Lichtenfels
Gericht

Sie küssten und vor allem schlugen sie sich

Nicht allzu oft geht einer Verfahrenseinstellung ein solches Maß an anzunehmender Gewalttätigkeit voraus. Am Donnerstag war dem auf dem Amtsgericht aber so, auch darum, weil beide beteiligten Parteien...
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Nicht allzu oft geht einer Verfahrenseinstellung ein solches Maß an anzunehmender Gewalttätigkeit voraus. Am Donnerstag war dem auf dem Amtsgericht aber so, auch darum, weil beide beteiligten Parteien gewalttätig waren. Das Paar hatte eine einstündige Anreise.

Vor Zeiten verzog es nach Nürnberg, doch worin es am 9. Juni 2018 verwickelt war, gehörte in die Zuständigkeit des Lichtenfelser Amtsgerichts. Die Anklage sprach von vorsätzlicher Körperverletzung, begangen durch den 31-jährigen Mann an seiner 33-jährigen Freundin. Staatsanwalt Matthias Jakob trug im Einzelnen vor, wessen sich der als Gabelstaplerfahrer tätige Mann schuldig gemacht haben soll.

Kissen auf den Kopf gedrückt

So soll er seine Freundin aufs Bett geschubst haben, sie mit Faustschlägen am Hinterkopf getroffen und ihr ein Kopfkissen auf den Kopf gedrückt haben. Die Folgen: Schulterprellung, blaue Flecken und eine auffällige Strieme am Oberkörper. Auch soll Blut im Bett geflossen sein, wie ein von der Polizei gemachtes Foto nahelegte.

Doch dass all diese Vorhalte nicht stimmen würden, beteuerte der mit üppiger Mähne ausgestattete Angeklagte sofort. Im Gegenteil: Er schilderte einen Fall, der mehr nach Notwehr klang. "Ich habe sie nicht geschlagen, sie hat mich mit einer Hand an den Haaren gefasst und mit der anderen Hand an den Genitalien." So habe er sie eben weggeschubst und daher rührten die Marken am Körper der Frau.

Auch sei es so gewesen, dass sie darum eine Strieme am Oberkörper habe, weil er ein für sie griffbereites Ladekabel fürs Telefon unter ihr weggezogen habe. "Das hat sich wohl reingedrückt", so der Angeschuldigte. Als der 31-Jährige von Richter Alexander Zenefels an den Richtertisch gerufen wurde, um das Foto in Augenschein zu nehmen, welches Blut im Bett aufweist, überraschte der Mann mit dem Ausruf: "Das ist mein Blut!" Geflossen sei es durch eine kleine Verletzung an seinem Finger.

Als Grund für die Eskalation nannte er die Eifersucht seiner Freundin, als er mit einer anderen Frau lediglich telefonierte. Daraufhin habe ihn seine Freundin "von der Küche aus auch mit dem Messer in der Hand verfolgt". Gelandet sei man am beziehungsweise im Bett, wo seine Freundin ihm ihr Knie auf den Magen gesetzt habe. "Ich habe nicht mehr richtig atmen können und musste sie richtig runterschubsen."

An dieser Stelle interessierte sich Richter Zenefels für den Grund, weshalb der Angeklagte noch mit seiner Freundin zusammen ist. Bei seiner ersten Antwort auf diese Frage, verwies der Beschuldigte darauf, dass man nun gemeinsam in Beratung sei. Die zweite Antwort fiel in eigenwilligerer Plausibilität aus: "Man weiß nicht, was nachkommt und sie kocht gut."

Dann wurde die Frau in den Zeugenstand gerufen und stellte ihre Sicht der Dinge dar. So berichtete sie davon, dass sie wenige Wochen vor dem Streit eine fehlgeschlagene Schwangerschaft samt Schwangerschaftsdepressionen gehabt habe und bei dem Streit sei sie "explodiert". Und: "Wir haben uns gegenseitig geschubst." Zu den bei der Polizei an diesem 9. Juni eingehenden Hilferufen erklärte die 33-Jährige, dass erst ihr Freund und dann sie selbst angerufen hätte. Allerdings blieb sie dabei, dass der Mann sie geschlagen habe und dass es sich bei dem Blut um ihr Blut gehandelt habe. Dass es sich bei dem damaligen Vorfall um einen einmaligen gehandelt habe, suchte der Angeklagte glaubhaft zu versichern. An dieser Stelle sprang ihm auch seine Freundin bei, die überdies ins Feld führte, dass ein Grund für die nun verbesserte Beziehung auch in dem Umstand liege, wonach man nun eine größere Wohnung und sie selbst mehr Umgang mit ihrem ersten Kind habe. Richter Zenefels regte eine Verfahrenseinstellung an, da die Gewalttätigkeiten "der Tat wechselseitig vorausgingen". Nach Zahlung von 500 Euro wird die Anklage fallengelassen.

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