Bamberg

Sie einte nur eines: das Geld

Fünf Angeklagte aus den Landkreisen Bamberg und Schweinfurt müssen wegen wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln für mehrere Jahre ins Gefängnis.
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Zwischen drei Jahren und neun Monaten und fünfeinhalb Jahren lautete der Urteilsspruch.   Symbolbild: Archiv
Zwischen drei Jahren und neun Monaten und fünfeinhalb Jahren lautete der Urteilsspruch. Symbolbild: Archiv

Es sind die erwartet hohen Strafen im Prozess am Landgericht Bamberg wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen. Die fünf Angeklagten aus den Landkreisen Bamberg und Schweinfurt müssen zwischen drei Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren und sechs Monaten ins Gefängnis. Zwei von ihnen, "deutlich gezeichnet vom Rauschgift", schickte die 3. Strafkammer zudem in eine Entziehungsanstalt.

Von einer "bunten Truppe, die nur eines einte: das Geld" sprach der Vorsitzende Richter Markus Reznik. Denn zwischen den fünf Komplizen, allesamt keine unbeschriebenen Blätter, zeigten sich im Laufe des Verfahrens Abneigungen und Rachegelüste. Jeder suchte die eigene Rolle kleinzureden, noch eine offene Rechnung mit dem ehemaligen Geschäftspartner zu begleichen. Da konnte man dann, etwa von Rechtsanwalt Andreas Lutz (Würzburg) hören, sein Mandant sei "das kleinste Licht von allen, der gar nichts zu entscheiden hatte".

Durch mehr oder weniger umfassende Geständnisse retteten sich die Angeklagten gleich zu Beginn in einen "Deal". Außerdem sorgte das überwachte Geschäft, die weiche Droge, die Sicherstellung des Rauschgiftes, das so nicht den Endkunden erreichte und ein nicht zustande gekommener Handel dafür, dass die Freiheitsstrafen nicht noch höher ausfielen.

Da war der "leutselige Gastwirt" mit seinen Kontakten ins Drogenmilieu. Wenn auch "ein Aufschneider", der gern und viel redete. Einem Zeugen folgend hatte der Mann rund drei Kilogramm Marihuana in der Wohnung über der Küche gelagert. Was der Gastronom und sein Rechtsanwalt Alexander Wessel (Haßfurt) bis zuletzt vehement bestritten. Als der Angeklagte seinen Kollegen nicht die gewünschten zehn bis 15 Kilogramm liefern konnte, kam ein heute Obdachloser aus Nürnberg ins Spiel. Der hatte wegen seiner Abhängigkeit und der dadurch bedingten Verschuldung Beruf und Familie verloren und war mit nur neun Cent in den Taschen verhaftet worden. Brauchte also Geld. "Er war aber nicht nur der Fahrer, der nichts davon wusste, was er da im Kofferraum transportierte," so Richter Reznik.

Dann war da ein Auszubildender aus dem Raum Schweinfurt, dem ein Kumpel eine Kilo-Packung Marihuana zur Aufbewahrung übergeben, es dann aber nie wieder abgeholt haben sollte. Zum Namen des Kumpels wollte der junge Mann keine Angaben machen, "da er Angst vor Repressalien aus der Szene hat", wie seine Verteidigerin Salome Götz (Schonungen) erläuterte. Warum das Gras dann nicht aufrauchen und einiges davon zu Geld machen?

Ein Knackpunkt des Prozesses war die Frage, ob das große Drogengeschäft mit zehn Kilogramm Marihuana erst durch einen V-Mann der Polizei provoziert worden sei, wie es der Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer (Würzburg) sah. Rechtsanwalt Christian Mulzer (Würzburg) rügte "die zweifelhafte Rolle" des V-Mannes. Angesichts des vorherigen Rauschgifthandels mit verschiedenen Substanzen, nicht nur mit dem Cannabis-Produkt, sondern auch mit Amphetaminen (Speed), und der unzähligen Vorstrafen in diesem Bereich meinte Richter Reznik: "Der Handel musste nicht von der Vertrauensperson angeleiert werden."

Laienhaftes Vorgehen

Nach einem Testkauf mit etwas weniger als 300 Gramm im Februar 2018 sollte wenige Wochen gleich das ganz große Rad gedreht werden. Allerdings "doch sehr laienhaft", wie Rechtsanwalt Berthold Yahya (Würzburg) bemerkte. Schließlich wurden vier der fünf Angeklagten bei der Übergabe auf dem Parkplatz des Autohofes Geiselwind vom SEK geschnappt.

Zwei der Verurteilten kommen für eineinhalb bzw. zwei Jahre in die geschlossene Abteilung eines Bezirkskrankenhauses. "Wenn Sie nicht behandelt werden, besteht nach Ihrer Entlassung aus der Haft sonst die Gefahr weiterer Straftaten", so Richter Reznik. Das zeige eine beeindruckende Liste an Betäubungsmitteln bis hin zu Heroin. Falls die Therapie anschlägt und sie vom Rauschgift die Finger lassen, könnte es sein, dass ihre Reststrafe dann zur Bewährung ausgesetzt wird.

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