Kloster Banz

Seltenes von Bach zu hören

Felix Friedrich spielt am Sonntag auf der Seuffert-Woehl-Orgel.
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In der zweiten halbstündigen geistlichen Orgelmusik am Sonntag, 10. Juni, um 11.30 Uhr bringt Felix Friedrich, Altenburg, seltener zu hörende Orgelwerke von Johann Christoph Bach, Telemann und die beliebte Fantasie G-Dur von Johann Sebastian Bach zu Gehör.
Wie immer ist der Eintritt frei, jedoch wird am Ausgang um eine angemessene Kollekte für die Erhaltung der wertvollen barocken Seuffert-Woehl-Orgel gebeten.


In Dresden studiert

Felix Friedrich, geboren im Kreis Döbeln, studierte Kirchenmusik und Orgel in Dresden und Weimar, u.a. bei K. Frotscher und J.-E. Köhler. Er ist Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe und war Initiator und Sachberater bei der Restaurierung der berühmten Orgel des Heinrich Gottfried Trost in der Altenburger Schlosskirche (J. S. Bach nahm dieses Instrument nach seiner Fertigstellung im 18. Jahrhundert ab!).
Ein besonderes Verdienst Friedrichs war dabei die wohl früheste Durchsetzung der Rückführung einer großen Barockorgel auf den Zustand ihrer Erbauungszeit. Friedrich ist an diesem Instrument als städtischer Schloss-Organist tätig. Mit seiner Dissertation über Trost wurde er 1987 in Halle zum Dr. phil. promoviert.
Er konzertiert häufig in verschiedenen europäischen Ländern, den USA und in der ehemaligen GUS. Die Zusammenarbeit mit Sinfonieorchestern und bekannten Dirigenten wie Masur, Rilling oder Marek Janowski unterstreicht seine interpretatorische Bedeutung. Funkaufnahmen kommen dazu, oft mit zeitgenössischer Musik. An Fernsehaufnahmen der ARD war er beteiligt und er spielte Langspielplatten ein, inzwischen aber auch mehr als 80 CDs, darunter eine Gesamtedition der Orgelwerke des J. L. Krebs. Er hatte ferner Anteil an der CD-Dokumentierung aller bestehenden Gottfried-Silbermann-Orgeln. Seit 1991 leitet er die von Studenten weltweit wahrgenommene sommerliche "Thüringische Orgelakademie".


Krebs-Werkeverzeichnis

Vor ein paar Jahren erschien zudem eine DVD, auf der Friedrich in Fabio Luisis Aufführung des "Elias" Mendelssohns in der Dresdener Frauenkirche an der Orgel zu hören ist. 2009 gab Felix Friedrich in Buchform das erste Joh.-Ludwig-Krebs-Werkeverzeichnis heraus. Dass Friedrich in den halbstündigen Banzer Matineen mitwirkt, ist eine sehr erfreuliche Tradition geworden.
Sein aktuelles Programm beginnt mit Kompositionen von Johann Christoph Bach, dem Sohn und Schüler Heinrich Bachs. Er war seit 1663 Organist der Schlosskapelle Arnstadt und seit 1665 an der Georgenkirche in Eisenach, wo er außerdem als Cembalist der Hofkapelle wirkte und 1700 zum Kammermusiker aufrückte. Von ihm werden Praeludium und Fuge Es-Dur sowie eine Choralbearbeitung erklingen. Auf eine Fuge und zwei Fughetten Telemanns folgt eine dreiteilige Fantasie G-Dur dieses Komponisten, der Felix Friedrich Bachs berühmte und beliebte Fantasie in derselben Tonart und ebenso in drei Teilen gegenüberstellt. Gelegenheit, die Stile beider Komponisten unmittelbar zu vergleichen, was besondere Bedeutung dadurch gewinnt, dass die Stadt Leipzig Telemann die Nachfolge Kuhnaus im Thomaskantorat anbot, die Telemann aber wohl wegen vorausgegangener Spannungen mit Kuhnau nicht antrat. Stattdessen verließ er die Stadt, und Bach wurde in einem zweiten Schritt erst Kuhnaus Nachfolger als Thomaskantor.
Die Orgel in der Stiftskirche wurde 1745 bis 1748 von Joh. Phil. Seuffert, Würzburg, für Kloster Grafschaft errichtet, blieb nach der Säkularisation in Frankenberg/Eder erhalten und wurde 1987 durch Gerald Woehl, Marburg, und seine Mitarbeiter in das barocke Gehäuse der in Banz bis 1903 bestehenden Seuffert-Orgel eingesetzt. Sie bietet in Haupt- und Unterwerk sowie Pedal 37 klingende Register. red


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