LKR Forchheim

Seit '74 professioneller Tourismus

Als vor 45 Jahren die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz (TZ) in Ebermannstadt gegründet wurde, war das in Franken einmalig. Mittlerweile ist die TZ in vier Landkreisen tätig.
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Das Büro der Tourismuszentrale wurde in den Räumlichkeiten der heutigen Polizei Ebermannstadt eröffnet, wenige Wochen später kam der ehemalige Landrat und bayerische Finanzminister Rudolf Eberhard (links) vorbei. Rechts daneben (von links), die Gründungsleiterin Christl Thömmes, Landrat Otto Ammon, Bürgermeister Johann Georg Daum (Heiligenstadt,) und Karl Theiler als Bürgermeister von Ebermannstadt. Das Bild entstand im Juli 1974. Foto: Archiv
Das Büro der Tourismuszentrale wurde in den Räumlichkeiten der heutigen Polizei Ebermannstadt eröffnet, wenige Wochen später kam der ehemalige Landrat und bayerische Finanzminister Rudolf Eberhard (links) vorbei. Rechts daneben (von links), die Gründungsleiterin Christl Thömmes, Landrat Otto Ammon, Bürgermeister Johann Georg Daum (Heiligenstadt,) und Karl Theiler als Bürgermeister von Ebermannstadt. Das Bild entstand im Juli 1974. Foto: Archiv

Nachdem mit der Gründung einer Werbegemeinschaft 1968 schon der erste Schritt hin zu einer gemeinsamen touristischen Vermarktung der Region getan war, konnte Landrat Otto Ammon aus Forchheim, mittlerweile Chef des Gebietsausschusses, zum 1. April 1974 die Tourismuszentrale ins Leben rufen - damals einmalig in ganz Franken.

Zähe Verhandlungen

Zusammen mit Landrat Josef Kohut aus Bayreuth gelang es ihm nach zähen Verhandlungen und einem "Hearing", die "Tourismuszentrale Fränkische Schweiz" (TZ) zu installieren. Im Rechenschaftsbericht von 1975 schrieb er rückblickend: "Ich brauche meine Freude über die Gründung einer Fremdenverkehrseinrichtung durch die beiden Landkreise Bayreuth und Forchheim nicht noch einmal zum Ausdruck zu bringen. Die Verhandlungen hierüber waren zäh, aber auch fair. Maßgebend scheint mir, dass die Einrichtung überhaupt zustande gekommen ist."

Ende der Werbegemeinschaft

Zur ersten Geschäftsführerin der Tourismuszentrale wurde Christl Thömmes bestimmt, die durch ihren Mann, den Geschäftsführer des deutschen Fremdenverkehrsverbandes (DTV), die besten Beziehungen zum Tourismusmarkt und zur internationalen Presse hatte. Mit dem Beginn dieser Ära hatte die "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz" ihren würdigen Nachfolger gefunden und stellte die Arbeit ein.

Eine der ersten Aufgaben der TZ war die Neuauflage des "Erlebnispasses" (ehemals Kurkarte, heute E-Card), der den Gästen Vergünstigungen in 15 Sehenswürdigkeiten gewährte. In den Folgejahren wurde die Messearbeit ausgebaut, verstärkt Anzeigenwerbung betrieben und weitere Gebietsprospekte erstellt.

400 Millionen Mark

Der Aufwand lohnte sich. 1980 konnte die TZ 900 000 Übernachtungen registrieren, 1998 waren es (laut DWIF) 1,6 Millionen Übernachtungen und fast neun Millionen Tagesgäste, die für einen touristischen Jahresumsatz von rund 400 Millionen Mark sorgten und den Tourismus damit endgültig zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Zweige der Region werden ließen. Seit 1976 ist nun der Landkreis Bamberg (mit dem Raum Heiligenstadt, Hirschaid, Strullendorf, Litzendorf, Memmelsdorf, Scheßlitz, Gundelsheim und Buttenheim) und seit 1986 der Landkreis Kulmbach (mit den Gemeinden Thurnau, Wonsees und Kasendorf, Neudrossenfeld) dem Gebietsausschuss angeschlossen, so dass die TZ mittlerweile in vier Landkreisen tätig ist - und darüber hinaus.

Auch für Erlangen-Höchstadt

Seit 1997 ist die Tourismuszentrale auch für Teile des Landkreises Erlangen-Höchstadt zuständig, genauer für die Gemeinden Bubenreuth und Baiersdorf, die sich durch ihre Mitgliedschaft beim Tourismusverband Franken für die Region Fränkische Schweiz entschieden hatten und seither von Ebermannstadt aus betreut werden.

Die Gründung der TZ hat einer maßgeblich mitbestimmt: Rudolf Eberhard, der frühere Landrat von Ebermannstadt. Als Abgeordneter der CSU gehörte der im Jahr 1914 geborene Eberhard von 1950 bis 1974 dem Bayerischen Landtag an. Von Oktober 1957 bis Juni 1964 diente er in den Kabinetten von Hanns Seidel, Hans Ehard und Alfons Goppel als bayerischer Finanzminister. Von Ende 1958 an war er zudem stellvertretender bayerischer Ministerpräsident.

Neben seinen politischen Tätigkeiten engagierte er sich für die Belange des Fremdenverkehrs und diente diesem lange Jahre:

Von 1967 bis 1991 als Präsident des Deutschen Fremdenverkehrsverbands (heute DTV) und der Deutschen Zentrale für Fremdenverkehr (heute DZT). Er war von 1954 bis 1993 erster Vorsitzender des Fremdenverkehrsverbandes Nordbayern (heute Tourismusverband Franken) und von 1961 bis 1994 erster Vorsitzender des Landesfremdenverkehrsverbandes Bayern (heute Bayern Tourismus Marketing GmbH).

Rudolf Eberhard hat also alle relevanten deutschen Tourismusleitposten in einer Person vereint und als diese Person, die maßgeblich an der Gründung der TZ teilgenommen hat, besuchte er das Büro im Juli 1974. Eberhard starb 1998 in München.

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