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Kronach

Sie halten den Laden am Laufen

Während die meisten Menschen zuhause bleiben, stehen diese und andere Kronacher Verkäufer Tag für Tag in ihren Geschäften und sorgen dafür, dass das Nötigste weiterhin verfügbar ist. Wir sagen danke!
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Elke Kremer freut sich in der Bäckerei Oesterlein über jeden freundlichen Stammkunden.  Fotos: Sandra Hackenberg
Elke Kremer freut sich in der Bäckerei Oesterlein über jeden freundlichen Stammkunden. Fotos: Sandra Hackenberg
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Sobald die Kiosktür aufgeht, lächelt der Mann hinter dem Tresen. Zwar ist Thair Basharis Mund hinter einer Atemschutzmaske verborgen, doch seine Augen strahlen umso mehr. "Ich freue mich über jeden, der hereinkommt", sagt der Kronacher in einer Krisenzeit, in der soziale Kontakte zum Luxusgut geworden sind.

Der Stammkunde, der gerade seinen Kronach Kiosk betreten hat, braucht ein wenig Tabak für seine Wasserpfeife. Man kennt sich schon seit Jahren. "Wie geht es dir? Zur Zeit kannst du ja keinen Sport machen", fragt Bashari. - "Ja, das nervt." Die Hände eingepackt in lila Plastikhandschuhe, überreicht der Kioskbesitzer die gewünschte Ware. "Lass es dir trotzdem schmecken, mein Freund."

Es sind diese kurzen Gespräche, wegen denen Bashari seinen Laden weiter geöffnet hat. "Gestern hätte ich eigentlich um 14 Uhr geschlossen. Aber ich bin bis abends hiergeblieben, habe gelesen und auf Kunden gewartet." Denn wo der Mann mit den freundlichen Augen für gewöhnlich Erledigungen macht oder sich mit Freunden trifft, würde er momentan nur alleine zuhause sitzen. "Das kann ich nicht. Da werde ich verrückt."

Also bleibt er in seinem Kiosk. "Es kann ja sein, dass jemand doch noch eine Kleinigkeit braucht." Neben Tabak und Zeitschriften bietet Bashari auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln an. Zum Schutz für sich und seine Kunden trägt der Kronacher stets Atemschutzmaske und Handschuhe. "Am Anfang war es komisch, doch inzwischen habe ich mich schon daran gewöhnt." Ob er Angst davor hat, sich anzustecken? - "Natürlich, ich bin den ganzen Tag hier und bediene viele Leute. Aber ich hoffe, dass das alles schnell vorbei geht."

Furchtlos im Rentenalter

Keine Angst dagegen haben Ingrid und Dieter Nadler. Obwohl das Ehepaar im Rentenalter ist und somit zur Corona-Risikogruppe gehört, stehen sie weiterhin Tag für Tag in ihrem Laden, dem Kerzenhaus Nadler. "Wenn wir das Virus bekommen sollen, dann bekommen wir es so oder so", glaubt Dieter Nadler. "Ich habe 33 Jahre lang mit meinem Kiosk die Leute im Krankenhaus versorgt und bin auch auf die Zimmer der Patienten gegangen. Ich habe ein gutes Immunsystem." Vom Corona-Virus lassen sich die rüstigen Senioren jedenfalls nicht beeindrucken. "Wir sind leidenschaftlich gerne in unserem Laden und weiter für die Leute da."

Der Umsatz hat sich halbiert. "Aber wir haben viele Stammkunden, die trotzdem kommen." Da denken sie vor allem an die älteren Leute in der Nachbarschaft, die noch selbst kommen, um ein Stück Butter oder einen Liter Milch zu kaufen. "Die müssten sonst in den Supermarkt, wo die Ansteckungsgefahr viel größer ist als bei uns im Laden. Bei uns sind nie mehr als ein oder maximal zwei Kunden gleichzeitig im Laden", erklärt Ingrid Nadler. Natürlich würden sie trotzdem die empfohlenen Hygienemaßnahmen befolgen. "Ich desinfiziere mir oft die Hände und auch die Handgelenke."

Auch wenn die Laufkundschaft deutlich abgenommen habe: Am Kaufverhalten hat sich kaum etwas geändert. "Nur das Klopapier ist momentan aus", berichtet Ingrid Nadler und muss Schmunzeln. "Das kapiere ich nicht. Was wollen die Leute nur mit all dem Klopapier?"

Auch die Bäckerei Oesterlein nebenan bekommt die Auswirkungen des Virus zu spüren. "Der Umsatz ist um die Hälfte zurückgegangen", erzählt Elke Kremer, die ihre Kunden nun hinter einer Glaswand bedient. "Darum haben wir das Sortiment ein wenig heruntergefahren." Manche Backwaren, wie Kümmelbrötchen, Mohnzöpfe oder manche Kuchensorten, würde es nun nur noch alle zwei Tage geben und auch die Öffnungszeiten der anderen Filialen haben sich verändert. "In Mitwitz schließen wir bereits um 12 Uhr und in der Andreas-Limmer-Straße um 15 Uhr." Doch die Stammkunden bleiben ihrer Bäckerei treu. "Dafür sind wir auch ehrlich dankbar."

Frühstück dürfen die Verkäuferinnen derzeit nicht mehr anbieten. "Das haben unsere Kunden aber alle verstanden und auch, dass sie vor dem Laden warten müssen, wenn schon zwei Leute hier drin sind." Dadurch hat sich der Alltag in der Bäckerei verändert, viele launige Schwätzchen gibt es in gewohnter Form momentan nicht mehr. "Wir merken schon, dass die Stimmung bei manchen im Keller ist. Aber wir haben auch Stammkunden, die jeden Morgen freudestrahlend den Laden betreten - das ist für uns wie die aufgehende Sonne am Morgen."

Denn natürlich hätten auch die Verkäuferinnen Ängste und Sorgen. "Ich bin nicht so ängstlich, aber meine Kollegin hat schon ein wenig Bammel, sich anzustecken." Kremer sorgt sich vor allem um ihre Töchter. "Sie arbeiten im Gesundheitswesen. Wir haben uns seit drei Wochen nicht gesehen, aber am Telefon sage ich ihnen immer: ,Mädels, passt auf euch auf.‘"

Trotz all der Entbehrungen und Sorgen denkt die 49-Jährige weiter positiv und sieht sogar den ein oder anderen positiven Nebeneffekt: "Ich bekomme momentan sehr viel Kleingeld, weil die Kunden häufig passend bezahlen. Sonst musste ich immer um Kleingeld betteln."

Nächste Woche Kurzarbeit

Probleme mit Bargeld hat die Fleischerei Höring nicht. Dort gibt es schon seit über einem Jahr einen Bezahlautomaten, der das Wechselgeld automatisch ausspuckt. "Das ist natürlich ein großer Vorteil. Aber wir waschen uns trotzdem nach jedem Kunden die Hände", berichtet Gabriele Fenner. Ab nächster Woche heißt es für sie und ihre Kolleginnen vorerst Kurzarbeit, denn der Publikumsverkehr habe vor allem am Nachmittag, deutlich nachgelassen. "Dann haben wir nur noch bis 14 Uhr geöffnet, der Bratwurst-Stand noch bis 15 Uhr."

Das Angebot bleibe jedoch gleich. "Unser Chef macht alles selbst und produziert weiter wie immer", erzählt Annegret Hoffmann. Vor allem die Lebensmittel in Gläsern - Bolognese-Soße, Rinderrouladen, Gulasch oder Bierschinken, die auch ohne Kühlung ein Jahr haltbar sind, seien derzeit sehr gefragt. "Manche Kunden kommen nicht mehr so häufig, kaufen dafür dann aber mehr ein." Insgesamt habe die Vorsicht zugenommen. "Die Leute achten auch hier im Geschäft auf den Sicherheitsabstand und weisen sich gegenseitig darauf hin, wenn ihnen jemand zu nahe kommt."

Die Gefahr einer Ansteckung, sie begleitet auch die Fleischereifachverkäuferinnen. "Natürlich sind wir uns dessen bewusst. Aber sich verrückt zu machen, bringt auch nichts", findet Fenner. "Und die Leute müssen schließlich auch etwas essen."

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