Bamberg

So blieb das Bier sauber

Das Fränkische Brauereimuseum zeigt eine außergewöhnliche Sammlung von Krugdeckeln, die sich im 19. Jahrhundert reich verziert zum Statussymbol entwickelten.
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Wilhelm Eisenhart erläutert seine Porzellanmedaillons bei der Vernissage im Brauereimuseum. Foto: FBM/König
Wilhelm Eisenhart erläutert seine Porzellanmedaillons bei der Vernissage im Brauereimuseum. Foto: FBM/König
Lieber den Deckel drauf - denn welch unappetitliche Dinge dann alle nicht im Krug landen und welch unschönes Ableben dem Genießer so erspart werden kann, das lernten die Besucher der Sonderausstellungsvernissage im Fränkischen Brauereimuseum in Bamberg.
Befeuert durch Prospekte der Zinngießerlobby, sprach man sich im 19. Jahrhundert sehr ernsthaft für die dauerhafte Bedeckelung des Bierkruges aus. Ursprünglich aus hygienischen Gründen eingesetzt, wandelte sich der porzellanene Bierkrugdeckeleinsatz bald zum beliebten Accessoire und Statussymbol.
Erst handbemalt, später im Umdruckverfahren vorindustrialisiert und zum Schluss oft im reinen Druck- oder Fotoverfahren hergestellt, lässt sich an den Porzellanmedaillons Geschichte nachvollziehen. Vom anfänglich rein dekorativen Motiv über Berufsdarstellungen, geistliche Symbolik, pragmatische Niederschrift von Wirt sowie persönlicher Kennziffer des Gastes - nicht jeder war des Lesens mächtig - geht es zu militärischer Selbstdarstellung und zum satirischen Derblecken der damaligen Gesellschaft und den Blüten, die diese trieb.
Wunderbar nacherzählt wurden die Historien vom Leihgeber der Porzellanplättchen selbst, vom Zinngießermeister Wilhelm Eisenhart aus Eichstätt. In seiner Werkstatt haben über 600 Stücke unzerschlagen die Parole "Gold gab ich für Eisen" des 1. Weltkrieges überlebt. So unspektakulär das Thema auf den ersten Blick scheint - die Gäste der Vernissage, allen voran Bürgermeister Metzner, waren vom Erzählreichtum der kleinen Exponate begeistert. Die Wanderausstellung "Faszination in Porzellan - Bierkrugdeckel erzählen Geschichten" gastiert bis Ende Oktober im Fränkischen Brauereimuseum auf dem Michelsberg und kann zu den normalen Museumszeiten ( Mi - Fr 13 - 17 Uhr und Sa, So, Feiertage 11 - 17 Uhr) besichtigt werden.
Mehr unter: www.Brauereimuseum.de red


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