße und es nicht noch schlimmer gekommen sei. "Ich will ein normales Leben führen. So kann es nicht weitergehen."

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