Bad Staffelstein

Skulpturen ziehen ins Museum

Eine Madonnen- und eine Kunigunden-Plastik sind nun im Staffelsteiner Stadtmuseum zu sehen. Die Kulturinitiative hatte die beiden Steinfiguren angekauft. Nun gilt es, Geld zu sammeln, um die beiden Statuen zu restaurieren.
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Die Stengel-Madonna wird im Staffelsteiner Friedhof abmontiert.
Die Stengel-Madonna wird im Staffelsteiner Friedhof abmontiert.
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Eine Sternstunde in der Geschichte des Staffelsteiner Museums leuchtete am Freitag bei der Aufstellung der lebensgroßen Statuen der "Heiligen Kunigunde" und der "Stengel-Madonna". Die beiden Skulpturen waren wegen ihrer besonderen Beziehung zu Bad Staffelstein 2017 und 2018 von der Kultur-Initiative Staffelstein (KIS) gekauft worden. Sie finden nun als Dauerleihgaben ihren Platz im Obergeschoss des Stadtmuseums.

"Die beiden wertvollen Plastiken befinden sich gegenwärtig noch in ihrem ursprünglichen Zustand mit sehr deutlicher Patina vergangener Jahrzehnte und vielerlei Beschädigungen. Sie müssen sehr vorsichtig restauriert werden", erläuterte Musemsleiterin Adelheid Waschka. "Wir hoffen auf weitere Spenden, damit das Sanierungsprogramm im Sommer dieses Jahres anlaufen kann", ergänzte sie. Restaurator Clemens Muth aus Unterneuses werde die Arbeiten vor Ort ausführen. "Museumsbesucher können dann dem Künstler über die Schulter schauen", kündigte sie an.

Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) freute sich über die Bereicherung des Museums. "Die Kulturinitiative leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in unserer Stadt. Sie bietet nicht nur ein interessantes Bildungsangebot an, sondern leistete mit dem Ankauf der Statuen auch einen ganz wesentlichen finanziellen Beitrag", sagte er.

KIS-Vorsitzender Hermann Hacker bezifferte den Wert der beiden Skulpturen auf insgesamt etwa 15 000 Euro. Die notwendige, vorsichtige Restaurierung würde noch einiges kosten, was sich aber wieder positiv auf den Wert der Plastiken auswirken werde.

Die Figur der Kunigunde wurde bereits 2017 auf dem Münchner Kunstmarkt erworben. 2018 konnte die KIS dann auch die Madonna erwerben, die auf dem Familiengrab der Künstlerfamilie Stengel im Staffelsteiner Friedhof stand und wegen der Witterungsschäden dringend gesichert werden musste. Nachdem keine Nachfahren der Familie Stengel mehr vor Ort sind, wird die KIS auch die Erhaltung der Grabstätte, auf der sich nun ein Hinweisschild auf den Verbleib der Madonna befindet, bis zur endgültigen Auflösung übernehmen.

"Sehr qualitätvoll gearbeitet"

Anton Köcheler, der Leiter des KIS-Arbeitskreises "Kunst", ordnete die Madonna künstlerisch ein: "Die sehr qualitätvoll gearbeitete Marienstatue ist ein typisches Beispiel der religiösen Plastik des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts." In ihrer realistischen Form verbinde sie den um die Mitte des 19. Jahrhunderts an den Kunsthochschulen verbreiteten "Akademiestil", der weitgehend von der klassizistischen Formauffassung bestimmt werde. Dies zeigten Merkmale wie die ruhige, geschlossene Form und die plastisch-realistische Wiedergabe des Körperbaus. "Das idealisiert-schöne Gesicht zeigt einen Ausdruck der Verinnerlichung", so Köcheler. Kleidung und Krone der Figur sowie die stark plastische Faltengebung seien an gotische Vorbilder angelehnt. "Die Steinfigur verbindet also verschiedene Stilmerkmale zu einer einheitlichen Form", fasste er zusammen.

Patina soll erhalten bleiben

Auf eine weitere Besonderheiten wies Clemens Muth hin: "Die Figur besteht aus Schilfsandstein, der aus Zeil oder Sand am Main stammt." Zum Transport seien Teile notdürftig gesichert worden. Mit einem Spezialmörtel könne nach der Reinigung die Restauration beginnen. Allerdings blieben Verwitterungsspuren und Patina; die Madonna werde also nicht wie neu aussehen, sondern es sei beabsichtigt, die Zeichen von Witterung und Zeit zu erhalten, versicherte der Restaurator.

Johann Stengel (1838-1910), dem die Schaffung der Madonna zugeordnet wird, war der Gründer der Künstlerfamilie Stengel in Staffelstein, die insbesondere durch seinen Sohn Johann-Theodor Stengel bekannt wurde. Er absolvierte eine Bildhauerlehre in Bamberg. Als "Akademischer Bildhauer" führte er die Werkstatt und das Atelier seines damals 70-jährigen Lehrmeisters Schäfer fort. Johann Stengel erledigte in seiner Bamberger Werkstatt unter anderem Restaurierungen von Chorgestühl und Epitaphien des Bamberger Doms.

Johann Stengel und seine Frau Katharine hatten sechs Kinder, von denen Pankraz, Georg, Kaspar und Johann eine Ausbildung als Bildhauer, Vergolder und Stuckateur erhielten. Ihr talentiertester Sohn war Johann Theodor, der mit seinen Werken Ansehen und Bedeutung der Familie prägte.

Geschichte der Kunigundenfigur

Die Figur der Kunigunde wurde ursprünglich für die St.-Kilians-Kirche in Pretzfeld erworben. Johann Jakob Küchel (1703-1769), Bamberger Baumeister unter Balthasar Neumann und am Bau der Kirche maßgeblich beteiligt, stiftete 1739 nach dem Einsturz des Chorturms der Gemeinde einen provisorischen Altar mit den beiden Figuren Heinrich und Kunigunde.

Beide Altarfiguren wurden später für die Ausstattung der Stublanger Barockkirche erworben. Die Stublanger Kirche wurde 1867 im Stil der Neogotik ausgestattet. Dabei wurde der Hochaltar und somit auch das Kaiserpaar "im abgeschmackten Zopfstil" nach dem Entwurf des Architekten Jacob Schmitt-Friedrich (1827-1905) durch zeitgenössische Schreinerarbeit und ein Gemälde mit den Bistumsheiligen ausgetauscht.

In Vergessenheit geraten

Die Figuren kamen wohl auf einen Dachboden oder wurden zum Erwerb der neuen Innenausstattung verkauft. Jahrzehntelang gerieten sie in Vergessenheit und kamen über Wanderhändler schließlich nach Oberbayern.

Museumsleiterin Adelheid Waschka erkannte 2016 in einer im Münchner Kunsthandel angebotenen Kunigundenfigur einen Bamberger Bildhauer als Meister der Holzskulptur und recherchierte deren wechselvolle Geschichte. Schnell reifte die Idee, sie in ihre fränkische Heimat zurückzuholen, was mit Hilfe der KIS gelang.



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