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Herzogenaurach

Sicherheit geht immer vor

Für die Rettungskräfte ist Corona eine enorme Herausforderung. So auch für die Feuerwehren. Denn der Versuch, eine Ansteckung zu vermeiden, führt zu Änderungen in der Einsatztaktik.
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An der Herzogenauracher Wache wird umsichtig gearbeitet - erst Recht bei Einsätzen. Vorsicht und Sicherheit gehen vor.  Foto: Michael Busch
An der Herzogenauracher Wache wird umsichtig gearbeitet - erst Recht bei Einsätzen. Vorsicht und Sicherheit gehen vor. Foto: Michael Busch
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Michael Busch Sieben Feuerwehrleute auf engstem Raum, das ist die Situation für die Mannschaft bei der Anfahrt durch die Löschfahrzeuge der Feuerwehr. Und vorne sitzen noch der Fahrer und der Gruppenführer. In der Mannschaftskabine wird sich gegenseitig geholfen, wenn der Atemschutz angelegt wird, wenn die Funkgeräte eingeschaltet und verteilt werden, wenn der Helm mal nicht so sitzt, wie er soll. Körperkontakt ist im Grunde unvermeidlich.

Aufteilung der Mannschaft

Das Problem kennt auch Rainer Weber. Der 1. Kommandant der Herzogenauracher Feuerwehr hat daher für seine Mannschaft auch besondere Schutzmaßnahmen angeordnet. Zum einen werden die Fahrzeuge, die üblicherweise mit neun Mann ausrücken, nur noch mit einer Staffel besetzt sein. Das heißt der Fahrer und der Gruppenführer sitzen weiterhin in der Fahrerkabine, im Mannschaftsraum sind vier weitere Feuerwehrler untergebracht. Weber sagt zu dem Grund dieser Maßnahme: "Ich habe für die Mannschaft eine Fürsorgepflicht." Er erläutert, dass gerade bei der Enge des Fahrzeuges, bei der erhöhten Atemfrequenz der Einsatzkräfte das Risiko der Ansteckung minimiert werden muss.

Die Drehleiter ist mit zwei Personen besetzt, die weiteren Fahrzeuge wieder mit der kleineren Mannschaft. "Wir haben aber immer die Möglichkeit, Kameraden mit weiteren Fahrzeugen zum Einsatzort zu bringen", sagt der Kommandant.

Aber Weber hat eine weitere Idee umgesetzt: "Ich habe die Mannschaft, die besteht aus gut 100 Aktiven, in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe kommt zum Einsatz in den geraden Wochen, die andere Gruppe in den ungeraden Wochen." Das gelte aber nur für kleinere Einsatzereignisse: Papiertonnenbrand, Ölspur, Brandmeldereinlauf.

"Sollte es zu größeren Schadenslagen kommen, dann wird die gesamte Mannschaft alarmiert", fügt Weber hinzu. Da geht es um den Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, um den Zimmer- oder gar Hausbrand.

Die Folgen von Corona sind allerdings noch weitreichender. So sind zurzeit alle Übungen ausgesetzt. Doch auch hier weist Weber darauf hin, dass der Bürger sich keine Sorgen machen brauche. Die Feuerwehrler seien über lange Zeit sehr gut geschult, so dass sie die Einsätze in gewohnter Perfektion absolvieren können.

Neue Wege gehen

"Die Frage ist sicherlich, wie lange das alles dauert?", gibt Rainer Weber zu. "Wenn sich dieser Ausnahmezustand lange hinzieht - und darüber kann keiner Auskunft geben - , müssen wir schauen, wie das dann weitergeht."

Ideen gibt es im Feuerwehrwesen viele. In Bochum zum Beispiel finden Schulungen per Livestream statt. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bubenreuth, Heinrich Herzog, stellt auf dem Facebook-Kanal der Feuerwehr ein neues Gerät vor. Die Mannschaft informiert sich online. In vielen Wehren gibt es mittlerweile Facebook- oder WhatsApp-Gruppen, in denen die Aktiven über den Stand der Pandemie, aber eben auch dem Schutz vor dem Corona-Virus informiert werden.

Sicherheit spielt bei der Feuerwehr schon immer eine große Rolle, auch der Eigenschutz. Genau der wurde nochmals verstärkt. Rainer Weber sagt, dass zum Beispiel in der Atemschutzwerkstatt verstärkt Wert auf die Bereitstellung der Ausrüstung geachtet wird. "Entsprechend geschultes Atemschutzpersonal reinigt die Geräte, um Übertragungen zu vermeiden. "Es gilt Sicherheit Hoch Zwei."

Selber sei man grundsätzlich ausgestattet. Masken, Desinfektionsmittel seien vorhanden. "Bei einem Anruf mit dem Zulieferer habe ich erfahren, dass der Nachschub wohl gesichert ist", sagt Weber. Sein Fazit fasst er in einen Satz: "Wir haben die Feuerwehr auf Null gefahren, aber im Einsatz sind wir 100 Prozent da." Sprich: Kein Bürger muss sich Sorgen machen. Im Einsatzfall sind die Ehrenamtler da. Denn ein Leitspruch gilt in Coronazeiten erst recht: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr."

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