Bamberg

Sengfelder ist ein Volltreffer

Mit acht neuen Spielern startet Brose Bamberg am Dienstag in die Bundesligasaison. Was von der runderneuerten Mannschaft zu erwarten ist, zeigt der Teamcheck.
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Fotos: Daniel Löb
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Neun Spieler sind weg, acht neue dafür gekommen: Der Basketball-Pokalsieger Brose Bamberg hat im Sommer einen großen personellen Umbruch vollzogen und startet mit einer runderneuerten Mannschaft in die Bundesligasaison 2019/20. Einen Tag vor dem Start mit dem Oberfrankenderby in Bayreuth (Dienstag, 20 Uhr) nehmen wir die Mannschaft und den neuen Trainer Roel Moors im Teamcheck unter die Lupe. 1. Die Guards Mit Paris Lee gehen die Bamberger nur mit einem einzigen "gelernten" Aufbauspieler in die Saison - ein Risiko. Zwar kann auch Kameron Taylor den Ball nach vorne bringen, doch als Scorer - das zeigten die Testspiele - ist der 24-Jährige weitaus effektiver. Nelson Weidemann soll zwar im Lauf der Saison in die Rolle des Aufbauspielers Nr. 2 hineinwachsen. Doch ob das dem erst 20 Jahre alten, von Bayern München ausgeliehenen Talent, in seiner ersten vollwertigen Bundesligasaison auf Anhieb gelingt, ist fraglich. Zurück zu Lee: Den 24-Jährigen mit seinem Vorgänger Tyrese Rice zu vergleichen, wäre vermessen. Da Lee aber bereits in den vergangenen beiden Jahren mit Trainer Moors in Antwerpen zusammengearbeitet hat, weiß er, was von ihm verlangt wird.

Mit Bryce Taylor und Maurice Stuckey spielen zwei deutsche Spieler auf den kleinen Positionen, die Erfahrung aufs Parkett bringen, um die Minuten auf diesem aber kämpfen müssen. Nur wenn sich beide im Vergleich zur Vorsaison steigern, werden sie die Einsatzzeit erhalten, die sie sich wünschen. Aleix Font kam in den Testspielen kaum zum Einsatz. Sportdirektor Leo de Rycke gab zu, dass der 21-jährige Spanier "noch nicht das Niveau hat, das es braucht, um bei uns einen festen Platz in der Rotation zu haben. Das benötigt noch etwas Zeit." Einen der begrenzten Ausländerplätze nicht mit einem Spieler von höherem Format zu besetzen, ist ein Luxus, den sich kein anderer Bundesligist leistet. 2. Die Forwards Die Verpflichtung von Christian Sengfelder kann schon jetzt als Volltreffer bezeichnet werden. Der Ex-Braunschweiger knüpfte bereits in der Vorbereitungsphase nahtlos an seine Leistungen aus der Vorsaison an und avancierte dank seiner hohen Trefferquote - auch aus der Distanz - in den meisten Testspielen zum Topscorer. Der körperlich robuste Power Forward ist aber auch beim Rebound und in der Verteidigung ein Gewinn für das Brose-Team.

Einen Schritt nach vorne gemacht hat Louis Olinde, der auf dem Feld offensiv wie defensiv wesentlich präsenter ist als in der Vergangenheit und seine Einsatzzeit daher steigern dürfte.

Schlecht für das Brose-Team wäre es, wenn der venezolanische Nationalspieler Michael Carrera, der erst am Donnerstag unter Vertrag genommen wurde, genauso viel Eingewöhnungszeit benötigt wie Tré McLean. Dem US-Amerikaner fehlt bislang die Bindung zum Team, und er tritt offensiv kaum in Erscheinung. Coach Roel Moors meint aber: "Tré war in den vergangenen zwei Jahren in der VTB-Liga in Russland. Dort spielst du nicht, wenn du keine Qualität hast. Daher gebe ich ihm die Zeit, die er braucht." 3. Die Center Assem Marei sollte ein Upgrade zu Cliff Alexander sein. Der Ägypter spielt zwar nicht so spektakulär wie der US-Amerikaner, ist aber vielseitiger und vor allem abwehrstärker. In seiner Zeit in Bayreuth erwies sich der 27-Jährige allerdings ebenso foulanfällig wie zuletzt in Izmir in der Türkei. Das könnte zum Problem werden, denn sein Vertreter Elias Harris tut sich gegen physisch starke Gegenspieler schwer. Offensiv ist der alte und neue Kapitän dagegen die Zuverlässigkeit in Person. Falls er weiterhin verletzungsfrei bleibt, dürfte Harris genauso stark spielen wie in der vergangenen Saison, in der er mit einer Quote von 63,9 Prozent der treffsicherste Brose-Spieler war. 4. Der Trainer Roel Moors hat in Antwerpen bewiesen, dass er aus wenig viel machen kann. Die Telenet Giants führte der Coach als Qualifikant bis ins Final Four der Champions League und wurde dafür zum Coach des Jahres ernannt. Der 41 Jahre alte Ex-Profi hat nach drei Jahren seine Wohlfühloase verlassen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Die wird er in Bamberg vorfinden, denn bei Brose ist die Erwartungshaltung eine ganz andere. Sportlicher Erfolg und eine attraktive Spielweise werden erwartet. Insbesondere Letzteres vermissen die Vereinsverantwortlichen, aber auch die Fans seit dem Ende der Ära Trinchieri. Der Belgier hat jedoch weitaus weniger herausragendes Spielermaterial zur Verfügung als seinerzeit der italienische Maestro. Gelingt es Moors, dem Team seine auf einer starken Defensive und teamorientierter Offensive gründende Spielphilosophie zu vermitteln, dürfte seine Amtszeit in Bamberg deutlich länger ausfallen als die seiner Vorgänger Luca Banchi, Ainars Bagatskis und Federico Perego. 5. Die Prognose Brose Bamberg hat den schon vor einem Jahr angekündigten personellen Umbruch diesmal vollzogen. Anstatt auf klangvolle Namen wie Tyrese Rice oder Nikos Zisis setzt der neunfache Meister nun auf unverbrauchtes Personal. Der Kader weist weniger individuelle Klasse auf. Mit Rice und Augustine Rubit hat Brose seine beideen zuverlässigsten Scorer der vergangenen Saison ziehen lassen. Das Team 2019/20 soll es vielmehr als Kollektiv richten. Dennoch: Jede Mannschaft braucht eine klare Hierarchie, in der jeder Spieler seine Rolle kennt. Schaffen es die Brose-Basketballer um Trainer Roel Moors im Verlauf der Saison, sich eine eigene Identität zu erarbeiten, ist das Halbfinale in der Bundesliga drin. Ansonsten wird selbst der Kampf um die Play-offs kein Selbstläufer.

In der Champions League sollten die Bamberger die K.-o.-Runde erneut problemlos erreichen. Das Final Four dürfte im kommenden Mai aber ohne Bamberger Beteiligung über die Bühne gehen.

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