Küps

Sind "Mobile Stores" die Lösung?

Der Campus Innovations-Kultur hat sich mit dem Thema der Nahversorgung befasst. Einig waren sich die Teilnehmer, dass sich einiges verändern wird. Doch es gab auch Zweifel.
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Moderne Kassen ermöglichen schon heute das Bezahlen mit dem Smartphone. So soll es auch in einem "Mobile Store" sein.  Foto: Daniel Naupold, dpa
Moderne Kassen ermöglichen schon heute das Bezahlen mit dem Smartphone. So soll es auch in einem "Mobile Store" sein. Foto: Daniel Naupold, dpa

Veronika SChadeck Für den Einzel- und Lebensmittelhandel gibt es zahlreiche digitale Zukunftsvisionen. Es gibt beispielsweise "Mobile Stores", die rund um die Uhr geöffnet haben. Schichtarbeiter können nach 22 Uhr ihre Lebensmittel besorgen. Personal ist nur während des Tages beziehungsweise überhaupt nicht vorhanden. Bezahlt wird in den Shops einfach beim Herauslaufen aus dem Laden mit dem Smartphone. Zudem tracken Kameras und Sensoren das Kundenverhalten, individuelle Werbung unterstreicht das Kauferlebnis. Diebstähle werden dank Kameras und Warensicherungssystem verhindert.

Können sich solche Modelle auch in unserer Region etablieren? Tragen diese zur Sicherung der Nahversorgung bei, wo es doch in vielen Dörfern keinen Dorfladen mehr gibt? Das war am Dienstagvormittag im Küpser Rathaus das Thema, zu dem der Campus Innovations-Kultur (CIK) eingeladen hatte.

Ergänzung

Stefan Huemer vom Einkaufswagenhersteller Wanzl GmbH, der für die Weiterentwicklung von Shopkonzepten zuständig ist, stellte Möglichkeiten vor. Es gehe darum, den stationären Handel mit den Möglichkeiten digitaler Plattformen zu verknüpfen. "Mobile Stores" können in Stadtteilen, Dörfern, an Universitäten und Firmengeländen aufgestellt werden. Er betonte: "Wir versuchen uns nicht in einen Verdrängungswettbewerb zu begeben, sondern der Mobile Store ist als Ergänzung zu sehen."

Nach seinen Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an. Es wurde das Für und Wider eines solches Modells diskutiert. So sprach der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder davon, dass dadurch Arbeitsplätze abgebaut würden. Durch solche Lösungen würde der heimische Einzelhandel geschwächt. Befürchtungen wurden geäußert, dass mit einem derartigen System soziale Kontakte verloren gingen.

Der Geschäftsführer der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft, Wolfgang Puff, wies darauf hin, dass es ähnliche Modelle schon seit Jahren in Skandinavien gebe. Dort kommen aber auch die Kunden aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Er sei der Auffassung, dass bei Investitionen auch Umsatz fließen müsse. Er habe seine Zweifel, dass dieser bei Dörfern zum Tragen komme. In einer Stadt wie Kronach wäre dies schon interessanter, weil dort auch entsprechendes Kundenpotential vorhanden sei. Wenn örtliche Betreiber sich hiermit ein Standbein schaffen möchten, wäre das in Ordnung. Allerdings: "Ich hätte Probleme, wenn große Ketten den ländlichen Raum mit solchen Modellen überfluten."

Der Produktmanager von Wanzl, Michael Weiß, erklärte, dass durchaus heimische Händler, zusammen mit Bäckern und Metzgern, einen Mobile Store betreiben könnten.

Lösungsweg

Der IHK-Gremiumsvorsitzende Hans Rebhan sprach von einem Angebot, mit dem dort, wo ein Mangel an Lebensmittelläden vorhanden ist, ein Lösungsweg aufgezeigt werde.

Es gehe auch darum, die Bewohner von Ortsteilen zu versorgen, meinte der Geschäftsführer des CIK, Thomas Kneitz. Durchaus könne er sich vorstellen, dass Betreiber von Supermärkten mit den Mobile Stores eine Möglichkeit haben, ihr Angebot und ihren Service zu erweitern.

"Es ist ein interessantes Angebot, es wird aber nicht die Probleme lösen", so der Stockheimer Bürgermeister Rainer Detsch. Und: "Wir haben einen anderen Anspruch als eine Großstadt, wo 50 Prozent Singlehaushalte vorhanden sind." Durchaus könnte sich Detsch aber vorstellen, dass so ein Modell für Direktvermarkter infrage kommen könnte.

Annabell Ohla fragte, ob man in einem Mobile Store ausschließlich Lebensmittel kaufen könne oder ob man das Angebot beispielsweise mit Büchern, einer integrierten Poststelle etc. erweitern könne.

Letztendlich lautete das Fazit der Diskussion: Digitale Zukunftslösungen oder auch Mobile Stores sind ein gutes Angebot. Aber am Ende, so brachte es der Weißenbrunner Bürgermeister Egon Herrmann auf den Punkt, komme es auf individuelle Lösungen an. "Wir können nicht alles über einen Kamm scheren." Er sehe dieses Modell als Ergänzung, was die Sicherstellung der Nahversorgung betrifft.

Thomas Kneitz erklärte abschließend, dass er zu dieser Veranstaltung bewusst Bürgermeister und Multiplikatoren eingeladen habe, weil diese ihre Gegebenheiten und ihre Bürger kennen. Eventuell sind ja die Einzelhändler diejenigen, die mit digitalen Lösungen aus einem zentralen Ort heraus dezentrale Orte versorgen werden. Er wies auch auf das Ziel von CIK hin, neue Existenzgründungen zu ermöglichen.

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