"Wenn Sie so weitermachen, führt Ihr Weg in den Jugendknast nach Ebrach", drohte Jugendrichter Martin Kober dem 19-jährigen Angeklagten. Vier Vorstrafen, unter anderem wegen Diebstahls und Sachbeschädigung, hat er auf dem Kerbholz. Nun musste er sich wegen zweifachen Tankbetrugs vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts in Haßfurt verantworten. Das Urteil gibt dem Heranwachsenden nochmals eine Chance: sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung.


Mit ängstlichem Blick

Kleinlaut beantwortete der Benzindieb die Fragen des Gerichts. Mit ängstlichem Blick gestand er die in der Anklageschrift vorgetragenen Straftaten ein. Beim ersten Betrugsfall am 31. März diesen Jahres fuhr sein Kumpel mit einem Ford eine Tankstelle in Eltmann an, der Angeklagte saß auf dem Beifahrersitz. Nachdem sie für 50 Euro getankt hatten, ging der Angeklagte zur Kasse, um zu bezahlen, oder besser gesagt: um eine Bezahlung vorzutäuschen. Denn er wusste, dass er mit der von ihm vorgelegten EC-Karte keinen müden Cent locker machen konnte. Und Bargeld hatte er ohnehin nicht dabei.
Also hinterließ er seine Personalien und die Mitarbeiterin notierte das Nummernschild des Autos. Nachdem der Angeschuldigte ein Schuldanerkenntnis unterschrieben und versichert hatte, am darauf folgenden Tag den fälligen Betrag nachzuzahlen, verließ er mitsamt seinem Freund den Tatort. Eine Woche später, am 8. April, wiederholte er bei einer Tankstelle in Bamberg diese Masche. Den angerichteten Schaden hat er bis heute nicht ausgeglichen.
Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich beleuchtete in seiner Stellungnahme den Werdegang des jungen Burschen. Er berichtete von zerrütteten Familienverhältnissen, von einer frustrierten und letztlich resignierten allein erziehenden Mutter, von einer in der Erziehung fehlenden väterlichen Hand und von der Ausbildung in einem Handwerksberuf, die nach einem halben Jahr scheiterte.
Der Pädagoge kennzeichnete den Heranwachsenden als einen Menschen, der sich auch bei kleineren Problemen und Anforderungen schnell überfordert fühle und dann gleich die Brocken hinschmeiße. Er bescheinigte ihm "erhebliche Reifedefizite" in seiner charakterlichen Entwicklung und eine lethargische Haltung und Einstellung. Abschließend plädierte er für einen Bewährungshelfer, weil der Beschuldigte "die Führung durch eine erwachsene Bezugsperson dringend braucht."


Auf Bewährung

Diesen Vorschlag griff Staatsanwalt Daniel Heppt in seinem Plädoyer auf. Der Vertreter der Anklage wies warnend darauf hin, dass die bisher verhängten Strafen - zwei einwöchige Jugendarreste - bei dem Heranwachsenden keine nachhaltige Wirkung gezeigt hätten. Von daher forderte er eine sechsmonatige Jugendstrafe, die man gerade noch zur Bewährung aussetzen könne.
Das rechtskräftige Urteil des Jugendschöffengerichts (sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung) entsprach dem Antrag des Staatsanwalts. Zusätzlich muss der Arbeitslose 50 Sozialstunden ableisten sowie sich umgehend beim Jobcenter und einem Bewährungshelfer melden. In seiner Urteilsbegründung las Jugendrichter Martin Kober dem Verurteilten die Leviten: "Jeder, der heute arbeiten kann und will, kriegt auch einen Job. Schauen Sie, dass Sie ihr Leben in den Griff kriegen. Sie brauchen eine geregelte Arbeit und einen geregelten Tagesablauf!"