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Seßlach hat eine Hundertjährige

Ob ihr gesunder Honig geholfen hat? Hedwig Töpert, die früher als Imkerin in Seßlach stadtbekannt war, feierte am Donnerstag im Altenheim der Flender'schen ...
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Ihren 100. Geburtstag feierte am Donnerstag im Seßlacher Altenheim Hedwig Töpert, umringt von den Enkelinnen Cornelia und Kerstin, ihrem Sohn Ralf, Enkel Carsten sowie "Schwiegerenkel" Volker Mösle (hinten, von links). Bürgermeister Martin Mittag (vorn) gratulierte natürlich auch. Foto: Bettina Knauth
Ihren 100. Geburtstag feierte am Donnerstag im Seßlacher Altenheim Hedwig Töpert, umringt von den Enkelinnen Cornelia und Kerstin, ihrem Sohn Ralf, Enkel Carsten sowie "Schwiegerenkel" Volker Mösle (hinten, von links). Bürgermeister Martin Mittag (vorn) gratulierte natürlich auch. Foto: Bettina Knauth
Ob ihr gesunder Honig geholfen hat? Hedwig Töpert, die früher als Imkerin in Seßlach stadtbekannt war, feierte am Donnerstag im Altenheim der Flender'schen Spitalstiftung ihren 100. Geburtstag. Beim letztjährigen Sommerfest hatte Leiterin Diane Alka der beliebten Jubilarin den Titel "Bienenprinzessin" verliehen.
An der Straße nach Watzendorf, in der Nähe des Wasserhäuschens, kümmerte sich Töpert zeitweise um über 30 Bienenvölker. "Damals war es die größte Imkerei weit und breit", erinnert sich ihr Sohn Ralf. Der 67-Jährige ist zum Jubeltag mit seinem Sohn Carsten (26 Jahre) aus Bayreuth angereist, wohin es den Polizisten im Ruhestand vor Jahren aus beruflichen Gründen verschlug. Auch Töperts beide Enkelinnen Kerstin (38 Jahre) und Cornelia (29) sind pünktlich aus München und Regensburg eingetroffen, um mit ihrer Oma den 100. Geburtstag zu feiern.
Eigentlich hatte Töperts Ehemann Rudolf die Bienenvölker angeschafft. "Aber die Arbeit, die hat größtenteils meine Mutter gemacht", sagt Ralf Töpert. Als kontaktfreudig und kommunikativ beschreiben Sohn wie Enkel die Jubilarin. Diese Eigenschaften hätten ihr geholfen, in der Hochphase fast 20 Zentner Honig an die Kunden zu bringen. "Mein Vater und ich hätten nur einen Bruchteil davon verkauft", kommentiert der Junior schmunzelnd. Weil sie kein Auto, nicht mal einen Führerschein besaß, legte die Imkerin die Strecke aus der Stadt auf den Berg Richtung Watzendorf stets zu Fuß oder mit dem Rad zurück.
Der ständige Kontakt mit den Seßlachern erleichterte der aus Bunzlau (Schlesien) stammenden Flüchtlingsfamilie die Integration in der neuen Heimat. Durch Zufall kam Töperts Mann Rudolf aus der britischen Kriegsgefangenschaft nach Dietersdorf: Dort lebte seine Schwester Grete und lieferte ihm so die zur Entlassung benötigte Bezugsadresse. Seine Frau Hedwig, die Töpert bereits 1937 geheiratet hatte, hielt sich noch im Bereich Chemnitz auf. Nachdem das Rote Kreuz sie ausfindig gemacht hatte, flüchtete die junge Frau 1946 schwarz mithilfe von Schleusern über Göttingen in den Westen.


Neuanfang in Seßlach

Über die Vertreibung und ihre Flucht spricht Töpert heute noch viel. Auch an den Neuanfang in Seßlach erinnert sie sich gut. Im Krähwinkel siedelte sich das Paar an. Rudolf hatte das Schreinerhandwerk erlernt und fand bei Modellbau Frerichs eine Anstellung, Hedwig kümmerte sich um den Haushalt. "Es war ein armes und einfaches, aber glückliches Leben", sagt die nun Hundertjährige rückblickend. 1950 wurde ihr einziges Kind Ralf geboren. Bevor Rudolf Töpert 1998 starb, konnte das Ehepaar noch seine diamantene Hochzeit feiern.
"So wie Frau Töpert möchte ich auch mal alt werden", bekundet Leiterin Alka, für ihr Alter sei die Hundertjährige "erstaunlich fit". Warmherzig sei die Oma, sagt Enkelin Cornelia, dazu sehe sie stets das Gute im Menschen. Für die Familie habe seine Mutter alles getan, fügt Ralf Töpert an. Vor allem habe sie "für den Honig gelebt". Der durfte auch an dem besonderen Geburtstag nicht fehlen: Sohn Ralf hält ein Volk und hatte seiner Mutter ihre liebste Süßigkeit als ein Präsent mitgebracht.
Pünktlich zu ihrem Ehrentag vergaß die Jubilarin alle Erscheinungen des Alters, um mit ihrer Familie und Gästen zu feiern. "Dass ihr alle da seid", staunte sie beim Blick in die Runde. Zu den ersten Gratulanten gehörte auch Bürgermeister Martin Mittag (CSU). "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so alt werde", bedankte sie sich für die Glückwünsche. bek


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